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 Wenn der Ernstfall zum Innovationsfeld wird
v.l.: Erwin Raffeiner, CEO Sprecher Automation, Landeshauptmann Thomas Stelzer und Wirtschafts- und Forschungs-Landesrat Markus Achleitner
Schon gewusst

Wenn der Ernstfall zum Innovationsfeld wird

1. Juni 2026

Cyberangriffe auf Stromnetze, Drohnen zur Seuchenbekämpfung, kugelsichere Leichtmetalle – Oberösterreich setzt auf Sicherheit als neues Wachstumsfeld und fördert elf Forschungsprojekte, die zeigen, wie nah Technologie und Lebensrealität inzwischen beieinanderliegen.

Sicherheit war lange ein Randthema der Wirtschaftspolitik. Heute ist sie Chefsache. Angesichts geopolitischer Verwerfungen, zunehmender Cyberbedrohungen und einem Europa, das seine Abhängigkeiten schmerzhaft kennenlernt, hat Oberösterreich entschieden, das Thema offensiv zu bespielen – nicht nur als politischen Reflex, sondern als echte Standortstrategie.

Das Instrument dafür: die Sicherheits-Allianz OÖ, eine Plattform, die Industrie, Forschung und Blaulichtorganisationen an einen Tisch bringt. Ihr jüngstes Ergebnis ist ein Förderpaket, das es in sich hat. 32 Projekte wurden eingereicht, elf wurden von einer internationalen Expertenjury ausgewählt und das ursprünglich geplante Fördervolumen von 3,8 auf 4,8 Millionen Euro aufgestockt, weil die Qualität überzeugte. Die geförderten Projekte bringen zusammen eine Gesamtinvestitionssumme von knapp 7,4 Millionen Euro.

Vom Stromnetz bis zur Drohne

Die Bandbreite dessen, was hier entsteht, ist bemerkenswert. Da ist etwa das Projekt RAPID, das sich mit einem der drängendsten Probleme digitaler Infrastruktur beschäftigt: Softwaresysteme, die Stromnetze steuern und rund um die Uhr laufen, sollen in Echtzeit auf Manipulationen geprüft werden, bevor Cyberangriffe überhaupt Schaden anrichten können. „Dass Cyber-Angriffe auf die kritische Infrastruktur die Kanonenrohre der Zukunft sind, ist in der sehr konfliktbehafteten Gegenwart bereits längst angekommen”, sagt Erwin Raffeiner, CEO von Sprecher Automation, einem der Projektpartner. Sein Unternehmen steuert unter anderem den Koralmtunnel – mit 33 km einer der längsten Bahntunnel der Welt – mit seiner eigenen Digitalisierungstechnologie.

Gleichzeitig arbeiten andere Konsortien an Laufrobotern, die Feuerwehren bei Gebäudeeinstürzen oder Gefahrstoffeinsätzen unterstützen, an drohnenbasierten Systemen zur Tierseuchenbekämpfung, die Kosten gegenüber bisherigen Methoden um bis zu 80 Prozent senken sollen, oder an Leichtmetall-Schutzsystemen für Militärfahrzeuge. Und dann ist da noch QRYPTOS – ein Projekt, das sich mit einer Bedrohung befasst, die noch gar nicht eingetreten ist: die Entschlüsselung heutiger Verschlüsselungsstandards durch künftige Quantencomputer.

Sicherheit als Wirtschaftsstrategie

Was all diese Projekte verbindet, ist mehr als technischer Ehrgeiz. Hinter ihnen steckt eine klare politische Wette: Sicherheitstechnologie wird zu einem der wichtigsten Wachstumsfelder der nächsten Jahre und Oberösterreich will dabei vorne mitspielen.

„Im Rahmen der ‚Readiness 2030′ will die EU bis zu 800 Milliarden Euro in den Bereich Sicherheit und Verteidigung investieren. Diese eröffnet gerade für Oberösterreich neue wirtschaftliche Chancen, weil der Standort OÖ genau jene Stärken mitbringt, die jetzt gefragt sind: Von moderner Produktion über innovative Technologien bis hin zur Fähigkeit, industrielle Prozesse rasch zu skalieren”, bekräftigt Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner.

Landeshauptmann Thomas Stelzer sieht darin mehr als ein Konjunkturprogramm: „Sicherheit ist zu einer zentralen Zukunftsaufgabe geworden – für Europa, für Österreich und für Oberösterreich. Die geopolitischen Entwicklungen zeigen, wie wichtig technologische Souveränität und widerstandsfähige Systeme sind.” Und weiter: „Die Sicherheits-Allianz OÖ ist nicht nur ein sicherheitspolitisches Projekt, sie ist auch ein wirtschafts- und standortpolitisches Zukunftsprogramm für unser Land.”

Forschung, die bleibt

Besonders betont wird dabei das Prinzip der regionalen Wertschöpfung. Die geförderten Konsortien bestehen ausschließlich aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit Sitz in Oberösterreich – kein Wissensabfluss, kein Outsourcing der entscheidenden Entwicklungsschritte.

„Wir wollen Wissen und Wertschöpfung direkt in unserem Bundesland schaffen und das Innovationspotential neuer Technologien rasch in die Anwendung bringen”, so Achleitner. Die operative Umsetzung liegt bei Business Upper Austria, der Standortagentur des Landes, die Unternehmen beim Zugang zu Märkten, Förderprogrammen und strategischen Partnerschaften begleitet.

Was Oberösterreich hier demonstriert, ist ein Modell, das über die Region hinausweisen könnte: Sicherheit nicht als Kostenstelle denken, sondern als Innovationsfeld, und aus gesellschaftlicher Notwendigkeit wirtschaftliche Stärke machen.

Redaktion

  • Melanie Kashofer

Fotos

Land OÖ / Max Mayrhofer

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