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 Zu stur für beliebig
Allgemein

Zu stur für beliebig

Im Mühlviertel wächst vieles langsamer und zäher als anderswo. Der Boden ist karg, das Klima rau. Vielleicht haben die Menschen hier genau deshalb die kulinarische Improvisation so gut drauf. Vielleicht liegt das auch einfach an ihrer Sturheit. An ihrem inneren Drang nach Exzellenz. Markus Obermüller über eine Region, die aus dem Wenigen immer schon etwas Besonderes gemacht hat. Und darüber, warum man echte Regionalität nicht am Herkunftssymbol erkennt.

Ein kräftiges Mühlviertler Bauernbrot. Darauf Bio-Butter und selbstgemachte Heidelbeermarmelade. Die Beeren wurden im Brunnwald gepflückt – „aber nicht von mir“, sagt Markus Obermüller. Er zwinkert. Das Beste an diesem Frühstück ist für den Geschäftsführer des Mühlviertel Tourismus ohnehin etwas anderes: „Ich kenn’ die Leut’, die es g’macht haben.“

Regionalität beginnt für Markus, der gerne Maks genannt wird, nicht bei einem hübschen Symbol auf der Speisekarte. Sondern bei Beziehungen. Kennt der Wirt den Bauern, der ihn beliefert? Kann die Mitarbeiterin beim Frühstück erzählen, wer das Brot gebacken, den Käse gemacht oder den Saft gepresst hat? Verändert sich die Karte mit den Jahreszeiten? „Gelebte Partnerschaften sind immer sicht- und lesbar“, sagt er. Oder anders ausgedrückt: Regionalität ist keine Kilometerangabe. Sie ist ein Verhältnis zwischen Menschen.

Diese Menschen arbeiten auf kargen Granitböden, in einem rauen Klima, in einer Landschaft, in der vieles langsamer und zäher wächst als anderswo. Genau darin sieht Maks Obermüller keinen Nachteil, sondern den Ursprung der kulinarischen Handschrift der Region. „Das Mühlviertel hat aus Kargheit keinen Mangel gemacht, sondern Erfindungsreichtum.“ Aus Erdäpfeln, Kraut, Mohn, Kräutern, Beeren, Milch, Fleisch und Fisch entstanden große handwerkliche Traditionen: das Backen, Brauen, Räuchern, Fermentieren, Einlegen, Haltbarmachen.

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Seine Oma habe das Wort „exzellent“ immer dann verwendet, wenn etwas besser, schöner oder „g’schmackiger“ war als beim letzten Mal, erzählt er. Dieses Streben nach dem nächsten kleinen Entwicklungsschritt sei tief in der Region verankert. „Mühlviertler sind bei der Qualität echte Dickschädel. Genau diese Sturheit ist unsere beste Qualitätskontrolle.“ Glatt polieren möchte er diese Dickschädel auf keinen Fall. Das Mühlviertel dürfe niemals zu einem touristisch-kulinarischen Themenpark werden, nur weil es hier besonders viele Bio-Betriebe, Brauereien, feine Hotels und gemütliche Wirtshäuser gibt. Charakter entsteht für ihn nicht dort, wo alles austauschbar schön und jedem gefällig ist. Sondern dort, wo eine Region weiß, wer sie ist. Und nicht jedem Trend hinterherläuft.

Der „Mühlviertler Hoch.Genuss“ soll genau diese Originale verbinden, ohne sie gleichzumachen. Mehr als 40 Hotel- und Gastronomiebetriebe arbeiten inzwischen mit über 250 regionalen Lieferanten und Produzenten zusammen. Das Mühlviertel ist die einzige Tourismusregion in Oberösterreich mit solch einem Netzwerk und klarem Commitment. Der Erfolg zeigt sich für Maks nicht nur in Nächtigungen oder Bekanntheit. Sondern darin, wenn ein Wirt mehr regionale Produkte einkauft, ein Produzent zusätzliche Aufträge erhält und aus einem ersten Kontakt eine dauerhafte wirtschaftliche Beziehung wird. Wertschätzung, die Wertschöpfung schafft. Zusätzlich verfolgt man hier, ebenfalls als einzige Region Österreichs, einen Slow-Travel-Ansatz. In einem transnationalen europäischen Projekt wird gerade evaluiert, wie dieser vermarktet werden kann.

Aber sind Gäste wirklich bereit, mehr dafür zu bezahlen? „Wer einmal miterlebt hat, wie lange ein Bratl in der Rein wirklich braucht, oder einem Bauern zugehört hat, der über seinen Betrieb erzählt, fragt nicht mehr, warum das Brot zwei Euro mehr kostet als im Supermarkt“, sagt Maks. „Er fragt sich eher, warum das andere so wenig kostet.“ Und was bleibt, wenn das letzte Stück Bauernbrot gegessen und das Bier ausgetrunken ist? „Im besten Fall nicht nur die Erinnerung daran, dass es schön war und gut geschmeckt hat“, sagt Maks. Sondern an einen Wirt, der sich zum Gast gesetzt hat. An eine Produzentin, die voller Leidenschaft von ihrem Produkt erzählt hat. „Dort war nichts aufgesetzt. Es war einfach spürbar echt.“ Genau das sollen die Menschen über das Mühlviertel erzählen, sagt Maks. Sie sollen die Region nicht nur besuchen. Nicht nur verkosten. Sondern spüren. Und ein kleines Stück davon mit nach Hause nehmen. Vielleicht ist das das gewisse Etwas des Mühlviertels: dass hier nicht versucht wird, aus dem Kargen etwas Glattes zu machen. Sondern etwas Eigenes. Kräftig. Geradlinig. Überraschend. Einen Geschmack, der bleibt. Vor allem, weil man die Menschen dahinter kennt. _

Redaktion

  • Susanna Winkelhofer

Fotos

TVB Mühlviertel/Alex Kaiser ; Robert Maybach

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