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 Wandel, aber wie?
Menschen

Wandel, aber wie?

1. Juli 2026

ERST MAL LOSLASSEN

„Changemaker“ Gerald Ziegler über das Ende des linearen Denkens, die vier Jahreszeiten echter Veränderung und warum Loslassen die mutigste Entscheidung ist, die eine Führungskraft treffen kann.

Was ist das gefährlichste Wort in Unternehmen? Gerald Ziegler antwortet ohne Zögern: „Ertrag.“ Kurze Pause. Dann erklärt er das Warum: „Weil wir uns zu sehr auf das Ergebnis ausrichten. Auf Marge, Gewinn, Rendite. Dabei folgt der Erfolg – wie der Name schon sagt. Er folgt nach.“ Nach der Orientierung. Nach der Ausrichtung. Nach der Erbringung der Leistung. „Wenn wir uns mehr darauf konzentrieren, würde der Erfolg automatisch erfolgen.“ 

Das ist Gerald Ziegler in einem Satz. Jemand, der Wirtschaft von innen nach außen denkt. Von der Wurzel zur Frucht. Von der Vision zur Realität. Seit 30 Jahren begleitet er Unternehmen durch Transformationen. Familienunternehmen, Krankenhäuser, Konzerne. Er kennt das, was an Wänden hängt. Und das, was wirklich trägt.

Wenn der Sturm kommt

Kein Unternehmen bleibt vom Sturm verschont. KI-Boom, Klimakrise, geopolitische Verwerfungen – alles gleichzeitig, alles laut, alles drängend. Wie hält man in so einer Zeit Kurs? „Wenn ich ganz viel Unsicherheit im Außen habe, kann ich mich nur auf mein Inneres verlassen.“ Für Ziegler ist die Antwort keine präzisere Zahl. Kein innovativeres Produkt. Keine neue Strategie. Sondern eine Ausrichtung. Eine Perspektive. Eine Vision, die so verwurzelt ist, dass der Wind sie nicht umwirft.

 Der entscheidende Unterschied: Ziele und Perspektiven sind nicht dasselbe. Ein Ziel – drei Prozent mehr Umsatz, ein neues Produkt – ist zu eng. Es zerbricht an der Unsicherheit. Eine Perspektive hingegen bleibt. „Ihr habt als Magazin eine klare Ausrichtung: Menschen auf die Bühne bringen. Wenn der Wind von einer Seite kommt, verändert das nicht den Grundansatz. Vielleeicht nur das Detail.“ Und wenn sich die Welt verändert? Dann verändert sich der Weg. Nicht das Wohin. 

Das Leitbild, das niemand liest

Das schöne Leitbild im Eingang. Die Werte an der Wand. Die Vision, die drei Manager irgendwann einmal gemeinsam entwickelt haben – und die dann still verstaubt. „Das ist kein Leitbild, sondern ein Leidbild.“ Eine Vision, die nicht ins Unternehmen getragen wird, bleibt Papier. Und das passiert öfter, als man denkt: Das Top-Management zieht sich f drei Tage zurk, entwickelt Großes – und transportiert es nicht. „Dann bleibt das irgendwo an Wänden oder in Schubladen.“ 

Was es braucht, ist Energie. Energie, die durch Menschen fließt. Die berührt. Die inspiriert – ganz dem Wortursprung folgend: inspirare, lateinisch für Leben einhauchen. „Eine Vision muss einem Unternehmen Leben geben.“ Nicht durch Präsentationen, nicht durch Hochglanzbroschüren. Durch Menschen, die sie wirklich leben. Und von unten nach oben, von links nach rechts und umgekehrt. Vom Eigentümer bis zur Belegschaft. Und durch ganz praktische Dinge – ein Visionsfest zum Beispiel. Ein Erleben. „Wie wäre es, wenn wir das in zehn Jahren wären?“ Nicht: erreicht hätten. Sondern: wären.

Die vier Jahreszeiten der Transformation

Die Welt funktioniert nicht linear. Sie funktioniert zyklisch. Wir atmen ein und aus, Jahreszeiten kommen und gehen, der Mond hat seinen Rhythmus, Menschen durchleben einen Zyklus. Alles folgt einem Kreislauf – außer, meistens, die Wirtschaft. Wir wollen Probleme len und sofort weitermachen. Neues Produkt, neue Strategie. Weiter, weiter, weiter. Ziegler nennt das den Fehler. Ein klassisches Beispiel: CO2-Ausstoß. Die Lösung? Statt Verbrenner ein Elektroauto. „Aber wir haben das Kernthema der Mobilität nicht angegriffen.“ Eine kleine Lösung, keine nachhaltige Transformation. „Man kann Probleme nicht auf der gleichen Ebene lösen, auf der man sie geschaffen hat.“ Das hat Einstein gesagt. Echte Transformation brauche alle vier Jahreszeiten, ist Gerald Ziegler erzeugt. 

Die Sommerqualität – agieren, wachsen, gestalten, ernten. Die Herbstqualität – innehalten, wahrnehmen, was nicht mehr trägt, loslassen, was sich erlebt hat. Die stille Phase im Winter – das Nichtwissen aushalten, in die Tiefe gehen, auf das warten, was noch unsichtbar unter der Oberfläche keimt. Die Frühlingsqualität – das Neue sehen, das in der Stille entstanden ist. „Das Ei und die Samenzelle kommen zusammen – aber du weißt im ersten Moment noch nicht, was daraus wird.“ Genau so entsteht eine echte Vision. Nicht im Meeting. In der Stille davor. Und dann braucht es, wie bei einer Schwangerschaft, Zeit. Neun Monate. Manchmal drei Jahre. Manchmal länger. 

Eine Vision muss einem Unternehmen Leben geben.
Gerald Ziegler
Transformationscoach

Mut zur grünen Wiese​

Die schwierigste Phase ist die des Loslassens. Alter Denkmuster. Alter Gewohnheiten. Der Art, wie es immer war. Dieser Phase ausweichen zu wollen – das ist menschlich. Aber es ist der entscheidende Fehler. Gerald beschreibt es mit dem Bild der Raupe. In ihr stecken bereits die sogenannten Imago-Zellen – Zellen, die das Bild des Schmetterlings in sich tragen. Sie kämpfen gegen die anderen Zellen, weil ihr Weg klar ist: Schmetterling werden. Und das kann nur in der Metamorphose passieren. Im Innehalten. Im Auflösen des Alten.

Genauso in Unternehmen. Was in der Herbstqualität beginnt – das leise Spüren, dass etwas nicht mehr stimmt, dass der Umsatz wegbricht oder die Energie fehlt –, muss in die Tiefe führen dürfen. „Bevor wir jetzt eine neue Idee entwickeln, schauen wir ein.mal: Was müssen wir an Denkmustern, an Haltungen, an Einstellungen verändern?“ Grüne Wiese denken. Loslassen. Und dann: warten. Vertrauen. Nicht wissen – und trotzdem weitergehen.

Ein richtiger Visionsworkshop ist kein Nachmittagsworkshop. Er braucht Tage. Er braucht Tiefe. Er braucht die Natur. Ziegler geht mit den Menschen raus. In die Stille. In den Wald. „Dort kommen Informationen auf anderen Ebenen. Da sind Energien zwischen uns, die man nicht greifen kann, aber die trotzdem vorhanden sind.“ 

Warum Angst keine Strategie ist

In der Gesellschaft und in der Wirtschaft wird gerade viel mit Angst gesteuert. Krieg. Energiekrise. Klimakatastrophe. „Mit Angst steuert man Menschen.“ Das ist keine neue Erkenntnis. Das haben schon andere vor uns gewusst. Aber Angst lähmt. Wer Angst hat, traut sich keine große Entscheidung zu. Wer Angst hat, hält fest – an dem, was war.

Gerald Ziegler plädiert für etwas anderes: Zuversicht, Mut. Und vor allem: neue Bilder. „Wenn ich immer sage, du darfst nicht mehr mit dem Auto fahren, du darfst nicht mehr fliegen – dann geht man entweder in die Starre oder in den Trotz.“ Was fehlt, ist die andere Seite. Wie könnte es besser werden? Was entsteht, wenn wir aufhören, uns ständig neu einzudecken – und anfangen, wirklich zu leben? „Wir brauchen Zukunftsbilder. Nicht Verbotskataloge.“

Was ein transformiertes Unternehmen ausmacht

Und wie fühlt es sich an – ein Unternehmen, das wirklich transformiert ist? „Man spürt, dass dort Menschen arbeiten, die gut drauf sind, die vital sind.“ Es wird gearbeitet. Fleißig sogar. Aber nicht verbissen. Nicht aus dem Zwang, den nächsten Bonus zu sichern. Sondern aus dem Sinn heraus. Aus einer Freude an dem, was entsteht. Von außen erkennbar? „Ja. An Produkten, die das Leben nicht belasten, sondern fördern.“

Sein Wunsch: eine lebensdienliche Wirtschaft. Nicht als Utopie. Als erreichbare Realität. Unternehmen, die aufhören, sich selbst, ihre Mitarbeiter und den Planeten auszubeuten. Unternehmen, die in Verbindung sind – mit sich, mit den Menschen, mit der Natur, mit anderen Marktplayern. „Die Natur vernichtet sich nicht.“ Sie kooperiert. Ein Baum lässt seine Früchte fallen – damit aus dem Samen etwas Neues wächst. Drei bis vier Jahre braucht echte Transformation. Das ist keine Warnung. Das ist eine Zusage. Wer den Weg geht – durch die Qualitäten bzw. Energien der vier Jahreszeiten, durch den Mut zum Loslassen, durch das Vertrauen in den Aufbruch – „der schafft etwas, das hält. Jahrzehnte, Generationen.“

Zukunftslab: Wirtschaft 2040

Ein Tag. Viele Perspektiven. Eine große Frage: Wie könnte eine Wirtschaft aussehen, die dem Leben dient? Gerald Ziegler lädt gemeinsam mit Unternehmern, Führungskräftem, Visionären und Künstlern zum Denken, Gestalten und Erleben ein. 

16. Oktober 2026 I 10–17 Uhr 
Kavalierhaus Klessheim, Salzburg 

Anmeldung: thechangemaker.at/wirtschaft2040 

# Gedankensprung

mit Gerald Ziegler

Orientierung ist_Eine Ausrichtung haben. Klarheit gewinnen.

Das Mutigste, das eine Führungskraft tun kann_Zu sich selbst stehen und zuversichtlich in die Zukunft gehen.

Mein persönliches Leitmotiv_Eine lebensdienliche Wirtschaft mitgestalten.

Zukunft ist_Ein Raum, den es zu gestalten gilt. Am besten gemeinsam.

ALLES KLAR?

Sabine Staltner ist „alles klar“ der kraftvollste Moment überhaupt: der Augenblick, in dem aus Nachdenken eine Entscheidung wird. Aus Zögern ein Schritt. Sie nennt Klarheit die Antriebskraft, die vom Denken ins Tun führt – und genau deshalb die Voraussetzung für jede echte Transformation ist. Warum 70 Prozent aller Veränderungsprozesse scheitern. Und was Führungskräfte wirklich brauchen, um das zu ändern.

Wer bei Sabine Staltner ankommt, tritt in einen Denkraum ein. So nennt die Coachin und Trainerin den Rahmen, in dem sie arbeitet – bewusst nicht Praxis, bewusst nicht Büro. „In diesem Raum versuche ich, einen Vertrauensraum zu schaffen.“ Einen Raum, in dem Menschen sagen dürfen, was sie wirklich beschäftigt. Nicht nur beruflich. Als ganze Person. Sabine Staltner hat nämlich eine klare Bedingung: Wer den Denkraum wieder verlässt, soll wissen, was als Nächstes zu tun ist. „Die Praxis ist draußen.“ 

Woran scheitert’s

Rund 70 Prozent aller Transformationsprozesse in Unternehmen scheitern. Nicht wegen falscher Strategie. Nicht wegen fehlenden Budgets. Sondern wegen der Menschen, die vorne stehen. Diese Zahl treibt Sabine Staltner an. Sie kennt das Bild: Workshops, Meetings, ein kurzer Drive – und dann? Nichts. Kein wirklicher Wandel. Nur die Erschöpfung bleibt. „Es ist so viel Umbruch gerade“, sagt sie, „das macht viel Verunsicherung mit den Leuten.“ KI, geopolitische Ungewissheit, ein Führungsstil, der sich wandeln soll – aber noch nicht ganz gewandelt hat. Führungskräfte in der Sandwich-Position: oben die Unternehmensziele, unten die Mitarbeitenden, und mittendrin – die eigene Orientierungslosigkeit. „Sehr verständlich, dass einem da die Luft und die Energie ausgehen.“ Sabine Staltner arbeitet mit genau diesen Menschen. Nicht online. Nie. „Ich mache meine Coachings und Trainings nur in der Präsenz. Ich muss die Leute spüren.“ Und manchmal spürt sie etwas, das die Person selbst noch nicht benennen kann. Dann benennt sie es. 

Der erste Schritt

Was hält Menschen im Stillstand? Meistens sei es nicht die Komplexität der Aufgabe, sondern die Größe des ersten Schrittes. „In der Denke entweder viel zu weit weg oder viel zu groß“, beobachtet Staltner. „Manchmal ist es aber wirklich nur ein ganz kleiner Schritt.“ Deshalb gibt sie nach jedem Training eine Karte mit. Jeder schreibt seinen ersten Schritt auf. Gleich. Bevor der Alltag wieder übernimmt. 

Das ist ihr Prinzip der Klarheit. Nicht als Persölichkeitseigenschaft, sondern als aktive Kraft: „Klarheit ist die Antriebskraft, die vom Denken ins Tun führt.“ Solange jemand im Unklaren ist, dreht er sich im Kreis. Sobald Klarheit entsteht, passiert Bewegung. Diese Überzeugung hat sie wissenschaftlich erarbeitet. Ihre Masterthese – „100 Prozent Ich: ein Coaching-Modell zur Ich-Stärkung“ – wurde zur Basis für ihr Konzept „KONKLAR“. Sechs Blickfelder, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen: Ich bin. Ich kann. Ich habe. Ich möchte. Ich brauche. Ich mache. Die ersten drei analysieren. Die letzten drei bewegen.

Klarheit ist die Antriebskraft, die vom Denken ins Tun führt.
Sabine Staltner
Coachin

Möglichmacherin

Sie bezeichnet sich selbst als Möglichmacherin durch Klarheit und Mut. Aber Mut, das Wort lässt sie kurz innehalten. Viele haben zu ihr gesagt: „Du bist mutig“, als sie sich selbstständig gemacht, den sicheren Weg verlassen, alles auf eine Karte gesetzt hatte. Für sie selbst aber war es nicht Mut. Es war Logik. „Logisch, weil ich mich schon auf den Weg gemacht hatte.“ 

Was mutig wirkt, sei oft nur: konsequent sein. Wer weiß, wer er ist und was er kann, und sich trotzdem nicht traut, der sollte sich die Frage stellen: „Was hindert mich, mich zu trauen?“. Diese Frage stellt sie auch ihren Klientinnen und Klienten. Führungskräften, Unternehmerinnen, Managern – Menschen, die fähig sind, aber feststecken. Manchmal in einer Organisation, die selbst noch keine Klarheit hat. Manchmal in einem Selbstbild, das noch nicht Schritt gehalten hat mit dem, was sie längst leisten.

Vital Leaders: Führung als Marathon

Sabine Staltner denkt langfristig. Ihr Begriff dafür: „vitaLEADERs“. Vitale Führungskräfte, die nicht für den Sprint trainieren, sondern für den Marathon. „Wenn ich Führungskraft bin, entscheide ich mich nicht für einen Sprint, sondern für einen Marathon.“ Das bedeutet: auf die eigene Persönlichkeit schauen. Auf die eigene Lebensweise. Auf das Potenzial des Teams. Und auf die Organisation – die manchmal selbst der größte Bremsklotz ist. 

Und was verändert sich bei den Menschen, wenn sie Sabines Denkraum wieder verlassen? „Sie sind leichter. Und sie nehmen etwas mit, das kein Strategiepapier der Welt ersetzen kann: Klarheit über den nächsten Schritt.“ 

# Klartext

mit Sabine Staltner

Der häufigste Grund, warum Transformation scheitert_fehlende Klarheit in der Person, die vorne steht. Nicht die Strategie, der Mensch.

Eine Frage, die sich Führungskräfte öfter stellen sollten_Wie kann ich wirksam werden – nicht: Mache ich es richtig oder falsch?

Die meistunterschätzte Führungsqualität_ sich selbst gut kennen. Wer ich bin, beeinflusst alles andere. Immer.

BODYSET VOR MINDSET

Eine KI wird gefragt, was sie am meisten interessieren würde, wenn sie mit Menschen tauschen könnte. Ihre Antwort zeigt, wo wir beginnen können, wenn wir tatsächlich etwas verändern möchten. Mental-, Leadership und Embodiment-Trainerin, Autorin Bettina Leopold schildert, warum Wandel nicht allein im Kopf beginnt – sondern oft zuerst im Körper.

Stell dir vor, du stellst einer Maschine eine Frage. Keine technische, keine strategische. Sondern diese: Was würde dich am meisten interessieren, wenn du mit Menschen tauschen könntest? Die Antwort der KI: einen Körper haben. Den Boden unter den Füßen spüren. Für Bettina Leopold ist diese Antwort mehr als ein Gedankenexperiment. Sie zeigt, was wir in einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz immer mehr übernimmt, wieder ernster nehmen dürfen: unsere Körperintelligenz. 

Denn echter Wandel beginnt für sie nicht allein im Kopf. Er beginnt dort, wo wir oft zuletzt hinschauen: im Körper. Bettina arbeitet mit Führungskräften, Teams, Unternehmerinnen und Unternehmern, Einzelpersonen, die wieder in die Verbindung mit sich selbst kommen wollen. Sie hilft Unternehmen dabei, Wandel, Führung und Zusammenarbeit menschlicher, gesünder und wirksamer zu gestalten – nicht theoretisch, sondern er Körperintelligenz, Selbstführung und echte Verbindung. Ihr Ansatz: In einer Zeit, in der KI immer mehr übernimmt, wäre die naheliegende Reaktion: schneller werden. Effizienter. Smarter. Bettina dreht den Gedanken um. Wenn Maschinen immer bessere Maschinen werden, dann sollen wir Menschen immer menschlicher werden. Nicht nur besser. Weiterentwicklung ja, dabei aber menschlicher. „Vielleicht geht es gar nicht darum, noch perfekter zu werden. Sondern darum, wieder viel mehr wir selbst zu sein.“

Body first. Mind will follow.

Mindset ist das Modewort der letzten Jahre. Mindset ist wichtig, sagt Bettina Leopold. Aber es ist nicht immer der erste Schritt. Denn was im Kopf verstanden wird, muss im Körper integriert werden. Affirmationen, neue Gedanken und Perspektivenwechsel können unterstützen. Doch wenn der Körper aufgrund alter Prägungen, Erfahrungen oder innerer Widerstände nicht mitzieht, bleibt Veränderung oft an der Oberfläche. Deshalb spricht Leopold von Bodyset: Der Körper reagiert oft früher, als der Verstand es erklären kann. Er sendet Signale, Impulse und Informationen, auch dann, wenn rational längst alles entschieden scheint. Diesem Thema hat sie als Gastautorin in einem KI-Mindset-Buch auch ein ganzes Kapitel gewidmet. 

Die Sache mit dem Hamsterrad

Ein vollgepackter Tag. Hundert Tabs offen. Und dann – unter der Dusche plötzlich die kreativste Idee seit Monaten. Kein Zufall, sagt die Neurowissenschaft. Das Default-Mode-Network, jenes Netzwerk im Gehirn, das Informationen neu verknüpft und Kreativität ermöglicht, schaltet sich nur in der Pause ein. Nie im Dauerbetrieb. „Wenn der Hamster schneller läuft, dreht sich das Rad nur noch schneller“, sagt Bettina. Aussteigen und innehalten also. Und dann eine Entscheidung treffen. Möchte ich oder wie möchte ich wieder einsteigen? Mit mehr Energie, mehr Klarheit, mehr Verbindung mit sich selbst. Langsamkeit ist kein Rückschritt. Sie ist Strategie.

Wir brauchen wieder mehr Körperintelligenz.
Bettina Leopold
Leadership- und Mentaltrainerin

Warum Transformation oft scheitert

Alles ist geplant, die Prozesse laufen nach Plan. Und trotzdem entsteht manchmal dieses Gefühl: Irgendetwas stimmt nicht. Die Veränderung bleibt aus. Genau dort setzt Bettina Leopold an. Denn Transformation scheitert selten nur an der Strategie. Oft scheitert sie daran, dass Menschen innerlich nicht mitgenommen werden: mit ihren Widerständen, Bedürfnissen, inneren Ressourcen. Körperintelligenz wird damit zur Führungskompetenz: Sie hilft, Spannungen früher zu erkennen, Entscheidungen klarer zu treffen und Veränderung so zu gestalten, dass Menschen innerlich mitgehen können. „Wenn man dem nachgeht, wird man oft merken: Es gibt noch Schrauben zu drehen. Nicht immer im Plan, sondern bei und mit den Menschen.“ 

Für Leopold beginnt Führung deshalb nicht bei neuen Tools oder Maßnahmen. „Sie beginnt mit dir und deiner Selbstführung. Beim Kloß im Hals, der sich löst. In dem Moment, in dem plötzlich leicht wird, was vorher schwer war und im Team Verbindung entsteht, weil jeder in seinem Potenzial mitgenommen wird.“

Konfetti fällt nicht vom Himmel

Auf Bettinas Website steht es groß: „Es ist Zeit für mehr Konfetti im Leben.“ Konfetti – das ist ihr Wort für Freude, Leichtigkeit, Mut. Für diese Momente, in denen man spürt: Genau das bin ich. Genau das ist richtig. Fällt das einfach so vom Himmel, Konfetti? Nein. Man muss es streuen. Bewusst. Täglich. Und der einfachste Weg dahin ist auch der unscheinbarste: beide Fußsohlen auf den Boden. Eine Minute. Einchecken. Spüren, wie sich der Körper heute anfühlt. Nicht, was noch zu tun ist, sondern: was gerade ist. Eine Minute. Die haben wir alle._

Redaktion

  • Susanna Winkelhofer

Fotos

Staltner: Günter Staltner;
Ziegler: Hannelore Kirchner;
Leopold: Thomsen Photography

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