Das Land OÖ greift tief in die Linzer Kasse
Das Land belastet die Linzer*innen mit 1.284 Euro pro Kopf – ein Rekordwert unter den Landeshauptstädten, deutlich mehr als in Graz, Salzburg und Innsbruck.
Eine aktuelle Auswertung des unabhängigen Zentrums für Verwaltungsforschung (KDZ) bestätigt schwarz auf weiß, was Linz seit Jahren sagt: Mit 1.284 Euro pro Kopf trägt keine Landeshauptstadt eine höhere Transferlast als Linz – ein trauriger Rekord, den die Stadt seit Jahren innehält.
„Diese Zahlen zeigen: Die Linzer*innen zahlen im Vergleich zu den Bürger*innen anderer Landeshauptstädte unverhältnismäßig viel an das Land – Geld, das uns fehlt. Das ist ungerecht. Ich fordere daher einen unabhängig besetzten Weisenrat. Dieser soll den inneroberösterreichischen Finanzausgleich durchleuchten und konkrete Vorschläge für eine faire Neugestaltung erarbeiten. Es braucht endlich eine nachhaltige Lösung, um diese strukturelle Schieflage zu lösen”, so Stadtrat Thomas Gegenhuber.
Die Transferlast ist die Summe der drei volumenmäßig wichtigsten Umlagen – Sozialhilfeumlage, Krankenanstaltenumlage und Landesumlage – plus weitere, kleinere Umlagen und Transferzahlungen, die zusammengefasst wurden. Um die Städten vergleichen zu können, wurde in Linz und Graz auch der Aufwand als Sozialhilfeverband in die Sozialhilfeumlage einbezogen.

Rückendeckung erhält der Finanzstadtrat von den Expert*innen des KDZ. Diese warnen im aktuellen Gemeindefinanzbericht 2026: „Ohne Strukturreformen durch Bund und Länder werden die Städte und Gemeinden die Stabilitätspakt-Ziele nicht erreichen. (…) Die Umlagenproblematik ist eine der Hauptursachen für die konsequent negative Entwicklung der Gemeindefinanzen in den letzten Jahren. Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird und sich die bisherigen Steigerungsraten bei den Umlagen stattdessen fortsetzen, werden sich die Finanzierungsspielräume weiter verschlechtern.“ (KDZ, Gemeindefinanzbericht 2026, S. 95)
Warum Graz nicht einmal halb so stark belastet ist
Das Land Steiermark trägt – wie verfassungsrechtlich vorgesehen – die volle Verantwortung für seine Krankenanstalten. Deshalb zahlt Graz mit 478 Euro pro Kopf nur rund 37% des Linzer Aufwands. Der Ländervergleich zeigt: Eine hohe Transferlast ist kein Naturgesetz, sondern eine politische Entscheidung des Landes. Jede Linzerin und jeder Linzer zahlt pro Jahr 1.284 Euro an das Land – Rekordwert unter allen Landeshauptstädten Österreichs.
Die Hochrechnung mit den aktuell vorliegenden Daten aus dem Rechnungsabschluss 2025 und den Prognosen der Finanzabteilung der Stadt Linz zeigt, dass der pro Kopf Wert in der Umlagenbelastung bis 2027 auf 1.485 Euro steigen wird. Das ist eine weitere Zunahme um 15,6%.

Gegenhuber: Ein unabhängiger Weisenrat soll neue Wege aufzeigen
Im Nettotransfersaldo von allen Einnahmen und Ausgaben gegenüber dem Land Oberösterreich liegt die Stadt Linz 2026 mit 105 Mio. Euro im Minus. “Die Stadt Linz hat eine hohe Wirtschaftskraft. Aber gerade vor dem Hintergrund der starken Steigerung der letzten Jahre, bin ich der Meinung, wir zahlen um 50 Mio. Euro pro Jahr zu viel an das Land”, stellt Gegenhuber klar.
Um eine gerechte Aufgaben- und Kostenteilung zu entwickeln, schlägt Gegenhuber einen unabhängig besetzten Weisenrat vor: Er soll den inneroberösterreichischen Finanzausgleich durchleuchten und konkrete Vorschläge für eine faire Neugestaltung erarbeiten.
“Nachdem das Land die Linzerinnen und Linzer unfair behandelt, mache ich folgenden Vorschlag: Holen wir uns unabhängige Expert*innen, die von Land, Stadt und Gemeinden nominiert werden. Der Weisenrat soll die Zahlungsströme zwischen Land, Städten und Gemeinden durchleuchten und Vorschläge für Verbesserungen erarbeiten,” sagt Gegenhuber.
“Natürlich werden wir auch unsere budgetären Hausaufgaben erledigen. Linz steht zu seiner wirtschaftlichen Verantwortung – aber bei den Landestransfers braucht es endlich ein faires Miteinander”, fordert Gegenhuber. Der Handlungsdruck ist enorm: Mehr als die Hälfte aller oberösterreichischen Gemeinden befinden sich bereits im Härteausgleich. „Wenn jede zweite Gemeinde an ihre finanzielle Grenzen stößt, sind das keine Einzelfälle, das ist ein strukturelles Problem bei der Finanzierung öffentlicher Kernaufgaben“, erklärt Gegenhuber.
“Es geht hier um die Infrastruktur, die Lebensqualität vor Ort schafft – Kinderbetreuung, Schulen, Alten- und Pflegeheime, Hallenbad, Freibad, Vereinsförderung, etc. und gleichzeitig um Aufträge für die regionale Wirtschaft, wenn Gemeinden investieren. Immer mehr Gemeinden können sich das schlicht nicht mehr leisten. Deshalb braucht es jetzt strukturelle Lösungen”, fordert Gegenhuber.
Redaktion
- DIE MACHER