Wenn Software zur zweiten Sprache wird
KEBA blickt auf ein Geschäftsjahr zurück, in dem sich zwei Dinge gleichzeitig behaupten mussten: Stabilität in einem schwierigen Marktumfeld und der Mut, mit KEBA Digital ein komplett neues Kapitel aufzuschlagen.
Es gibt Unternehmen, die auf schwierige Zeiten mit Vorsicht reagieren. Und es gibt jene, die genau dann investieren, wenn andere zögern. Die KEBA Gruppe gehört sichtbar zur zweiten Kategorie. Trotz schwacher Konjunktur in Europa, zurückhaltender Investitionsentscheidungen und geopolitischer Unsicherheiten erzielte das Linzer Technologieunternehmen im Geschäftsjahr 2025/26 einen Umsatz von 544,4 Millionen Euro – ein Plus von rund sechs Prozent. Getragen wurde dieses Wachstum maßgeblich von positiven Impulsen aus Asien und den USA, während Europa bremste.
Breite als Schutzschild
Der Erfolg hat einen Namen, den KEBA seit Jahren strapaziert, ohne dass er an Wirkung verliert: Diversifikation. Rund 89 Prozent des Geschäfts macht die Gruppe international, verteilt auf die EU ohne Österreich (64 Prozent), Asien (17 Prozent) und den Rest der Welt (8 Prozent). Auch beim Personal zeigt sich diese Streuung: Von den rund 2.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern arbeitet mehr als die Hälfte in Österreich, knapp 30 Prozent in Deutschland, rund 10 Prozent in Asien. 74 junge Menschen lässt KEBA aktuell in Österreich und Deutschland ausbilden.
Diese Breite ist kein Zufall, sondern Strategie. Sie erklärt auch, warum das Unternehmen trotz eines herausfordernden Umfelds weiterhin kräftig in die Zukunft investiert: 91,8 Millionen Euro flossen im vergangenen Jahr in Forschung und Entwicklung, eine F&E-Quote von 16,9 Prozent – für ein Technologieunternehmen ein deutliches Bekenntnis.
Drei Standbeine, ein gemeinsamer Takt
Die drei Geschäftsfelder Industrial Automation, Handover Automation und Energy Automation liefen 2025/26 mit unterschiedlichem Tempo, aber alle in eine ähnliche Richtung: nach vorne. Während der europäische Maschinen- und Anlagenbau zurückhaltend investierte, entwickelte sich das Bankengeschäft mit der neuen, besonders barrierefreien Cash-Recycling-Generation KePlus F20 erfreulich. In der Logistik sorgte die neue Paketstations-Generation loxmate für Aufmerksamkeit. Sie kommt erstmals ganz ohne Stromanschluss aus, dank Photovoltaik und Akkutechnologie. Im Energiebereich präsentierte KEBA im Juni 2026 auf der Power2Drive eine neue Generation an DC-Schnellladern für professionelle Ladeinfrastruktur.
Doch das prägendste Ereignis des Jahres war ein anderes: die Gründung von KEBA Digital. Die neue Einheit bündelt erstmals die hardwareunabhängige Vermarktung digitaler Lösungen und verknüpft die fast 60-jährige Softwareerfahrung von KEBA mit der KI-Expertise des 2025 integrierten Unternehmens 7LYTIX. Geführt wird sie von Sulejman Ganibegovic als CEO und Hannes Kaufmann als CTO.
„Unser Anspruch ist nicht, Prototypen zu bauen, sondern KI dort einzusetzen, wo sie echte Wertschöpfung ermöglicht und Wettbewerbsfähigkeit stärkt – für uns selbst ebenso wie für unsere Partner“, sagt Christoph Knogler, CEO der KEBA Group AG. Es ist eine Ansage, die sich gegen den Hype richtet und stattdessen auf jahrzehntelange industrielle Erfahrung setzt – von Computer-Vision-Anwendungen in der Automation bis zum KI-Assistenzsystem KeBob, das sicherheitsrelevante Situationen in Selbstbedienungszonen erkennt.
Für CFO Andreas Schoberleitner ist die wirtschaftliche Bilanz vor allem eines: solide. „Mit einem Umsatzwachstum von rund 6 Prozent hat KEBA im Geschäftsjahr 2025/26 eine solide Entwicklung erzielt – trotz eines weiterhin herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds. Unsere internationale Aufstellung und die Breite der Geschäftsfelder tragen wesentlich zur Stabilität der Gruppe bei“, sagt er.
Blick über den Atlantik
Mit 28 Standorten in 16 Ländern ist KEBA längst ein globaler Player, doch die USA rücken strategisch stärker in den Fokus. Industrial Automation ist dort bereits etabliert, künftig soll die Präsenz über Service und Vertrieb schrittweise wachsen, mittelfristig auch mit zusätzlicher lokaler Wertschöpfung.
Am Ende des Geschäftsjahres steht ein Unternehmen, das zwei Dinge gleichzeitig kann: an bewährten Stärken festhalten und sich neu erfinden. Mit KEBA Digital hat die Gruppe einen Schritt gesetzt, der über das übliche Innovationsversprechen hinausgeht und der zeigt, dass industrielle KI für KEBA kein Schlagwort, sondern ein nächstes Kapitel ist.
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
KEBA