Digitale Beziehungen sind nicht genug

Digitale Beziehungen sind nicht genug

Das Internet spielt eine immer größere Rolle in der Unternehmenskommunikation und Geschäftsanbahnung. Das persönliche Vier-Augen-Gespräch wird es aber nicht ersetzen, sagt Buchautor und Kommunikations-Vordenker Peer-Arne Böttcher bei einer Pressekonferenz der WKOÖ.

„Es reicht nicht auf Xing, auf LinkedIn, auf Facebook und auf anderen Netzwerken im Internet unterwegs zu sein“, sagt Böttcher, der sich seit den 90er-Jahren mit verschiedenen Internetprojekten beschäftigt. Potentielle Geschäftspartner würde man zwar heutzutage auch im Netz kennenlernen. Der Vertrag wird dann aber eher beim Italiener ums Eck beschlossen. Auch Vorstellungsgespräche wird es auch in Zukunft geben. „Ich glaube kaum, dass jemand direkt den Job bekommt, nur weil er ein professionelles Profil auf einer Netzwerk-Seite hat“, sagt Böttcher. Zwei Paare aus seinem Freundeskreis hätten sich zwar über Datingplattformen kennengelernt. Die Hochzeit und die Kinder kamen jedoch erst nach genauer, analoger Überprüfung des Partners. Kurzum: So wichtig das Digitale auch sein kann, Analog entscheidet. Geschäfte werden zwischen Menschen gemacht. Trotz der digitalen Flut müsse die Kommunikation „menscheln“. Sowohl im Geschäftsleben als auch privat.

Und die digitale Flut ist gewaltig: Fast 3 Milliarden registrierte User in Social Networks. Mehr als 300 Millionen Blogger weltweit. 247 Milliarden E-Mails täglich. Das hat auch massive Auswirkungen auf die Werbewirtschaft. „Angesichts dieser Zahlen muss man sich als Werbeunternehmen natürlich die Frage stellen, wie und in welchem Umfang digitale Werbung in ein vernünftiges Konzept gebracht werden kann“, sagt Christof Schuhmacher, Obmann der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation. „Wir sehen einen Trend hin zu den Wurzeln der Kommunikation. Wer heute Geschichten gut erzählen kann – inhaltlich und handwerklich – der wird Erfolg haben“, sagt Böttcher. Besonders wichtig ist dabei für Unternehmen Glaubwürdigkeit. Konsumenten tauschen sich im Netz vermehrt über Produkte und ihre Schwächen auf, Lügen werden im schlimmsten Fall mit einem Shitstorm bestraft. Grund: „Der Verbraucher akzeptiert es nicht mehr, auf die Seite geschoben zu werden“.