Vom Studenten zum Unternehmer

Die Linzer Johannes Kepler Universität (JKU) war schon immer ein regionaler Wirtschaftsmotor und weist österreichweit die meisten Unternehmer unter den Studierenden auf.In Zukunft will man sich noch stärker als unternehmerische Universität positionieren – dafür ist nicht nur eine engere Zusammenarbeit mit der Wirtschaft angedacht.

Innovative Forschungsprojekte, ständiger Kontakt mit anderen motivierten Menschen, viele Gelegenheiten, um im Hörsaal, in der Mensa oder auf Veranstaltungen Ideen auszutauschen: Universitäten sind ein optimaler Nährboden für Unternehmensgründungen. Kein Wunder, dass dort zahlreiche der erfolgreichsten Neugründungen der vergangenen Jahre ihren Ursprung hatten - nicht zuletzt das Vorzeige-Startup Runtastic, das in der frühen Phase umfangreiche Unterstützung an der Fachhochschule OÖ und JKU erhalten hat.

Seit dem Jahr 2000 setzt man an der JKU mit dem Fachgebiet Unternehmensgründung auf eine Entrepreneurship-Ausbildung. Und das mit Erfolg: „Auch in diesem Semester sind wir mit über 200 Studierenden im Einführungskurs das meistbesuchte Vertiefungsfach in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften“, sagt Norbert Kailer, Vorstand des Instituts für Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung. Zusätzlich gibt es spezielle Lehrveranstaltungen für Studierende der Technik und Naturwissenschaften sowie in den Masterprogrammen General Management, Recht und Wirtschaft für Techniker sowie Digital Business Management. Die Zahlen der vergangenen Jahre sprechen für sich: Gleich 500 der insgesamt etwa 3.000 Entrepreneurship-Absolventen der JKU sind derzeit unternehmerisch tätig, weitere 70 arbeiten als Geschäftsführer für international tätige Unternehmen. Da wären etwa in jüngerer Vergangenheit Jürgen Smid mit karriere.at, Österreichs größtem Online-Jobportal, Wolfram Niedermayer und Karl Weixelbaumer mit Feel Events oder Wolfgang Lang mit Bissanzeiger.

Fachliches Wissen reicht nicht

Dennoch will sich die JKU zukünftig noch stärker als unternehmerische Universität positionieren. „Das Institut für Unternehmensgründung ist höchst erfolgreich auf dem Gebiet, insgesamt JKU-weit gesehen gibt es aber noch Luft nach oben“, sagt Rektor Meinhard Lukas. Großes Vorbild und Best-Practice-Beispiel ist die Technische Universität München mit ihrem europaweit einzigartigen Entrepreneurship Center, wo potentiellen Gründern für ihre Vorhaben auf 6.100 Quadratmetern Infrastruktur zur Verwirklichung der Projekte geboten werden. „Gemeinsam mit dem Inkubator Tech2b arbeiten wir gerade daran, vor allem bei den technischen Studien in Zukunft viel stärkere Anreize für Studenten zu setzen“, sagt Lukas.

"Das Institut für Unternehmensgründung ist höchst erfolgreich auf dem Gebiet, insgesamt gesehen gibt es an der JKU aber noch Luft nach oben."

Meinhard LukasRektor JKU Linz

Aber welche Kompetenzen muss eine Universität eigentlich vermitteln, damit Studenten gerne und erfolgreich gründen? Laut einer Studie des Instituts für Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung unter Jungunternehmen sind für 90 Prozent fachliches Wissen und gründliche Marktkenntnisse zentral ausschlaggebend für den unternehmerischen Erfolg. „Damit ist es aber nicht getan“, weiß Kailer. Neben Kompetenzen wie Belastbarkeit, Kommunikationsfähigkeit, Selbstmanagement oder Glaubwürdigkeit sei besonders einschlägige Praxiserfahrung essentiell. „Fachkenntnisse eignet man sich im Unterricht in der Schule, im Studium oder durch Weiterbildung an, besonders wertvolle Erfahrungen sind gezielt ausgewählte Praktika in Unternehmen“, sagt Kailer. Auch andere Fähigkeiten lassen sich schon während des Studiums weiterentwickeln. „Ich kann Studierenden nur raten, auch in studentischen Organisationen Projekt- und Führungserfahrung zu sammeln“, sagt Kailer.

Großes Potential bei Patenten

Auch für Lukas ist es besonders wichtig, dass Gründungskompetenz bereits früh im Studium, und nicht erst in der Schlussphase vermittelt wird. „Ganz wesentlich ist es, mit Unternehmen in Kontakt zu kommen, zu erleben, was Gründergeist bedeutet und von Vorbildern zu lernen.“ Der Rektor kann sich gut vorstellen, dass etwa zukünftige Lehrveranstaltungen des Chemiestudiums in der Borealis stattfinden, oder die Mechatroniker ab und zu in der Voestalpine unterrichtet werden. Erste Praxiserfahrungen bekommen die Studenten auch in Vorlesungen vermittelt, in denen erfolgreiche Unternehmer und Gründungsexperten ihre Geschichte erzählen. So referierte etwa kürzlich Watchadoo-Gründer Ali Mahlodji vor 130 Studenten über seinen Werdegang. „Besonders wichtig sind auch unsere Informations- und Vernetzungsangebote außerhalb der Lehrpläne, diese Aktivitäten werden im IUG-Start-up-Center gebündelt“, sagt Kailer. Im hochschulübergreifenden JKU-Gründercafe werden Studierende mit Gründungsexperten vernetzt. 2016 sollen sie zudem in einem neuen Pilotprojekt in die Arbeitswelt eines jungen Start-ups eintauchen können – und damit auch gleich Absolventen bei der Gründung ihres eigenen Start-ups unterstützen. „In diesem Start-up-Praktikum der Kepler Society in Kooperation mit dem Start-up-Center werden beide Seiten in einem zweimonatigen Unternehmenspraktikum zusammengeführt“, sagt Kailer.

Großes Potential gibt es auch noch bei den zahlreichen Patenten, die jedes Jahr an der JKU angemeldet werden. „Meist werden die Technologien dann aber nicht in Form von Produkten bis zur Marktreife entwickelt. Im Seminar „Patentes Business Planning“ werden bestehende Patente der JKU auf ihre Markttragfähigkeit untersucht. Im „Innovation Lab“ bearbeiten unsere Studierenden konkrete Problemstellungen von Start-ups und entwickeln dafür Konzepte und Strategien“, sagt Kailer. Dies bringe nicht nur für die Studierenden, sondern auch für potentielle Jungunternehmer Vorteile.

"In unseren Lehrveranstaltungen bearbeiten Studierende in Gruppen konkrete Problemstellungen von Start-ups und entwicken Businesspläne für Patente an der JKU."

Norbert KailerVorstand, Institut für Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung Vorstandsmitglied, Akostart OÖ

Neben der Aus- und Weiterbildung und den Awareness-Maßnahmen ist das Institut für Unternehmensgründung auch operativ im Bereich Gründungsunterstützung aktiv. Gemeinsam mit Vertretern der Fachhochschule OÖ und Kunstuniversität Linz wurde mit Akostart OÖ einen Prä-Inkubator auf die Beine gestellt, der Studierenden in der frühen Gründungsplanungsphase ein optimales Umfeld bietet. „In einer Forschungsarbeit wurde 2011 diese Lücke identifiziert. Wir haben deshalb gemeinsam mit Gerold Weisz von der FH OÖ das Konzept für einen Prä-Inkubator für Oberösterreich erarbeitet und mit breiter Unterstützung umgesetzt. Diese „Vorstufe“ für weiterführende Förderprogramme, wie zum Beispiel Tech2b, hat sich bereits bewährt und wird von den Studierenden sehr gut angenommen“, sagt Kailer.

AKOSTART OÖ

Was ist die Aufgabe von Akostart OÖ?

Das Ziel ist, das Innovationspotential der Hochschulen in Form von Gründungen am Standort zu nutzen. Die Johannes Kepler Universität, Fachhochschule OÖ und Kunstuniversität Linz bündeln hier die Kräfte um Start-ups bestmöglich zu unterstützen. Organisiert sind wir als Verein.

Seit 2012 ist Akostart aktiv, gibt es eine erste Bilanz, die gezogen werden kann?

Wir haben den Verein auf gesunde Beine gestellt und zahlreiche Initiativen gestartet. Unter anderem betreiben wir einen Co-Working-Space, wo Studierende ein Jahr lang kostenlos an ihren Projekten arbeiten können und begleitet werden. Bisher wurden rund 60 Projekte begleitet. Bei einer Studie von Prof. Schneider wurde kürzlich errechnet, dass der volkswirtschaftliche Nutzen von Akostart beträchtlich ist. Auch der Bundesrechnungshof ist nach intensiver Prüfung zum Schluß gekommen, dass Akostart eine wichtige Lücke geschlossen hat und stellt dem Verein ein hervorragendes Zeugnis aus.

Wie soll es weiter gehen?

Wir sind mit allen Institutionen und Personen in der Szene gut vernetzt und arbeiten zielorientiert mit schlanker Organisation zusammen. Vor allem das Dreier-Gespann WKO Gründerservice, Tech2b und Akostart funktioniert sehr gut - diese eng kooperierende Innovationchain ist österreichweit einzigartig und ein großer Vorteil für oberösterreichische Start-ups. Wir müssen akostart jetzt auf die nächste Stufe heben, weiter professionalisieren, die Brücken in Richtung Investoren und Beteiligungskapital ausbauen, und dafür sorgen, dass die Karriereoption Unternehmensgründung bei den hervorragenden Studenten und Absolventen der Hochschulen noch präsenter wird.

"Die starke Vernetzung ist eine Besonderheit der OÖ Start-up-Szene, die die angehenden Unternehmer zu schätzen wissen."

Christine BlankaVorstandsmitglied, Akostart OÖ Leiterin IUG Start-up-Center an der JKU

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