Page 25 - 2020_04_DIEMACHER_web
P. 25
in Familienunternehmen
SO GLÜCKT DER
GENERATIONSWECHSEL
Eine harmonische Übergabe muss kein Fairy-Tale sein. Denn durch eine
rechtzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema können Konflikte und
Enttäuschungen in Familien und ihrem Betrieb vermieden werden. Und damit
die Nachfolgegeneration und das Unternehmen für die Zukunft stärken.
BLUT UND WASSER Unternehmensübergabe könnte ja auch jederzeit
ein Todesfall oder anderer Schicksalsschlag ein-
Kennen Sie das Prinz-Charles-Syndrom? Nein? treten.“ In Gesellschafterverträgen könne man
Familienforscher sprechen davon, wenn die älte- etwa Regelungen über Stimmrechtsverschiebun-
re Generation das Zepter nicht loslassen möch- gen oder Aufgriffsrechte an Anteilen für ein un-
te, bis die Nachfolgegeneration selbst schon alt vorhergesehenes Ausscheiden vorsehen. Für den
und grau ist. Ein solches „Leben in der Warte- geplanten, meist altersbedingten Übergabepro-
schlange“ ist aber nur einer von zahlreichen zess sollte man laut Ecker drei bis fünf Jahre ein-
Steinen, über die man auf dem Weg zum erfolg- rechnen. „Es soll ein Konsens unter allen Betei-
reichen Generationswechsel in Familienunter- ligten und gleichzeitig die beste Lösung für das
nehmen stolpern könnte. Mangelndes Interesse, Unternehmen gefunden werden.“ Wirtschafts-
fehlende Qualifikation, soziale Inkompetenz der prüfer Peter Humer meint dazu: „Erst wenn der
Nachfolgegenerationen oder gar ein familiäres Übergeber wirklich bereit ist loszulassen, kann
Zerwürfnis der Eigentümerfamilie können den man mit den ersten Schritten der Übergabe star-
Traum vom Familienlebenswerk schnell zum ten.“ Seiner Erfahrung nach sei dies beim Über-
Unternehmeralbtraum machen. „Blut ist dicker geber meist im Alter zwischen 55 bis 70 Jahren
als Wasser“, meint Unternehmensberaterin und der Fall. Aber: „Je größer der Altersunterschied
Wirtschaftsmediatorin Sandra Thaler dazu, „in zwischen der älteren und der jüngeren Genera-
vielen Familienunternehmen besteht der dring- tion ist, desto schwieriger wird die Übergabe.“
liche Wunsch, dass das Unternehmen von einem Laut Thaler werden oft bereits zu Beginn grobe
Familienmitglied weitergeführt wird.“ Was nicht Fehler gemacht: „Wenn die Nachfolgefrage zu
immer gelingt. Wie findet man den geeigneten spät angepackt wird und zu wenig oder unehr-
Nachfolger für ein Familienunternehmen und lich mit allen Beteiligten kommuniziert wird,
welche Punkte müssen im Nachfolgeprozess un- kann es zu gravierenden innerfamiliären Proble-
bedingt mitbedacht werden? men und Konflikten kommen.“
DIE ÜBERGABE PLANEN, „BRING THE PEOPLE
KLAR. ABER WANN? TO THE TABLE“ Text Katharina Anna Ecker
Foto Humer: KPMG
„Es kann nie zu früh sein, sich diesem Thema Alle Familienmitglieder und Beteiligten müssen Ecker: Mario Riener
zu widmen“, sagt Wirtschaftsanwalt Fritz Ecker laut Thaler „am Tisch sitzen und in den Prozess Thaler: Belinda Thaler
Auer: Sparkasse OÖ
und ergänzt: „Neben der klassischen, geplanten eingebunden werden“. Basis für alle weiteren Illu Gettyimages
25