Wenn der Techniker zum Autor wird

Die einen gehen nach der Arbeit, um den Kopf freizubekommen, eine Runde laufen. Die anderen schreiben als Ausgleich zum stressigen Berufsalltag ein Buch. Okay, Letzteres ist eher seltener bis kaum vorhanden. Aber genau deshalb trafen wir auch Thomas Füchsel alias T. F. Renard. Der Miteigentümer des Linzer Anlagenplaners TBP schrieb gerade seinen dritten Krimi fertig und steckt schon wieder inmitten seines nächsten Buches. Für das Interview haben wir uns an einen Schauplatz seines neuen Buches begeben.

Als er den Wagen verließ, spürte er es sofort. An diesem Ort befand sich noch etwas anderes als nur ein Schloss. Es fühlte sich böse und schrecklich an, furchtbarer, als Luc Martin es je zuvor gespürt hatte. Genau das war es, was ihm Angst machte. Er ahnte etwas, konnte es jedoch logisch nicht begründen. In Wahrheit aber wusste er es sofort. Es mussten furchtbare Dinge geschehen sein, die ihm dieses Gefühl vermittelten. „Luc? Geht es dir gut?“ Sonyanga hatte ihn beobachtet und erkannt, dass es seinem Chef hier in Hartheim nicht übermäßig zu gefallen schien.

Ganz anders bei Thomas Füchsel. Diesem gefiel Schloss Hartheim bei Alkoven gut. Und zwar als Schauplatz für seinen dritten Krimi „Am Ende der Gezeiten“, woraus auch die ersten Zeilen dieses Artikels stammen. Darauf gestoßen ist er „durch Zufall“, erzählt Füchsel beim Gang durch den Schlosspark: „Ich habe bei Freunden in der Nähe des Schlosses übernachtet, wir haben über die Fortsetzung meiner beiden Krimis gesprochen und dass darin ein Kinderheim und ein Schloss vorkommen. Mein Freund hat daraufhin gemeint, dass dazu passend ganz in der Nähe Schloss Hartheim sei.“ Füchsel war sich dessen gar nicht bewusst und war noch nie dort gewesen. Er fuhr am nächsten Tag auf dem Heimweg nach Linz beim Schloss vorbei. „Es war Sonntagmorgen, leicht regnerisch und wolkenverhangen und als ich da völlig alleine durch den Park gegangen bin, wusste ich, diese Stimmung passt perfekt für mein Buch.“

Konzipieren von Industrieanlagen

„Gar nicht“ passe hingegen Füchsels Leidenschaft, Bücher zu schreiben, zu seinem Beruf. Von allen, die davon erfahren, würde er ungläubige Blicke und die Fragen, wie sich das Hobby zeitlich mit dem Arbeitspensum vereinbaren lasse und wie er überhaupt darauf gekommen sei, ernten. „Bücher zu schreiben ist etwas, womit viele Menschen nichts anfangen können, und in meiner Branche ist es noch einmal ein wenig exotischer, denn das ist ein bisschen etwas Künstlerisches und Techniker sind keine Künstler“, erzählt Füchsel lachend, dass es ihm ganz gut gefalle, da ein bisschen aus der Reihe zu fallen. Er ist geschäftsführender Gesellschafter vom Linzer Anlagenplaner TBP. Das Unternehmen konzipiert Anlagen für die Industrien Papier, Zucker und Stärke, erwirtschaftet mit 50 Mitarbeitern in Linz sowie 60 bei der polnischen Tochtergesellschaft und 15 in Deutschland jährlich rund fünfzehn Millionen Euro Umsatz. Das Unternehmen ist in Mitteleuropa mit Schwerpunkt im Osten tätig. „Wir waren aber schon überall auf der Welt tätig“, sagt Füchsel und bekräftigt damit die aufgeworfene Frage, was die notwendige Zeit für das Hobby anbelangt. Seine Erklärung dazu: „Andere gehen nach der Arbeit joggen, schauen fern oder lesen – ich setze mich in dieser Zeit an den Laptop und schreibe.“ Füchsel schreibt abends und an freien Tagen: „In einem Urlaub, der gut zwei Wochen dauert, schaffe ich rund ein Drittel von einem Buch, danach liegt es halt auch mal wieder tagelang herum“, erklärt Füchsel, dass er an jedem seiner Projekte rund ein Jahr gearbeitet hat.

Die Geschichte für sein erstes Buch ist Füchsel eingefallen, als er nach einer schweren Operation drei Wochen lang im Krankenhaus liegen musste. Zweieinhalb Jahre später, im Frühjahr 2014, begann er diese niederzuschreiben, fünf Jahre später hat er Teil drei fertig und arbeitet bereits an einem neuen Buch. Dazwischen schrieb Füchsel noch eine Biographie als Auftragsarbeit. Das Buch wird entweder unter dem Titel „Gold Stück Scheiße“ oder „Einmal Hölle und NICHT zurück“, voraussichtlich Anfang 2020, herausgebracht. Die ersten drei Bücher sind eine Krimiserie – ob er von einer Trilogie sprechen soll, weiß Füchsel noch nicht, denn er habe im letzten Teil etwas offengelassen und jetzt möchte er seine Leser entscheiden lassen, ob es weitergehen soll. Falls ein vierter Teil entsteht, weiß Füchsel bereits den Namen: „Orphalus“. Was es damit auf sich hat, will er nicht verraten – nur so viel: „Das erfährt man im dritten Teil.“ Zu diesem verrät Füchsel: Wieder einmal sind die Polizistin Margarete Keller und der Privatdetektiv Luc Martin gefragt – es geht um Kindesentführung, die Spur führt ins Kinderheim in Schloss Hartheim. Das in der Realität während der Nazi-Zeit als „Euthanasie Anstalt“ genutzte Schloss und danach zu einem Lern- und Gedenkort umgebaute Gebäude funktioniert Füchsel im Buch zu einem Kinderheim für Waisenkinder um.

Konstruktion von Tathergängen

Das Bücherschreiben bezeichnet Füchsel als „Gegenstück“ zu seiner beruflichen Tätigkeit, dabei schalte er völlig ab und ist „zu 100 Prozent“ in seiner erfundenen Welt. Auf das Genre Krimi sei er gekommen, weil er es immer schon „faszinierend“ gefunden habe, wenn sich das Verbrechen rund um den Tatvorgang entwickelt und der Leser erst am Ende die ganze Auflösung erfährt und immer derjenige der Täter ist, von dem man es am wenigsten erwartet hat. Angesprochen darauf, dass es da ja durchaus Parallelen zum Job gibt, weil ja auch bei Industrieanlagen viele Einzelteile zusammenpassen müssen und es da sicherlich auch einiges an Durchhaltevermögen und Konzen- tration braucht, nickt Füchsel nachdenklich: „Das habe ich selber noch gar nicht so gesehen, aber vielleicht ist das auch der Grund, warum ich die Konstruktion von Krimihandlungen überhaupt kann.“ Bei der Arbeit im Unternehmen investiere das Team 50.000 Planungsstunden, um riesige Anlagen für Fabriken zu konzipieren. Für die jeweils etwa 400 Seiten dicken Bücher benötige Füchsel rund 400 Stunden reine Schreibarbeit. Beim Buch, das Füchsel aktuell schreibt, ist er auf Fantasy umgestiegen: „Es gibt so viele Geschichten und ich wollte mein Spek- trum ein wenig erweitern.“ Der große Unterschied zum Beruf ist, dass Füchsel es rein aus persönlichem Interesse und nicht aus wirtschaftlichen Gründen macht. Er lässt die Bücher auf eigene Kosten drucken. Freunde, Bekannte und wiederum deren Freunde und Bekannte sind die Leser: „Ich betreibe nicht besonders viel Werbung, bin immer happy, wenn ich fertig bin und jemandem ein Buch schenken kann.“

Und damit zurück zu Luc und Sonyanga, zum dritten Krimi von Füchsel: „Alles in Ordnung, Sonny. Ich hatte gerade so eine seltsame Stimmung in mir, schwer zu erklären.“ Luc zog die Schultern nach oben, so als ob es ihn immer noch fröstelte. „Ich weiß, mein Freund.“ Sonyanga legte ihm die Hand sanft auf den Rücken, „ich kann es auch spüren. Jeder, der hier steht, kann das, wenn er es zulässt.“

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