Eine Frage der Perspektive
Vom ersten Arbeitstag bis zum 32. Jahr im selben Unternehmen. Von der großen Idee bis zu jenem kleinen Moment, in dem plötzlich alles passt. Acht Menschen erzählen, wie Arbeit aus ihrer Perspektive aussieht – und zeigen, warum es für eine glückliche Karriere vor allem eines nicht gibt: den einen richtigen Weg.
Du kannst die Arbeitswelt von morgen gestalten.
#1 Was würdest du als Erstes abschaffen, was neu einführen?
“Dieser Sommer ist symptomatisch für unsere derzeitige Situation: Wir sind als Gesellschaft und Wirtschaft ausgetrocknet, überhitzt und es zieht uns immer wieder den Boden unter den Füßen weg. Dies ist das Ende einer ausbeuterischen kapital- und machtorientierten Wirtschaft. Stattdessen möchte ich alle Menschen inspirieren, neue Zukunftsbilder einer blühenden, lebensbejahenden, gesunden Wirtschaft und Gesellschaft zu entwerfen und mitzugestalten. Diese zukunftsfähige Wirtschaft ist gemeinschaftsgetragen, im Einklang mit der Natur und dient dem Leben aller. Die Grundlage dafür ist Vertrauen, Wertschätzung, Respekt und Würde. Der Erfolg bemisst sich nicht alleine am eigenen Profit, sondern vielmehr an der Lebensqualität und einer friedlichen Zukunft für uns alle.”
Gerald Ziegler ist der Gründer der Plattform thechangemaker.at, die sich auf die evolutionäre Transformation von Organisationen spezialisiert hat. Er unterstützt Unternehmen dabei, verborgene Potenziale zu entfalten, eine Purpose-orientierte Vision zu entwickeln und eine zukunftsfähige Führungs- und Unternehmenskultur zu gestalten.
#2 Welche Momente machen dich besonders stolz auf dein Unternehmen?
“Dass wir schon viele Potenziale erkannt haben. Es macht mich stolz zu sehen, dass Kandidaten, die wir als junge Techniker zu den richtigen Unternehmen vermittelt haben, heute in verantwortungsvollen Führungspositionen sind. Das Tolle daran: Diese vermittelten Kandidaten halten uns die Treue und arbeiten wieder als Ansprechpartner mit uns. Sie vertrauen uns, weil sie unsere Leidenschaft und unser Know-how selbst gespürt haben.”
Bettina Kern bringt zusammen, was zusammengehört: technische Talente und Unternehmen mit Zukunft. Als Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin hat sie KERN engineering careers zu einer der führenden Personalberatungen Österreichs für Fachkräfte in Technik und IT gemacht.
#3 Welcher Moment hat dir gezeigt: „Hier will ich bleiben“?
“Einen einzelnen Schlüsselmoment gab es für mich eigentlich nicht. Vielmehr hat sich schon in den ersten Tagen ein sehr positives Gesamtbild ergeben. Besonders schön fand ich die Wertschätzung durch die Geschäftsführung beim gemeinsamen Frühstück mit neuen Mitarbeitenden am ersten Arbeitstag. Auch das umfangreiche Fitnessangebot zeigt, dass das Wohlbefinden des Teams einen hohen Stellenwert hat. Die gelebte Du-Kultur sowie der freundliche und respektvolle Umgang miteinander haben mir schnell das Gefühl gegeben: Hier passe ich gut hin.“
Melanie Fritz ist seit kurzem bei Fill im Employee Life Cycle Management. Sie hat eine Lehre mit Matura zur Industriekauffrau abgeschlossen, liebt Spaghetti Bolognese und Reisen, außerdem ist sie bei der Feuerwehr engagiert und Team „Katzenliebhaber“.
#4 Was hält dich?
“Ich durfte unterschiedlichste Positionen kennenlernen, Veränderungen begleiten und Entwicklungen mitgestalten. Was mich bis heute überzeugt, sind die Verbindung von Innovation und Bodenständigkeit, das gute Miteinander sowie die über Jahre gewachsenen Beziehungen zu unseren Kunden. Gerade im Verkauf zählen Vertrauen, Verlässlichkeit und langfristige Partnerschaften. Diese Werte und unsere hohe Servicequalität stehen für das, was Artweger für mich ausmacht.“
Jürgen Berner ist Verkaufsleiter bei Artweger, einem Familienunternehmen aus Bad Ischl, das für innovative, hochwertige und funktional designte Duschen, Duschabtrennungen, Duschbadewannen und Dampfduschen steht. Vor 32 Jahren startete er seine Lehre als Bürokaufmann bei Artweger. Heute leitet er den Vertrieb – ein Weg, der, wie er sagt, von vielen interessanten und wertvollen Erfahrungen geprägt war.
#5 Stimmt es, dass ihr keine Lust auf Arbeiten und Leisten habt?
“Nein – wir haben sehr wohl Lust, zu arbeiten und etwas zu leisten. Wir haben nur weniger Lust darauf, Arbeit einfach abzusitzen oder in etwas zu investieren, worin wir keinen Sinn sehen. Wir glauben, dass sich Arbeitsmoral und Arbeitsweise verändert haben. Für uns sind Flexibilität und Selbstbestimmung wichtiger geworden. Wir arbeiten lieber sechs Stunden konzentriert und effektiv, als neun Stunden einfach anwesend zu sein. Am Ende sollte zählen, dass die Arbeit erledigt wird, und nicht nur, wie lange wir dafür am Schreibtisch sitzen. Genauso wichtig ist uns, dass wir uns in einem Job weiterentwickeln können, Spaß an der Arbeit haben und sie mit unserem Leben vereinbar ist. Status, Geld oder Ansehen sind für viele von uns nicht mehr das Wichtigste. Wir wollen eine Arbeit, die Sinn macht und bei der wir langfristig glücklich und psychisch gesund bleiben. Wir haben also nicht keine Lust zu arbeiten – wir wollen nur anders arbeiten.”
Daniela Zauner und Zofia Wegrzecka sind Teil unseres DIE MACHER-Teams. Ein sehr wichtiger Teil! Weil sie nicht nur eine ganz frische Perspektive ins Unternehmen bringen, sondern auch deshalb, weil sie ihre Talente mit viel Begeisterung einsetzen und ständig weiterentwickeln. Und dass sie keine Lust auf Aufgaben haben, die eigentlich überhaupt keinen Sinn machen, ist ziemlich gut – denn diese Aufgaben sollten wir sowieso hinterfragen.
#6 Welcher Moment in der Entwicklung begeistert dich am meisten?
“In meiner Funktion leite ich ein multidisziplinäres Team aus leidenschaftlichen Ingenieuren und Technikern, das an vorderster Front der Antriebsentwicklung steht. Bei BRP Rotax zu arbeiten bedeutet für mich, einen der spannendsten Aspekte des Entwicklungsprozesses hautnah miterleben zu dürfen: die Evolution eines Produkts. Mit der über Jahre gewonnenen Erfahrung lernt man, das wahre Potenzial eines Konzepts zu erkennen, lange bevor es vollständig ausgereift ist. Diese Perspektive ermöglicht es mir, das Team zu führen und die nächsten Schritte auf dem Weg der Entwicklung auszurichten. Am erfüllendsten ist es, mitzuerleben, wie sich ein Produkt von einer ersten Idee zu einer vollständig funktionsfähigen Antriebslösung entwickelt – und dabei genau das Ergebnis liefert, das von Anfang an angestrebt wurde.”
David Monfette ist Senior Director of Engineering Functions bei BRP Rotax. Ursprünglich stammt er aus Kanada, studierte Maschinenbau und begann seine Karriere 2008 bei BRP. Im Laufe der Jahre arbeitete er an verschiedenen fortschrittlichen technischen Projekten, bevor er die Projektleitung für die Ski-Doo-Produktlinie übernahm. 2015 erhielt er die Möglichkeit einer internationalen Entsendung und zog mit seiner Familie nach Österreich, um als Projektmanager die Entwicklung der neuen Zweitakt-Motorenfamilie für Rotax-Schneemobile zu leiten. Nach Abschluss dieses dreijährigen Mandats wurde er zum Director of Engineering Functions ernannt – eine Position, die ihn schließlich dauerhaft nach Oberösterreich führte.
#7 Wie oft sieht eine glückliche Karriere ganz anders aus als gedacht?
“Die Jobwelt verändert sich deutlich schneller als früher. Die Möglichkeiten sind viel breiter und zum Zeitpunkt der Planung teilweise noch gar nicht existent. Der Plan gibt daher zwar eine gewisse Orientierung, aber neue Technologien, persönliche Lebensphasen, das eigene Netzwerk und vielmals auch einfach der Zufall beeinflussen sehr stark die konkrete Richtung. Wer offen bleibt, landet oft dort, wo Kompetenzen, Interessen, Lebensumstände, Sinn und Marktbedarf zusammentreffen, und wird dort sein Karriereglück finden.“
#7 Woran erkennst du, dass jemand beruflich wirklich angekommen ist?
“Das zeigt sich aus meiner Sicht stark daran, wie jemand über seinen Job spricht. Die Arbeit wird als Bereicherung und nicht als Belastung empfunden und Worte wie „Überstunden“ oder „ich muss“ wird man üblicherweise selten hören. Wer wirklich glücklich ist, versprüht das in seinen Erzählungen und in der Begeisterung für den Mehrwert, den seine Arbeit leistet.“
Florian Mayer ist Geschäftsführer des JKU Alumni Clubs an der Johannes Kepler Universität Linz. Der Jurist und JKU-Absolvent verantwortet ein Netzwerk von über 3.800 Alumni sowie Karriere- und Weiterbildungsangebote für Absolventinnen und Studierende. In seiner Arbeit verbindet er Alumni mit Universität, Wirtschaft und Gesellschaft.
Redaktion
- Susanna Winkelhofe
Fotos
Ziegler: hannelore-kirchner.com; Kern: Antje Wolm; Fritz: Anita Hansl Fotography; Berner: Artweger; Zauner und Wegrzecka: Antje Wolm; Mayer: JKU