Von der Sehnsucht zum Lebensgefühl
Wie wir arbeiten, wohnen und leben, verändert sich rasant. Digitalisierung, Klimaveränderungen und gesellschaftlicher Wandel stellen vertraute Strukturen auf den Prüfstand. Doch inmitten all dieser Bewegung bleibt eine Sehnsucht unverändert: der Wunsch nach Räumen, die inspirieren und verbinden. Nach Orten, die mehr sind als bloß Quadratmeter. Sie sollen Lebensqualität ausstrahlen, Zugehörigkeit vermitteln und das gewisse Extra bereithalten.
Wer heute ein Büro betritt oder ein Haus besichtigt, stellt andere Fragen als noch vor zehn Jahren. Es geht nicht mehr nur um Quadratmeter und Ausstattung. Es geht darum, wie sich ein Raum anfühlt. Ob er Energie gibt oder nimmt. Ob man sich vorstellen kann, dort einen Großteil seines Lebens zu verbringen. Drei österreichische Unternehmen haben daraus unterschiedliche Konsequenzen gezogen und zeigen, wie aus dieser Sehnsucht konkrete Wirklichkeit wird: hali gestaltet Büroumgebungen neu, Wolf Systembau setzt auf Holzbauweise im B2B- und B2C-Bereich und die Musterhausparks verbinden analoge und digitale Bauerfahrung.
Wo Arbeit zum Lebensraum wird
„Ein Büro ist heute ein Raum, der Unternehmenskultur sichtbar macht“, sagt Daniel Erlinger, CFO von hali Büromöbel in Eferding. Das klingt abstrakt, meint aber etwas sehr Konkretes: Wer will, dass Mitarbeitende ins Büro kommen, muss ihnen etwas bieten, was sie zu Hause nicht haben. hali konzipiert Räume in Zonen, die verschiedene Bedürfnisse berücksichtigen – konzentriertes Arbeiten, spontane Gespräche, informelle Treffen. Die Möbel werden regional in Oberösterreich produziert, aus Materialien, die lange halten sollen. Das hat auch mit einer veränderten Haltung zu tun: In Zeiten, in denen vieles schnelllebig ist, setzen manche bewusst auf Beständigkeit und Qualität.
hali denkt Räume als Lebensräume – wandelbar, inspirierend und wertschätzend. Damit reagiert das Unternehmen auf eine Entwicklung, die viele längst spüren: Arbeit wird persönlicher. Menschen wünschen sich Umgebungen, die Kreativität fördern und Sicherheit geben, die Wandel ermöglichen, ohne Unruhe zu erzeugen. Die Frage „Wo arbeite ich?“ ist zur Entscheidung geworden. Unternehmen, die das verstehen, gestalten ihre Räume entsprechend.
Wo Häuser mit Herz und Hirn entstehen
Dieser Gedanke – Räume als Spiegel menschlicher Bedürfnisse – zieht sich wie ein roter Faden auch durch den modernen Hausbau. Was hali im Officebereich lebt, überträgt Wolf Systembau auf das private und gewerbliche Bauen. Das Unternehmen fertigt etwa fünf bis sechs Gebäude pro Woche, jedes nach individuellen Plänen. Möglich wird das durch präzise Vorfertigung in Holzbauweise. „Tempo und Qualität schließen sich nicht aus, im Gegenteil, sie bedingen einander“, sagt Michael Platzer, kaufmännischer Bereichsleiter bei Wolf Systembau. Jedes Bauteil wird passgenau produziert, die Montage vor Ort geht schnell. Holz ist dabei mehr als eine technische Entscheidung. Der Werkstoff riecht anders als Beton, fühlt sich anders an, verändert die Atmosphäre eines Raums.
Das Open Science Center im oberösterreichischen Grünau ist ein Paradebeispiel dafür: In Rekordzeit errichtet, ist der Holzbau Teil des Naturparks. Die sägeraue Lärchenschalung soll Wärme vermitteln, die Architektur ist bewusst nach den Formen der Landschaft konzipiert. „Wir wollen, dass sich das Gebäude einfügt, nicht aufdrängt“, erklärt Platzer. Holz sei dabei ein Symbol für Verantwortung: regional, nachwachsend, sinnlich.
Nächstes Jahr feiert Wolf Systembau sein 60-jähriges Jubiläum. Für Platzer ein Zeichen, dass Qualität, Stabilität und Bodenständigkeit hier Hand in Hand gehen. Wie Wolf Systembau zeigt, beginnt nachhaltige Architektur nicht bei der Energieeffizienz, sondern bei der Haltung. Und diese Haltung zeigt sich auch beim dritten Unternehmen, das sich ganz der Sehnsucht nach dem „richtigen Zuhause“ verschrieben hat: den Musterhausparks.
Wo Wohnträume Form annehmen
Wer ein Haus baut, trifft hunderte von Entscheidungen. Welche Fenster, welcher Bodenbelag, welche Heizung? Online lässt sich vieles recherchieren, aber manches muss man erleben. Genau da setzen die Musterhausparks an. Auf den Arealen stehen Häuser verschiedener Hersteller, Besuchende können durch echte Räume gehen, Treppen anfassen, Lichtkonzepte erleben. Digitale Tools – interaktive Displays, VR-Brillen – ergänzen den Rundgang, ersetzen ihn aber nicht.
Geschäftsführerin Julia Mauberger beobachtet aktuelle Trends: Viele suchen nach flexiblen Grundrissen, die sich an veränderte Lebenssituationen anpassen lassen. Homeofficeräume, die auch als Gästezimmer funktionieren. Wohnküchen, die gleichzeitig Arbeitsplatz sein können. Modulare Konzepte gewinnen an Bedeutung. „Unsere Partner begleiten die Besucherinnen und Besucher von der ersten Inspiration bis zur Schlüsselübergabe“, so Mauberger, „so entsteht aus einer Vision Schritt für Schritt ein bewohnbares Zuhause.“
Drei Antworten auf eine Frage
hali, Wolf Systembau und die Musterhausparks arbeiten in unterschiedlichen Bereichen, treffen aber auf ähnliche Entwicklungen: Menschen wollen Räume, die zu ihnen passen. Die flexibel sind, ohne beliebig zu wirken. Die nachhaltig sind, ohne Kompromisse bei Komfort oder Ästhetik. Alle drei setzen auf regionale Wertschöpfung, auf langlebige Materialien, auf die Verbindung von Effizienz und Atmosphäre. Sie zeigen, dass sich Geschwindigkeit und Qualität, Standardisierung und Individualität nicht ausschließen müssen.
Am Ende geht es immer um dieselbe Frage: Fühlt sich dieser Raum richtig an? Alles andere lässt sich messen, planen, berechnen. Aber ob man morgens gerne ins Büro geht oder abends gerne nach Hause kommt – das entscheidet sich im Gefühl. Und genau daran arbeiten diese drei Unternehmen. Vielleicht beginnt die Zukunft des Wohnens und Arbeitens genau dort, wo jemand einen Raum betritt und denkt: Hier fühle ich mich wohl. Hier will ich bleiben._
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Wolf; Antje Wolm; Elmar Konrad-Perod; hali