Die Kunst, unverwechselbar zu bleiben
Brot gibt es überall. Doch Brot ist nicht überall dasselbe. Es erzählt von Regionen, Gewohnheiten und handwerklichem Können. Und davon, wie Menschen miteinander leben. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich backaldrin: Das Unternehmen entwickelt weltweit Brotideen und Backgrundstoffe, ohne dabei aus regionalen Besonderheiten austauschbare Einheitsprodukte zu machen.
Tag eins. Peter Augendopler besucht große und kleine Bäckereien. Er schaut, was in den Regalen liegt, wie gearbeitet wird, welcher Qualitätsstandard herrscht. Tag zwei. Er nimmt die Supermärkte unter die Lupe: Sortiment, Preise, Brot und Gebäck. Tag drei. Der backaldrin-Eigentümer setzt sich für eine Stunde in ein Straßencafé. „Ich beobachte das Verhalten der Leute und wie sie sich begegnen, um mir ein Bild von der Alltagskultur zu machen.“ Denn wer Brot verstehen will, muss nicht nur wissen, wie es hergestellt wird. Man muss auch verstehen, welche Bedeutung es für die Menschen hat. „Jedes Land verfügt über eine eigene Brotkultur“, sagt Augendopler, der den berühmten Original Kornspitz erfunden hat. Auf diese Unterschiede stellt sich backaldrin ein. Unverändert bleiben Fachkompetenz und Servicegedanke – die konkrete Umsetzung aber darf und soll sich an den jeweiligen Markt anpassen. „Wir sind sofort in der Lage, überall auf der Welt ein neues Projekt zu starten.“
Von Asten aus hat sich backaldrin zu einem international agierenden Familienunternehmen mit acht Produktionsstätten entwickelt. Mehr als 800 Qualitätsrohstoffe für Brot, Gebäck und Feinbackwaren umfasst das Sortiment. Doch die Idee dahinter ist nicht, dass Brot irgendwann überall gleich schmeckt. Im Gegenteil. „Wir setzen auf Vielfalt und Flexibilität statt auf Einheitslösungen“, sagt Geschäftsführer Martin Mayr. backaldrin verstehe sich nicht als Lieferant fertiger Antworten, sondern als Partner der Backbranche. Gemeinsam mit Bäckereien entstehen Rezepturen, die regionale Vorlieben, saisonale Entwicklungen und die Handschrift des jeweiligen Betriebs berücksichtigen. Denn zwei Bäckereien können dieselben Zutaten verwenden – und trotzdem etwas völlig anderes daraus machen. Das gewisse Etwas liegt manchmal in einer Rezeptur. Manchmal in einer regionalen Zutat. Und sehr oft in der Konsequenz, mit der ein Betrieb seine eigene Handschrift pflegt. Genau dabei will backaldrin unterstützen. Mit Produkten, Beratung, Service und Ideen für Herstellung und Vermarktung. „Nicht, um Bäckereien ähnlicher zu machen. Sondern unverwechselbarer“, sagt Mayr.
Das gewisse Etwas zeigt sich bei backaldrin nicht nur im Produkt, sondern auch in der Art, wie das Unternehmen geführt wird. „Familienunternehmen“ steht schnell auf einer Website. Ob es tatsächlich gelebt wird, zeigt sich an den schwierigen Tagen. Wenn eine unerwartete Produktionsspitze bewältigt werden muss. Wenn ein persönliches Problem plötzlich wichtiger ist als der Terminplan. Wenn eine Entscheidung nicht nur nach Zahlen getroffen wird. „Die Türen der Familie Augendopler und der Geschäftsführung stehen immer offen“, sagt Regina Augendopler. Die Mitarbeitenden sollen das Unternehmen als verlässliche Anlaufstelle erleben. Gemeinsam, wenn es gut läuft. Und erst recht, wenn es schwierig wird.
Was davon soll an die nächste Generation weitergegeben werden? „Der Unternehmergeist. Die Wertschätzung für Handwerk und Qualität. Die Leidenschaft für gutes Brot und Gebäck. Und die Verantwortung gegenüber den Menschen im Unternehmen“, antwortet Regina Augendopler. Und was darf die nächste Generation anders machen? „Die Digitalisierung vorantreiben, Nachhaltigkeit neu denken, Bestehendes hinterfragen.“ Denn Herkunft bedeutet für Regina Augendopler nicht, an jeder Gewohnheit festzuhalten. „Tradition ist kein Selbstzweck. Sie darf sich verändern, solange der Kern bleibt.“ Vielleicht ist genau das die schwierigste Kunst eines Familienunternehmens: über Generationen erkennbar zu bleiben, ohne stehen zu bleiben.
Und da ist noch etwas. Etwas, das zum gewissen Etwas bei backaldrin beiträgt. Der Sport. Ein Logo auf einem Trikot kann man kaufen. Eine glaubwürdige Verbindung nicht. Deshalb schaut Stefan Kletzenbauer, Sportdirektor des Kornspitz Sport Teams, bei Athletinnen und Athleten nicht nur auf Siege, Zeiten und Tabellenplätze. Sondern vor allem auch auf Leidenschaft, Bodenständigkeit, Authentizität. Und auf die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln. Es sind dieselben Eigenschaften, die auch backaldrin für sich beansprucht.
Doch der Sport bringt noch etwas anderes ins Unternehmen: Emotion. Sie lässt sich nicht planen, nicht herstellen, nicht in Säcke abfüllen. Aber sie verbindet. „Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam ein Champions-League-Spiel des LASK erleben oder backaldrin mit Kundinnen und Kunden im Austria House olympische Erfolge feiert, bleibt mehr als ein Ergebnis. Solche unvergesslichen Erlebnisse schweißen zusammen und formen Gemeinschaft“, erzählt Kletzenbauer.
Das gewisse Etwas von backaldrin finden wir also an mehreren Orten. Wenn Peter Augendopler einem internationalen Geschäftspartner zeigen möchte, was backaldrin ausmacht, führt er ihn deshalb nicht nur an einen Ort. Zuerst geht es in die Backstuben der Unternehmenszentrale. Dorthin, wo Wissen, Handwerk und Qualität sichtbar werden. Danach ins PANEUM – die Wunderkammer des Brotes. „Hier zeigen wir, welche Geschichte hinter dem Brot steht.“ Ein Lebensmittel, das Kulturen, Religionen und Generationen begleitet. Und schließlich in die Raiffeisen Arena. Dorthin, wo aus langfristigem Engagement gemeinsame Emotion wird.
Drei Orte, drei völlig unterschiedliche Welten. Und doch erzählen sie dieselbe Geschichte: von der Wertschätzung für das Handwerk, vom Respekt vor der Herkunft und von Beziehungen, die nicht nur für einen schnellen Erfolg geschlossen werden. _
Redaktion
- Susanna Winkelhofer
Fotos
backaldrin; PVM, Augendopler: Zoe Goldstein, Brent Stirton