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# Martina
Gratz-Haidvogl
Jeder
hat seinen
Prokuristin, Gebrüder Gratz
Generation Y Freiraum für
Entscheidungen.
Wann und in welcher Form haben Sie
begonnen, im Familienunternehmen
mitzuarbeiten?
GRATZ-HAIDVOGl_Da ich im Familienbetrieb
aufgewachsen bin, habe ich immer schon in
den Betrieb hineingeschnuppert und bereits in
meiner Jugend in den Ferien mitgearbeitet. Seit
dem Abschluss des Jus-Studiums bin ich fix im
Betrieb und meine Aufgaben sind vollumfäng- nerationen sehr gut, jeder hat seinen Freiraum
lich. Die Aufgaben erstrecken sich vom Ein- und für Entscheidungen. Bei großen Entscheidun-
Verkauf von Schrott und Metall über die Rechts- gen wird gemeinsam abgewogen, was für den
angelegenheiten im Alltag bis hin zum offenen Betrieb das Beste ist. Wichtig ist dabei immer,
Ohr für unsere Mitarbeiter. dass Meinungen zugelassen werden. Zum einen
wird die bisherige Generation mit den Ideen der
Wie viele Generationen sind aktuell im Jungen konfrontiert und damit, dass gewisse Be-
Unternehmen und wie profitiert man reiche nach und nach abgegeben werden. Zum
voneinander? anderen wird von der jungen Generation auch
GRATZ-HAIDVOGL_Wir sind insgesamt sieben sehr viel erwartet. Beide können gut voneinan-
Familienmitglieder aus zwei Generationen. Die der profitieren und sich ergänzen.
Vorteile der älteren Generation sind ihre Er-
fahrungswerte und bewährten Arbeitsweisen, Wie sehr hat Sie der Führungsstil und die
von denen man ungemein profitieren kann. Der Arbeitsweise Ihrer Vorgängergeneration
Erfolg eines Unternehmens ist immer auf die beeinflusst? Was möchten Sie übernehmen?
Macher zurückzuführen. Als junge Generation GRATZ-HAIDVOGL_Gerade in einem erfolg-
hat man die Sicherheit der Älteren im Rücken, reichen Betrieb sind der Führungsstil und die
wenn einmal schwierige oder neue Situationen Herangehensweise an Problemlösungen wich-
auftauchen. Man kann auf frühere Erfahrungen tige Einflussfaktoren. Wenn ein Betrieb über
zurückgreifen, was beruhigend ist. Im Gegenzug mehrere Generationen gut läuft, wurde in jedem
schafft die junge Generation auch Erleichterung Fall viel richtig gemacht. Ziel ist es natürlich,
für die Älteren in vielen Dingen, wie im Um- dass das so bleibt. Man sollte nicht versuchen,
gang mit Digitalisierung. In unserem Fall funk- „zwanghaft“ etwas zu ändern, wenn man bereits
tioniert die Zusammenarbeit zwischen den Ge- den richtigen Weg eingeschlagen hat._
Karen / Frau mittleren Alters, die extrem OK, Boomer / Wird häufig als Totschlag-
hohe Ansprüche stellt, ohne die Bedürfnisse argument junger Menschen gegen Babyboomer
anderer ernst zu nehmen. Sieht die Privilegien, gebraucht, die ihrerseits jungen Menschen
die sie aufgrund ihres Alters und ihrer sozialen Vorhaltungen machen, ohne sich auf deren
Stellung genießt, als ein Grundrecht an. Standpunkte einzulassen (so zumindest der
implizite Vorwurf).
„Habt ihr die Karen am Nebentisch
gehört? Die hat sich beschwert, weil A: „Würdet ihr jungen Leute nicht so
der Rotwein zwei Grad zu kalt war.“ viele Avocados essen, könntet ihr euch
eine Eigentumswohnung leisten.“
Boomer / Mitglied der Babyboomer- B: „OK, Boomer.“
Generation, die in Österreich etwa die
Jahrgänge 1950-1964 umfasst. Zeigt kein husseln / anstrengen, hart arbeiten.
Verständnis für die veränderte Weltsicht und Oft ironische Verwendung, wenn jemand
die Bedürfnisse junger Menschen. wenig zu tun, aber nie Zeit hat. Oft in
Kombination mit „am“ substantiviert.
„Mein Papa ist so ein Boomer, der hört mir
nie zu, wenn ich ihm etwas erklären will.“ A: „Kannst du am Freitag schon
wieder nicht mitkommen?“
B: „Ja, leider, immer am Husseln.“
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