Was kostet denn Enkeltauglichkeit?
Am Ende entscheidet das Geld. Auch darüber, wie unsere Zukunft aussieht. Im Linzer Stammhaus der Sparkasse Oberösterreich sitzen drei Frauen, die jeden Tag Entscheidungen treffen, die genau das beeinflussen – was gebaut, umgestellt oder möglich gemacht wird. ein Auftrag, der hier seit 1849 mitschwingt, entfaltet dadurch konkrete Wirkung.
Die Morgensonne wärmt das Pflaster der Linzer Promenade. Doch im Inneren des denkmalgeschützten Stammhauses der Sparkasse Oberösterreich herrscht angenehme Kühle. Erst letzte Woche haben die Mitarbeitenden die generalsanierten Räumlichkeiten bezogen. Das Baugerüst steht noch, doch drinnen ist von Baustelle keine Spur. Der Meetingraum, in dem wir unsere Interviewpartnerinnen treffen, ist lichtdurchflutet. Sie sitzen bereits am Tisch – drei Frauen, die gemeinsam die grüne und soziale Transformation der regionalen Universalbank vorantreiben: Stefanie Christina Huber, die Generaldirektorin mit Gesamtverantwortung, Anita Hammer, die Sustainability Officerin, die die Nachhaltigkeitsstrategie des Hauses verantwortet, und Lisa Wimmer, die als Nachhaltigkeitsexpertin Unternehmenskunden direkt bei der nachhaltigen Transformation begleitet.
Alles begann 1849
Stefanie Christina Huber spricht nicht über Nachhaltigkeit, als wäre es ein neues Programm. „Das steckt in unserem Gründungsauftrag. Seit 1849.“ Nicht „Nachhaltigkeit“, sondern „Enkeltauglichkeit“ nennt sie es – ein Denken, das nicht am Quartals- oder Jahresende stoppt, sondern weiterreichen soll. „Wenn man Vertrauen gewinnen und dann auch halten will, dann braucht es genau diese nachhaltige Denkweise. Und die beinhaltet nicht nur die Ökologie, sondern auch das Soziale und die gute Unternehmensführung.“ Ihre Kollegin Anita Hammer formuliert es anders, aber nicht widersprüchlich. Für sie ist es vor allem auch eine Frage der Zukunftsfähigkeit: wie man heute wirtschaften muss, um auch morgen noch erfolgreich sein zu können, und das in Einklang mit den Bedürfnissen der Menschen und den Grenzen unseres Planten zu bringen.
Wo der größte Hebel liegt
Dass sich die Zeiten ändern und der langfristige Trend auf Unternehmensseite unmissverständlich Richtung Nachhaltigkeit geht, merkt Lisa Wimmer in ihren Gesprächen mit Kunden. Doch wo kann eine regionale Bank im Kampf gegen den Klimawandel und andere gesellschaftliche Herausforderungen überhaupt den größten Unterschied machen? Natürlich kehrt die Sparkasse OÖ vor der eigenen Haustür: Der Fuhrpark fährt elektrisch, Mitarbeiter bekommen das Klimaticket finanziell unterstützt und nutzen das Jobrad. Bei Um- oder Neubauten wird auf eine ökologisch-nachhaltige und ressourcenschonende Bauweise geachtet. Aber: „Der größte Hebel liegt jedoch nicht bei uns im Haus“, ist für Lisa Wimmer klar, „sondern bei den Unternehmen, die wir finanzieren.“ Es geht darum, die Kapitalströme gezielt in die nachhaltige Transformation der Wirtschaft zu lenken.
Hier bricht Huber direkt mit einem gängigen Mythos über die grüne Finanzwelt: Es gehe bei der Transformationsfinanzierung gar nicht darum, krampfhaft nach Projekten zu suchen, die schon zu einhundert Prozent „grün“ sind. Viel entscheidender sei es, den Kapitalfluss dorthin zu lenken, wo Unternehmen den Weg der Veränderung überhaupt erst einschlagen. Es geht unter anderem darum, Betriebe dabei zu unterstützen, weniger Energie zu verbrauchen oder autarker zu werden. „Grüne Finanzierung umfasst nicht nur das Windrad.“
Der erste Schritt
Der Weg, auf dem Lisa Wimmer Kunden berät und begleitet, beginnt mit Daten. „In vielen Gesprächen zeigt sich schnell: Der Engpass ist nicht die Motivation, sondern die strukturierte Aufbereitung von Daten“, sagt Lisa Wimmer. „Oft beginnt es mit der ganz einfachen Frage: Was passiert hier eigentlich wirklich?“ Aktuell besteht in einigen Betrieben noch eine gewisse Unsicherheit darüber, wie belastbare Werte ermittelt werden können, die der Finanzmarkt benötigt. Wimmers Rat an die Betriebe: Einen strukturierten Anfang machen, den eigenen ökologischen Fußabdruck berechnen und Hebel für Energieeffizienz identifizieren. Wo die bankeigene Beratung an ihre Grenzen stößt, greift die Sparkasse OÖ auf ein eigens aufgebautes Partnernetzwerk zurück. Diese Daten verschwinden nicht im Hintergrund. Sie verändern die Art, wie Risiken bewertet werden. Denn der Klimawandel ist längst kein Zukunftsszenario mehr, sondern Teil der Gegenwart. Er zeigt sich in Ernten, Lieferketten und Energiepreisen. „Klimarisiken sind Finanzrisiken“, sagt Anita Hammer unmissverständlich. Ein Satz, der schlicht klingt, aber die Logik im Bankenalltag verschiebt – weg von freiwilliger Öko-Ausrichtung, hin zu betrieblicher Notwendigkeit und vorausschauendem Risikomanagement.
Eine Bank, die Kunden verliert
Wer Nachhaltigkeit ausschließlich mit Klimaschutz verbindet, übersieht jedoch einen großen Teil des Bildes. Auch das soziale Standbein der Sparkasse OÖ ist vielfältig. Eins von vielen Beispielen: der brandneue Financial Life Park (FLiP) in der Linzer Innenstadt, wo Schülerinnen und Schülern spielerisch Finanzwissen vermittelt wird. „Die Touren sind bis zum Ende des Schuljahres ausgebucht“, erzählt uns Huber sichtlich stolz. Die Initiative scheint Anklang zu finden.
Und dann gibt es da auch noch ein Projekt, das für eine Bank ziemlich ungewöhnlich scheint: die Zweite Sparkasse. Sie richtet sich an Menschen, die finanziell aus dem System gefallen sind, und gibt ihnen eine zweite Chance, um finanziell wieder gesund zu werden. Betreut werden sie nicht von klassischen Beratern, sondern von pensionierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich hier ehrenamtlich engagieren. Anita Hammer schmunzelt: „Die Zweite Sparkasse ist wahrscheinlich die einzige Bank, die sich freut, Kunden zu verlieren. Nämlich dann, wenn sie wieder finanziell gesundet sind.“ Im vergangenen Jahr (2025) waren das 224 Menschen.
Am Ende bleibt die Frage, wie man den Erfolg von Nachhaltigkeit überhaupt misst. Stefanie Christina Huber denkt kurz nach, blickt in die Runde. „Wenn man in zehn Jahren merkt, dass sich die Lebensqualität in Oberösterreich verbessert hat“, sagt sie, „und dass wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftliche Wirkung zusammengehören – dann haben wir etwas richtig gemacht.“ Die beiden Kolleginnen links und rechts von ihr nicken zustimmend. Und auch wir merken uns diesen Satz._
Redaktion
- Zofia Wegrzecka
Fotos
Sabine Kneidinger