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 30 Jahre EU-Mitgliedschaft: Bilanz mit Potenzial
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30 Jahre EU-Mitgliedschaft: Bilanz mit Potenzial

Drei Jahrzehnte sind vergangen, seit Österreich, Finnland und Schweden der Europäischen Union beigetreten sind. Eine neue Studie der Johannes Kepler Universität Linz zieht Bilanz – und zeigt: Der Binnenmarkt war Motor, ist Fundament und könnte noch viel mehr sein.

Dass der EU-Beitritt 1995 Österreich wirtschaftlich vorwärtsgebracht hat, ist keine politische Behauptung, sondern messbar. In den ersten zehn Jahren nach dem Beitritt wuchs das reale BIP um 26 Prozent – deutlich schneller als die alten EU-Kernländer mit 15 Prozent. Teodoro D. Cocca von der JKU Linz hat im Auftrag des Wirtschaftsressorts des Landes OÖ die langfristigen Effekte für alle drei Beitrittsländer untersucht und kommt zu einem klaren Befund: Österreich hat überdurchschnittlich stark von der Integration in den Binnenmarkt profitiert – vor allem über Warenhandel und industrielle Wertschöpfungsketten.

Der nächste Schritt: Dienstleistungen

Doch die Studie blickt nicht nur zurück. Sie zeigt auch, wo das ungenutzte Potenzial liegt – und das ist beträchtlich. „Das größte zusätzliche Potenzial liegt im Dienstleistungs-Binnenmarkt, insbesondere bei produktionsnahen Dienstleistungen wie Engineering, Software, Wartung, Beratung, Datenservices und After-Sales-Services”, erklärt Wirtschafts- und Europa-Landesrat Markus Achleitner. Während der Warenbinnenmarkt bereits stark harmonisiert ist, bleibt der Dienstleistungssektor fragmentiert: nationale Berufszugangsregeln, unterschiedliche Genehmigungspflichten und administrative Barrieren bremsen das Wachstum. Für Oberösterreich, dessen Industrieexporte zunehmend mit Dienstleistungen verknüpft sind, ist das kein Randthema.

Oberösterreich im Vorteil – wenn es ihn nutzt

Die Zahlen sprechen für sich: Bei einer konsequenten Vertiefung des Binnenmarkts könnte Oberösterreich laut Studie einen zusätzlichen Wachstumseffekt von 0,4 bis 0,6 Prozent pro Jahr erzielen. In ambitionierteren Szenarien sind kumulierte Effekte von mehreren Prozentpunkten des regionalen BIP möglich. Grund dafür ist die industrielle Stärke der Region – kombiniert mit einer überdurchschnittlich hohen Exportorientierung. Gerade an der Schnittstelle von Industrie und digitalen Dienstleistungen, Stichwort „Industrial AI”, sieht  Cocca die größten Chancen: Maschinenbau, Automatisierung, Predictive Maintenance und industrielle Datenplattformen verbinden physische Produkte mit exportfähigen Hochwertdienstleistungen.

Geopolitik als Beschleuniger

Der Zeitpunkt der Studie ist kein Zufall. Die geopolitischen Verwerfungen der letzten Jahre – vom russischen Angriffskrieg bis zur sprunghaften Handelspolitik der USA – haben die Debatte verändert. „Europa kann nur gemeinsam geopolitisch gegenüber den USA, China und Russland bestehen”, betont Landesrat Achleitner. Der EU-Binnenmarkt als größter gemeinsamer Wirtschaftsraum der Welt sei dabei kein Nostalgieproject, sondern ein unverzichtbares Werkzeug. Für Österreich, das doppelt profitiert – durch direkte Binnenmarktexporte und durch die Einbindung in europäische Exportketten mit globaler Reichweite – gilt das mehr denn je.

Am Ende verdichtet sich die Studie zu einer klaren Handlungsempfehlung: Den Binnenmarkt nicht als gegebenen Absatzraum hinnehmen, sondern aktiv als wirtschaftspolitisches Entwicklungsfeld gestalten. Nicht nur mehr Binnenmarkt – sondern mehr Wertschöpfung pro Industrieprodukt.

Redaktion

  • Zofia Wegrzecka

Fotos

Land OÖ / Denise Stinglmayr

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