To bee or not to bee

Sterben die Bienen, sterben die Menschen: Die schwarz-gelben Insekten sind für uns von enormer Bedeutung – gesundheitlich sowie wirtschaftlich. Weltweit sinkt schon seit Jahren die Zahl der Bienenvölker, wodurch ganze Ökosysteme in Gefahr geraten. Mediziner Günther Beck spricht darüber, wie sich Wirtschaft und Politik anpassen können, um Bienen wieder lebenswertere Naturräume zu bieten, und was wir von den Insekten lernen können.

Die Imkeranzüge stehen schon bereit: Im hinteren Eck seines Gartens steht Günther Becks Bienenhaus. Es ist gefüllt mit Holzboxen (so viele, dass man gar nicht erst zu zählen beginnt). Darin befinden sich die Bienenstöcke. Beck holt eine Bienenwabe aus einem Holzkasten – er macht das ganz offensichtlich nicht zum ersten Mal. Nach kurzer Suche zeigt er auf die Bienenkönigin. Woran er sie erkennt? Sie ist durch einen kleinen blauen Punkt am Rücken markiert.

Hunderte von Bienen schwirren durch die Luft. Seit seiner Kindheit ist Günther Beck mit Bienen vertraut und hat von ihnen so einiges fürs Leben gelernt. Mit einem fast meditativen Summen als Hintergrundgeräusch sowie einer honigsüßen Stimme, die immer mal wieder von der anderen Ecke des Gartens Kommentare wie „Ich kann das auch!“ abgibt (Günther Beck hat seine Leidenschaft fürs Imkern wohl seinem jüngsten Sohn vererbt), unterhalten wir uns mit dem Mediziner und Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Revital Aspach und Villa Vitalis Medical Health Resort.

Warum gerade dieses Hobby?

BeckMein Großvater war mit Leib und Seele Hobbyimker. Da wächst man als Kind einfach hinein und entwickelt ein Interesse. Als mein Opa dann 90 Jahre alt war, schaffte er es körperlich nicht mehr, da hab‘ ich gesagt: „Opa, zeig‘ du mir, wie ich das bewirtschaften kann – dann mach ich mit dem Imkern weiter.“ In meinem ersten Jahr hab‘ ich schon eineinhalb Kilo Honig geerntet.

Was fasziniert Sie an den Bienen am meisten?

BeckDas Faszinierende ist, dass Bienen eigentlich fast alles selbst regulieren und 1000-mal schlauer sind als der Mensch. Sie sind einfach so intelligent und leben mit der Natur in einer Symbiose, das ist absolut beeindruckend.

Günther Beck, Geschäftsführer, Gesundheitszentrum Revital Aspach und Villa Vitalis Medical Health Resort

Inwiefern unterscheiden sich Gesellschaftsstrukturen von Bienen mit denen von Menschen? Und wo gibt es Gemeinsamkeiten?

BeckEine Parallele zu unserer Gesellschaft ist sicherlich, dass Bienen optimal sozial organisiert sind. Die Menschheit hat auch eine sozial intakte Struktur aufgebaut. Unterschiede sehe ich zum Beispiel darin: Wenn eine Königin nicht mehr gebraucht wird, wird sie einfach ersetzt. Wenn ein Politiker oder Geschäftsführer nicht mehr taugt, ist es oft sehr schwierig, denjenigen auszutauschen. Bienen sind da sehr radikal, das passiert von einem Tag auf den anderen. Es geht nicht um mehr Honig oder das Wohl der Königin, sondern immer um das Wohl des Bienenvolkes. Schaut man sich unsere politische Gesellschaft an, dann steht das Wohl des Volkes nicht immer eindeutig im Vordergrund.

Bienenvölker sind perfekt durchorganisiert – inwiefern ähnelt das Ihrer Arbeitsstruktur als Geschäftsführer und dem Aufbau Ihres Unternehmens?

BeckÄhnlich wie beim Bienenvolk braucht es immer einen Verantwortlichen und viele fleißige Helferlein, die bestimmte Aufgaben, abgestimmt mit den anderen Bereichen, erfüllen. Wenn die Organisation gut passt, dann kann man auch Honig ernten, dann ist man auch wirtschaftlich gut aufgestellt als Unternehmen. Es gibt aber auch Außenfaktoren, die belasten können. Wie jetzt in der Coronakrise, als wir fast zwei Monate zusperren mussten. Da entstehen Herausforderungen, mit denen vielleicht auch ein Bienenvolk zu kämpfen hat, wenn es beispielsweise keinen Honigertrag gibt und das Futter ausgeht. Desto besser man aufgestellt ist, desto flexibler ist man bei Alternativen und Krisenstrategien. Das hat sich bei uns im Unternehmen sehr deutlich herausgestellt. Wir haben diese Krise sehr gut weggesteckt, daraus gelernt, uns weiterentwickelt und können uns somit für die Zukunft besser aufstellen.

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