Wir sehen uns OBEN
Ein Parkhaus mit Rooftop-Bar, Dschungeltapete und Clubfeeling? Klingt im ersten Moment ungewöhnlich für den Ort Gurten im Innviertel – ist beim Hightech-Maschinenbauer Fill aber seit Neuestem Realität. Was eigentlich als Logistik- und Parkplatzerweiterung gedacht war, hat sich im sechsten Stock des „Power Cubes“ in eine ziemlich geniale Eventlocation verwandelt. Ein Ortsbesuch über den Dächern der Region.
Ein paar Generalproben gab es schon: eine 30er-Feier, ein DJ-Event mit über 200 Gästen – alle ein voller Erfolg. Und doch öffnet das Lokal erst im Herbst nach einer mehrwöchigen internen Testphase für die Belegschaft. „oben“ heißt es, mit dem prägnanten Zusatz „essen | trinken | feiern am dach.“. „Wir sind im Innviertel daheim, wo auch das deutsche Wording sehr wichtig ist“, erklärt uns Andreas Fill, Geschäftsführer von Fill Maschinenbau, den wir direkt vor Ort im sechsten Stock zum Interview am Tresen treffen.
Eigentlich ging alles ganz pragmatisch los: Das 1966 gegründete Familienunternehmen mit seinen rund 1.000 Mitarbeitenden brauchte 2023 eine neue Logistikhalle und damit verbunden auch zusätzliche Parkplätze. Weil man in Gurten nicht unnötig viel Boden versiegeln wollte, entschied man sich für den Bau des Parkhauses „Power Cube“. Vier Parkdecks stehen der Belegschaft zur Verfügung, zwei sind für Gäste reserviert, in der obersten Etage sind Büros entstanden. Doch eine freie Fläche im Dachgeschoss ungenutzt zu lassen, kam für Andreas Fill nicht infrage. Schließlich war das Angebot in der Gegend überschaubar: „Es gibt in Gurten ein sehr gutes Lokal, das aber ausschließlich auf Essen ausgerichtet ist. Für die Jugend gibt es de facto gar nichts. Wenn ich mich an meine eigene Jugend zurückerinnere: Da gab es Discos und Clubs, obwohl wir am Land waren, da konnten wir viel machen. Heutzutage gibt es nichts mehr. Deshalb haben wir gesagt: Wir machen selber ein Lokal.“
Dabei geht es Andreas Fill keineswegs um ein uneigennütziges Liebhaberprojekt: „Wenn du etwas Außergewöhnliches machst – sei es in der Bildung, der Architektur oder im Maschinenbau –, schafft das einen Mehrwert in Richtung Kunden und potenzieller Mitarbeiter. Das ist ein wichtiger Teil unserer Markenbildung. Darum denke ich nicht nur in eine Richtung. Mir ist bewusst, dass die Gastronomie nicht mein Metier ist und mein Unternehmen dadurch nicht reicher wird. Aber wenn ich Geld ins Lokal reinstecke, bringt das hoffentlich einen Mehrwert für viele tausend Menschen. Das hat einen ganz anderen Hebel. Es ist also nicht nur Nächstenliebe für die Gesellschaft, sondern es ist ganz klar auch Eigennutz, weil es um unsere eigene Zukunft geht.“
Dass der Ausbau im sechsten Stock etwas Besonderes ist, merkt man schon bei der Ankunft: Wenn man aus dem Lift steigt, blickt man direkt auf eine Dschungeltapete. Für den Look und das gesamte Grafikkonzept ist die Agentur 3007 verantwortlich, die von Andreas’ Bruder und dessen Partnerin geführt wird. Im Innenraum dominiert schlichtes, edles dunkles Holz, das eine warme, aber moderne Atmosphäre schafft. Hier hatte Fill genaue Vorstellungen: „Ein cooles, aber kein kühles Design. Die Materialität war mir wichtig und dass der Materialmix nicht erschlägt. Eher geradlinig, ohne viel Schnickschnack, und Akzente über das Licht.“ Die Abstimmung im Team sei diesmal allerdings intensiver als sonst gewesen: „Entscheidungen über Architektur und Materialien treffen der Architekt, meine Frau und ich immer gemeinsam. Normalerweise sind wir bei unseren mittlerweile 25 Bauerfahrungen extrem schnell auf einen Nenner gekommen. Beim Lokal hat es länger gedauert. Der Architekt und ich schauen stark aufs Optische – meine Frau ist da etwas vernunftorientierter. Sie hinterfragt direkt: Ist das überhaupt pflegeleicht und wie schaut das nach ein paar Wochen Betrieb aus?“ Nach einigen Abstimmungsrunden entstand genau die richtige Balance aus Ästhetik und Alltagstauglichkeit, inmitten der wir jetzt sitzen.
Ein optisches und akustisches Spektakel ist die Deckenkonstruktion. Weil der Raum für die ursprünglich geplante Diskokugel zu niedrig war, wurde umgedacht: Nun hängen dort samtige Filzelemente zur Schalldämmung, kombiniert mit einzeln ansteuerbaren Lichtbällen, die den Raum in jede erdenkliche Farbe und Stimmung tauchen können. Auf die verbaute Technik wurde großer Wert gelegt: „Es muss einfach passen, was Sound und Licht betrifft. Wir können vom Sound her mit jeder Disco und jedem Club mithalten. Das Lokal soll aber auch flexibel sein – ich möchte ohne großen Aufwand nachmittags etwas essen oder trinken und abends ein DJ-Event feiern können.“ Dabei nimmt der Chef die Flexibilität im Hintergrund persönlich: Bei einer der ersten Testveranstaltungen schenkte er Drinks an der Bar aus und gab seinen Musikgeschmack als DJ an die Gäste weiter. Auf die Frage, welches Gefühl die Besucherinnen und Besucher mitnehmen sollen, hat Andreas eine klare Antwort: „Ein Gefühl von: ‚Da komme ich gerne wieder!‘ Sie sollen sich willkommen fühlen, eine gemütliche, lustige Zeit haben und merken, dass es weder zu steril noch überkandidelt ist.“
Er sieht realistisch, dass man nicht jeden Geschmack trifft: „Ich werde nicht 100 Prozent der Belegschaft abholen. Es gibt Leute, die holen ihr Bier am liebsten an der Tankstelle. Ob die dann hier raufgehen, weiß ich nicht. Aber man kann sowieso kein Lokal bauen, das es jedem recht macht. Es geht ja auch nicht jeder in den Fitnessraum, obwohl der super angenommen wird. Es muss einfach zum Einzelnen passen.“
Das Lokal steht bereits fast fertig da und versprüht vollen Charme. Das spüren wir sofort. Neben dem Innenraum begeistert vor allem die teilweise beschattete Terrasse, die einen traumhaften Panoramablick über das Innviertel bietet. Zusammen fasst die Location innen und außen jeweils rund 80 Sitzplätze und bietet Raum für Events mit über 200 Personen. Da sich im Vorfeld kein externer Pächter fand, gründete Fill kurzerhand die eigene Betreibergesellschaft Red Cube Entertainment. Der erfahrene Geschäftsführer sucht aktuell noch engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für sein Service- und Küchenteam. Unter der Woche öffnet das Lokal ab 14:30 Uhr – zum Ende des Arbeitstages bei Fill –, am Freitag schon ab 12:00 Uhr und am Wochenende steht der Raum für exklusive Events offen. Wenn Andreas Fill in fünf Jahren auf das Projekt zurückblickt, misst er den Erfolg nicht an nackten Zahlen: „Wenn ich in fünf Jahren zurückblicke, ist es für mich ein Erfolg, wenn ich sagen kann: ‚Gut, dass wir es gemacht haben. Es hat sich für die Menschen und die Region vollkommen ausgezahlt.‘“ _
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Fill; raumpixel; Antje Wolm



