Mitten am Infineon-Standort in Linz entstehen auf rund 330 Quadratmetern neue Lernräume, die zeigen, wie Ausbildung im KI-Zeitalter aussehen kann: praxisnah, interdisziplinär und mit direktem Draht zur Industrie. Die Interdisciplinary Transformation University (IT:U) und Infineon Austria machen mit der Eröffnung ihrer „LearnLabs“ einen zentralen Schritt in ihrer strategischen Kooperation.
Studierende, die an echten Aufgaben arbeiten, statt nur Theorie zu pauken: Genau das ist die Idee hinter den neuen LearnLabs. In der Donaufeldstraße in Linz betreibt die IT:U künftig moderne Lern- und Laborräume direkt am Infineon-Gelände, in denen Masterstudierende in kleinen, internationalen Teams an konkreten Projekten arbeiten: von der ersten Idee bis zum fertigen Prototyp.
Konkret entstehen drei spezialisierte Labore. Im Smart Electronics Lab, kurz „ELVIS“, arbeiten die Studierenden mit Hard- und Softwarelösungen von Infineon an KI-Modellen und Mikrocontrollern, etwa für Digital-Health-Anwendungen. Das Digital Prototyping Lab „HELGA“ bringt digitale Fertigungstechnologien wie den 3D-Druck ins Spiel, während sich das Space Technology Lab „SPOK“ der Satellitenforschung widmet, unter anderem für Umweltmonitoring. Ab dem Wintersemester 2026/27 stehen die Räume den rund 60 Studierenden des Masterprogramms „Interdisciplinary Computing“ offen.
Für Infineon ist das mehr als eine Raumfrage. „Als Weltmarktführer bei Leistungshalbleitern sind wir auf bestens ausgebildete Fachkräfte angewiesen“, bringt es Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende von Infineon Austria, auf den Punkt. Der Standort Linz spiele dabei eine strategische Rolle, schließlich würden hier Zukunftstechnologien für automatisiertes Fahren, Sensorik und Robotik entwickelt. Mit der IT:U verfolge man einen klaren Anspruch: „Menschen zu befähigen, Technologien nicht nur zu verstehen, sondern auch aktiv anzuwenden.“
Dass diese Form der Zusammenarbeit auch politisch Rückenwind bekommt, macht Wirtschafts- und Forschungslandesrat Markus Achleitner deutlich: „Oberösterreich ist dort stark, wo Wirtschaft, Forschung und Bildung gemeinsam an der Zukunft arbeiten.“ Solche Kooperationen seien entscheidend, um die Fachkräfte von morgen für Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Mikroelektronik auszubilden.
Auch aus Sicht der IT:U selbst ist das Projekt ein Testfall für ein neues Verständnis von Universität. Gründungspräsidentin Stefanie Lindstaedt beschreibt den Ansatz so: „An der IT:U verbinden wir Technologie, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft und arbeiten interdisziplinär an realen Herausforderungen von heute und morgen.“ Die LearnLabs seien die konkrete Umsetzung dieser Idee – ein Umfeld, das wissenschaftliche Exzellenz mit industrieller Realität verbindet.
Dieser Schulterschluss zwischen Hochschule und Industrie sei auch für die heimische Wirtschaft von Bedeutung, betont Thomas Bründl, Präsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich. Künstliche Intelligenz verändere nicht nur die Industrie grundlegend, sondern fordere auch Bildung und Ausbildung heraus. Die Kooperation von Infineon mit der IT:U sei daher „sehr zu begrüßen“, zumal dadurch auch der Infineon-Standort Linz weiter gestärkt werde.
Die LearnLabs sollen aber nicht nur technisches Know-how vermitteln. Durch die projektbasierte Arbeit an realen Problemstellungen trainieren die Studierenden zugleich Fähigkeiten, die im Berufsleben zunehmend zählen: Projekte organisieren, kommunizieren, interdisziplinär zusammenarbeiten. So werden die Labore zu einem Netzwerkinkubator, der angehende Fachkräfte frühzeitig mit der Praxis vernetzt. Und der Bildungs- wie Innovationsstandort Oberösterreich profitiert gleich mit.
Am Ende zeigt das Projekt exemplarisch, wie eng Ausbildung und Industrie künftig verzahnt sein müssen, um im KI-Zeitalter mitzuhalten. Die LearnLabs von IT:U und Infineon sind dafür ein greifbares Beispiel und ein Signal, dass Oberösterreich diesen Weg aktiv mitgestalten will.
Holzinger
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