Der Wert hinter dem Preis
Auf dem Preisschild steht eine Zahl. Nicht aber, wer gesät, geerntet, gepflegt und veredelt hat. Landesrätin Michaela Langer-Weninger über den Wert der Herkunft – und darüber, warum Oberösterreich künftig vielleicht anders, aber nicht weniger unverwechselbar schmecken wird.
2,99 Euro. Schwarz auf weiß. Schnell verglichen. Vielleicht sogar schnell entschieden. Was auf dem Preisschild nicht steht: Wer morgens dafür aufgestanden ist. Welche Landschaft dieses Lebensmittel geprägt hat. Welches Wissen darin steckt. Welche Arbeitsplätze daran hängen. „Der Preis ist sichtbar, die Leistung dahinter oft nicht“, sagt Michaela Langer-Weninger, Landesrätin für Landwirtschaft. Rund 31.000 land- und forstwirtschaftliche Betriebe versorgen 2,3 Millionen Menschen und sichern knapp 100.000 Arbeitsplätze in Oberösterreich. Sie pflegen Kulturlandschaften, halten regionale Versorgung aufrecht und tragen Wissen weiter, das oft über Generationen gewachsen ist. Ein Produkt kann man kopieren. Seine Herkunft nicht.
Genau darin liegt für Langer-Weninger das gewisse Etwas eines Lebensmittels aus Oberösterreich: in der Verbindung aus Landschaft, handwerklichem Können und den Menschen dahinter. Regional einzukaufen sei deshalb keine romantische Idee. „Es ist eine wirtschaftliche Entscheidung für den eigenen Lebensraum.“ Doch Regionalität darf nicht zum hübschen Etikett werden. Sie braucht Beziehungen, die halten. Zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Gastronomie. Das Genussland Oberösterreich bringt diese Menschen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammen. Das Ziel: Was hier wächst, soll möglichst auch hier veredelt und genossen werden. Denn jeder Verarbeitungsschritt, der im Land bleibt, schafft Wertschöpfung. Und Arbeit. Auch wenn sich verändert, was auf den Feldern wächst.
Der Klimawandel verschiebt Anbauzeiten, macht andere Sorten wichtiger und fordert die Bäuerinnen und Bauern heraus, neue Kulturen auszuprobieren. Verliert Oberösterreich dadurch seinen Geschmack? Langer-Weninger glaubt das nicht. Regionale Identität bedeutet für sie nicht, alles so zu bewahren, wie es immer war. Sondern die eigenen Wurzeln zu kennen – und trotzdem offen für Neues zu bleiben.
So wie beim Knödel. Ein Gericht, das fest zur oberösterreichischen Küche gehört und doch unzählige Variationen verträgt. Tradition, die nicht stehen bleibt, sondern weitergekocht wird. Und was soll ein Gast erzählen, wenn er Oberösterreich wieder verlässt? „Wenn ein Gast nicht nur satt, sondern mit Neugier aufs nächste Mal nach Hause fährt, dann haben wir alles richtig gemacht.“ Vielleicht ist das gewisse Etwas so etwas wie ein richtig guter Nachgeschmack einer Region. _
Redaktion
- Susanna Winkelhofer
Fotos
Hermann Wakolbinger