Grüne Linien für Oberösterreich
Während anderswo über Bodenverbrauch gestritten wird, liefert Oberösterreich Zahlen: Mit zwei neuen regionalen Grünzonen schützt das Land nun rund 100.000 Hektar Fläche vor der Umwidmung in Bauland. Aktuelle Monitoring-Daten zeigen, dass diese Strategie längst Wirkung zeigt.
Boden ist ein knappes Gut, und wie ein Land mit dieser Knappheit umgeht, sagt viel über seine Zukunftsfähigkeit aus. Oberösterreich hat sich dafür ein Motto gegeben, das nicht nach Verzicht, sondern nach Gestaltung klingt: „Boden schützen & Zukunft ermöglichen“. Konkret wird dieser Anspruch jetzt mit zwei neuen regionalen Grünzonen für die Regionen Ried im Innkreis und Gmunden-Vöcklabruck. „Zu den drei bereits bestehenden regionalen Grünzonen kommen nun zwei weitere. Die Grünzonen für die Regionen Ried im Innkreis mit insgesamt 23 Gemeinden und Gmunden-Vöcklabruck mit 27 Gemeinden liegen nun final vor. Weitere 32.000 Hektar Landesfläche werden damit vor Umwidmung in Bauland geschützt“, erklärt Wirtschafts- und Raumordnungs-Landesrat Markus Achleitner.
Fünf Zonen, ein System
Damit wächst ein Netz, das mittlerweile das gesamte Bundesland prägt. Zu den neuen Gebieten gesellen sich die bereits etablierten Grünzonen Linz-Umland, Wels-Grieskirchen und Eferding. „Die Erstellung dieser beiden neuen regionalen Grünzonen erfolgte in enger Abstimmung mit den Gemeinden der betreffenden Regionen. Damit sind insgesamt nun rund 100.000 Hektar Grünland vor einer Umwidmung in Bauland geschützt. Das ist rund zwei Drittel mehr Fläche als das gesamte derzeit in Oberösterreich gewidmete Bauland“, so Achleitner. Dass dabei nicht einfach eine Schablone übers Land gelegt wird, betont der Landesrat ausdrücklich: „Regionale Grünzonen werden nicht einfach über das gesamte Bundesland übergestülpt, sondern sie werden besonders dort verordnet, wo es notwendig ist, weil besonderer Siedlungsdruck herrscht.“
Genau dieser gezielte Zugang zeigt sich auch bei den neuen Zonen: In Ried im Innkreis stehen rund 17.913 Hektar unter Schutz, in Gmunden-Vöcklabruck weitere 14.054 Hektar. Das entspricht in der Region Ried beinahe der Hälfte, in Gmunden-Vöcklabruck etwa einem Viertel des jeweiligen Planungsgebiets. Vorausgegangen ist den Verordnungen ein mehrstufiger Prozess: von ersten fachlichen Analysen über Abstimmungsrunden mit den Gemeinden bis zum formellen Verfahren, in dem die Kommunen noch einmal Stellung nehmen konnten. Genau diese enge Einbindung der lokalen Ebene war auch dem zuständigen Raumordnungsexperten Michael Resch ein zentrales Anliegen, der die Erstellung der Grünzonen als Prozess in enger Abstimmung mit den Gemeinden der jeweiligen Region beschreibt.
Was die Zahlen wirklich sagen
Politische Schutzgebiete sind das eine, der Beweis, dass sie etwas bewirken, das andere. Hier liefert ein neues, länderübergreifend abgestimmtes Monitoring der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK) erstmals belastbare Vergleichsdaten für den Zeitraum 2022 bis 2025. Das Ergebnis: Oberösterreichs Flächeninanspruchnahme pro Einwohner ist um 5,1 Quadratmeter zurückgegangen, der zweitstärkste Rückgang aller Bundesländer nach Wien. Auch bei der Mobilisierung bestehender Baulandreserven liegt das Land im Spitzenfeld. „Das beste Bauland ist jenes, das nicht neu gewidmet werden muss, sondern in Nutzung gebracht werden kann. Umso erfreulicher, dass laut aktuellem Monitoring des Umweltbundesamtes Oberösterreich nach Niederösterreich den zweitstärksten Rückgang bei Baulandreserven verzeichnen konnte. Seit 2022 konnten 550 ha an Baulandreserven in Nutzung gebracht werden, das entspricht einer Fläche von rund 770 Fußballfeldern, die somit nicht neu gewidmet werden mussten“, erklärt Achleitner. Und weiter: „Das ist auch ein Beleg dafür, dass unsere Maßnahmen zur Baulandmobilisierung, die wir mit der OÖ. Raumordnungsnovelle 2021 gesetzt haben, greifen.“
Auch im direkten Vergleich mit dem Rest Österreichs steht Oberösterreich gut da: Mit einem Anteil von 15,71 Prozent am Dauersiedlungsraum bleibt das Land das drittsparsamste Bundesland — deutlich unter dem österreichischen Schnitt von 17,44 Prozent. Achleitner ordnet diesen Wert ein und verweist zugleich auf die besondere Doppelrolle des Landes: „Oberösterreich weist nicht nur das zweithöchste Bevölkerungswachstum aller Bundesländer auf, sondern ist zugleich auch das Wirtschafts- und Industriebundesland Nr. 1 der Republik. Daher brauchen bei uns die Menschen Platz zum Wohnen und die Betriebe Raum für Ansiedlungen und Erweiterungen, damit Arbeitsplätze und Wertschöpfung entstehen und gesichert werden können.“
Ein Land mit zwei Geschwindigkeiten
Was bleibt, ist das Bild eines Bundeslandes, das versucht, zwei Dinge gleichzeitig zu schaffen: Wachstum ermöglichen und Boden bewahren. Mit den fünf regionalen Grünzonen, der erfolgreichen Mobilisierung von Baulandreserven und einer Flächeninanspruchnahme, die unter dem Bundesschnitt liegt, hat Oberösterreich dafür inzwischen ein ganzes Instrumentarium aufgebaut. Wie Achleitner es zusammenfasst, ist das kein Widerspruch, sondern Programm: Sparsamkeit beim Boden soll Entwicklung nicht verhindern, sondern erst absichern — für Familien, die Wohnraum brauchen, und für Betriebe, die Platz zum Wachsen suchen.
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Land OÖ / Lina Spenlingwimmer