Wie hält man Talente in einer Welt, die offensteht
Obwohl die Antwort auf diese Frage komplex scheint, ist sie für Forschungs-Landesrat Markus Achleitner sowie JKU-Rektor Stefan Koch doch erstaunlich klar. Sie liegt in einer Verzahnung, die andernorts oft nur ein Lippenbekenntnis bleibt: Forschung, Wirtschaft und Politik müssen gemeinsam an einem Strang ziehen, statt aneinander vorbeizuarbeiten. „Die Konkurrenz ist nicht in (Ober-)Österreich, sondern weltweit“, daher müsse man topausgebildete Fachkräfte halten, so die beiden in der neuen Folge des Standortpodcasts „WHAT’S UPper Austria“.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Von rund 15.000 auf über 27.000 Studierende in wenigen Jahren. Über 360 Studiengänge. Mehr als 36.000 junge Menschen, die sich bewusst für Oberösterreich entschieden haben. Und: 120 Nationalitäten – allein an der JKU etwa kommt rund jeder Fünfte aus dem Ausland. „Das ist ein enormer Vertrauensbeweis“, sagt Koch, „in unsere Lehre, in unsere Forschung und in den Standort.“
Gekommen, um zu bleiben
Doch Wachstum allein sei kein Selbstzweck. Es gehe um Qualität, Sichtbarkeit und um die Frage, wie man aus klugen Köpfen nicht nur Absolventinnen und Absolventen macht, sondern Kolleginnen und Kollegen in den heimischen Betrieben. „Unser Ziel ist es nicht, junge Talente für andere Länder auszubilden“, bringt es Achleitner auf den Punkt. „Wir wollen, dass diese hierbleiben, um ihr Know-how einzubringen. Und dafür müssen wir ihnen etwas bieten. Man kann bei uns in einem der schönsten und sichersten Länder der Welt auf hohem Niveau studieren und sofort seine Karriere beginnen.“
Und es gebe gezielte Angebote für internationale Studierende: Deutschkurse bis hin zum Dialektkurs. Ein International Welcome Center, das beim Ankommen hilft. Programme wie „Come to Upper Austria“, die nicht nur Formulare erklären, sondern Brücken bauen – zwischen Hörsaal und Werkshalle, zwischen Forschungslabor und Ferialjob. „Je schneller wir sie umfassend integrieren, desto höher die Chance, dass sie bleiben“, sagt Achleitner. Und Koch ergänzt: „Die Nachfrage nach Deutschkursen ist enorm. Die Leute wollen hier arbeiten, hier leben.“
Hightech für Patienten und für den Standort
Warum hochqualifizierte Arbeitskräfte aus aller Welt für den Erfolg des Standorts so zentral sind, zeigt ein Blick in wachsende Sektoren wie die Life-Science-Industrie: Allein Oberösterreich hat über 100 Unternehmen mit rund 12.000 Mitarbeitenden in diesem Bereich. Sechs Milliarden Euro Wertschöpfung – schon heute. Wachstumszweige wie diese seien daher besonders auf Toptalente sowie die enge Verzahnung von Forschung, Wirtschaft und Politik angewiesen.
Wie diese wiederum in der Praxis aussehen kann, stellt etwa die neue Forschungsinitiative zur personalisierten technischen Medizin eindrucksvoll unter Beweis. Denn für diese arbeiten die JKU, die FH Oberösterreich, die IT:U und das Kepler Uniklinikum erstmals in einer gemeinsamen Struktur zusammen. Das Ergebnis: 35 Forschungsprojekte mit über 24 Millionen Euro Gesamtvolumen. „Ein Meilenstein“, so Achleitner. „Das zeichnet Oberösterreich aus. Wir bündeln Kräfte zum Wohle der Menschen, der Betriebe, der Wirtschaft.“ Koch sieht darin mehr als nur ein Forschungsprogramm. „Gemeinsam zeigen wir, wie man Künstliche Intelligenz zum Wohle der Menschen einsetzen kann. Bessere Diagnosen und Therapien sorgen für mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten.“ Und: Man denke von Anfang an mit, wie Forschung in die Wirtschaft kommt. Über Drittmittel, Startups und Kooperationen mit Unternehmen.
Von Quantensprüngen und KI
Apropos: An zwei Begriffen kommen wir sowohl in der öffentlichen Debatte als auch in dieser Podcastfolge nicht vorbei: Künstliche Intelligenz und Quantentechnologie. „Die KI wird uns helfen, die Demografie zu bewältigen“, so Achleitner. „Auf 100 Menschen, die in Pension gehen, kommen derzeit nur rund 65 nach.“ Daher müsse man automatisieren und Prozesse effizienter gestalten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Koch nickt. „Es sind spannende Forschungsgebiete – und sie kommen in die industrielle Praxis. KI in der Automatisierung, in der Robotik, in der Simulation. Auch in den Quantenwissenschaften werden wir diese Wege gehen.“ Was damit in fünf Jahren möglich sein wird? „Das können wir heute noch gar nicht abschätzen“, sind sich die beiden einig. Aber das Potential sei enorm. Und Oberösterreich wolle vorne mit dabei sein, so Achleitner: „Wir wollen es nicht erdulden, wir wollen es gestalten.“_
# Gedankensprung
Hörsaal oder Onlinevorlesung?
Markus Achleitner | Hörsaal ist durch nichts zu ersetzen.
Quantentechnologie oder KI?
Stefan Koch | Beides passt gut zusammen und wir können beides.
Hochschulen im Wettbewerb oder in Kooperation?
Markus Achleitner | Kooperation in Oberösterreich, um gemeinsam im Wettbewerb international erfolgreich zu sein.
Stefan Koch | Kooperation ist sinnvoller und kann für den Standort mehr Kraft entfalten.
Redaktion
- David Bauer
Fotos
Koch: Robert Maybach; Achleitner: Antje Wolm