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in Familienunternehmen



             SO GLÜCKT DER



             GENERATIONSWECHSEL





                Eine harmonische Übergabe muss kein Fairy-Tale sein. Denn durch eine
                rechtzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema können Konflikte und
                Enttäuschungen in Familien und ihrem Betrieb vermieden werden. Und damit
                die Nachfolgegeneration und das Unternehmen für die Zukunft stärken.


            BLUT UND WASSER                             Unternehmensübergabe könnte ja auch jederzeit
                                                        ein Todesfall oder anderer Schicksalsschlag ein-
            Kennen Sie das Prinz-Charles-Syndrom? Nein?   treten.“ In Gesellschafterverträgen könne man
            Familienforscher sprechen davon, wenn die älte-  etwa Regelungen über Stimmrechtsverschiebun-
            re Generation das Zepter nicht loslassen möch-  gen oder Aufgriffsrechte an Anteilen für ein un-
            te, bis die Nachfolgegeneration selbst schon alt   vorhergesehenes Ausscheiden vorsehen. Für den
            und grau ist. Ein solches „Leben in der Warte-  geplanten, meist altersbedingten Übergabepro-
            schlange“ ist aber nur einer von zahlreichen   zess sollte man laut Ecker drei bis fünf Jahre ein-
            Steinen, über die man auf dem Weg zum erfolg-  rechnen. „Es soll ein Konsens unter allen Betei-
            reichen Generationswechsel in Familienunter-  ligten und gleichzeitig die beste Lösung für das
            nehmen stolpern könnte. Mangelndes Interesse,   Unternehmen  gefunden  werden.“  Wirtschafts-
            fehlende Qualifikation, soziale Inkompetenz der   prüfer Peter Humer meint dazu: „Erst wenn der
            Nachfolgegenerationen oder gar ein familiäres   Übergeber wirklich bereit ist loszulassen, kann
            Zerwürfnis der Eigentümerfamilie können den   man mit den ersten Schritten der Übergabe star-
            Traum vom Familienlebenswerk schnell zum    ten.“ Seiner Erfahrung nach sei dies beim Über-
            Unternehmeralbtraum machen. „Blut ist dicker   geber meist im Alter zwischen 55 bis 70 Jahren
            als Wasser“, meint Unternehmensberaterin und   der Fall. Aber: „Je größer der Altersunterschied
            Wirtschaftsmediatorin Sandra Thaler dazu, „in   zwischen der älteren und der jüngeren Genera-
            vielen Familienunternehmen besteht der dring-  tion ist, desto schwieriger wird die Übergabe.“
            liche Wunsch, dass das Unternehmen von einem   Laut Thaler werden oft bereits zu Beginn grobe
            Familienmitglied weitergeführt wird.“ Was nicht   Fehler gemacht: „Wenn die Nachfolgefrage zu
            immer gelingt. Wie findet man den geeigneten   spät angepackt wird und zu wenig oder unehr-
            Nachfolger für ein Familienunternehmen und   lich mit allen Beteiligten kommuniziert wird,
            welche Punkte müssen im Nachfolgeprozess un-  kann es zu gravierenden innerfamiliären Proble-
            bedingt mitbedacht werden?                  men und Konflikten kommen.“

            DIE ÜBERGABE PLANEN,                        „BRING THE PEOPLE
            KLAR. ABER WANN?                            TO THE TABLE“                               Text  Katharina Anna Ecker
                                                                                                    Foto  Humer: KPMG
            „Es  kann nie zu früh sein, sich  diesem  Thema   Alle Familienmitglieder und Beteiligten müssen        Ecker: Mario Riener
            zu widmen“, sagt Wirtschaftsanwalt Fritz Ecker   laut Thaler „am Tisch sitzen und in den Prozess          Thaler: Belinda Thaler
                                                                                                       Auer: Sparkasse OÖ
            und ergänzt: „Neben der klassischen, geplanten   eingebunden werden“. Basis für alle weiteren      Illu  Gettyimages

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