Willkommen in der Schule von morgen

Wilfried Eichlseder, Direktor der Montanuniversität in Leoben, hat sich mit seinem Team für das kommende Studienjahr für alle Studienbereiche große Änderungen vorgenommen.

Wann ist Ihrer Meinung nach „normales Studieren“ wieder möglich? Oder wird sich der Ablauf an der Uni dauerhaft ändern?

Wilfried EichlsederNatürlich wünschen wir uns alle den Normalbetrieb zurück. Über den Zeitpunkt wird wohl der Verlauf der Pandemie entscheiden. Ich glaube nicht, dass sich das Leben an den Unis langfristig komplett ändern wird, da ich beobachte, dass sowohl Studierende als auch Mitarbeiter:innen vom Homeoffice/-Learning gesättigt sind und sich ein Leben am Campus zurücksehnen.

Wie sehr haben sich die Lehrpläne und Lerninhalte an der Uni durch die Digitalisierung verändert?

Wilfried EichlsederAus Sicht der Montanuniversität ergeben sich zur Digitalisierung drei Aktionspunkte: Werkstoffe der Elektronik; digitale Transformation der montanistischen Fachbereiche, von der Rohstoffgewinnung bis hin zum Recycling; und die Unterstützung der Lehre durch digitale Medien. Für das kommende Studienjahr haben wir uns für alle Studienbereiche große Änderungen vorgenommen, die das Studieren revolutionieren werden. Die drei angeführten Aktionspunkte sind dabei vollständig implementiert.

Wie lassen sich die Veränderungen, die sich durch die fortschreitende Digitalisierung ergeben, am besten in den Uniablauf integrieren?

Wilfried EichlsederVon den Lehrinhalten her sind es die Forschungsergebnisse, die an einer Universität auf kurzem Wege eingebracht werden können. Bei den Methoden des E-Learnings kooperieren wir sehr intensiv innerhalb der Steirischen Hochschulkonferenz – das ist der Verbund der steirischen Universitäten und Hochschulen –, um alle neuen Entwicklungen und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten für die Studierenden rasch nutzbar zu machen.

Wir haben uns große Änderungen vorgenommen, die das Studieren revolutionieren werden.

Wilfried Eichlseder Rektor Montanuniversität Leoben

Für Wolfgang Zechmeister, Direktor des Akademischen Gymnasiums Spittelwiese in Linz, hat sich gerade in der Krisenzeit gezeigt, dass Lehrer:innen längst nicht mehr nur Wissensvermittler:innen sind, sondern auch die Rolle als Vertrauensperson innehaben. Besonders stolz ist er darauf, dass an seiner Schule im kommenden Schuljahr das Fach „Digitale Grundbildung“ startet.

Werden auch künftig Unterrichtseinheiten online abgehalten?

Wolfgang ZechmeisterJa, aber hoffentlich nicht bedingt durch Corona oder ein ähnliches Gefährdungspotential. Das E-Learning wird sicherlich noch viel mehr Einzug halten. Digitale Endgeräte wie Laptops wurden in diesem Schuljahr an alle unsere Erstklässler:innen vergeben. Wir erarbeiten digitale Grundkompetenzen und nutzen die Geräte für die Unterrichtsgestaltung. Ab dem kommenden Jahr ist Digitale Grundbildung (Anm: Digitale Schule) für die fünfte bis siebte Schulstufe im Stundenplan fix verankert.

Welche Vorteile hat der Präsenzunterricht gegenüber dem Distance-Learning?

Wolfgang ZechmeisterEinen Vorteil sehe ich darin, dass ich Reaktionen der Schüler:innen unmittelbar erkenne und reagieren kann. Noch wichtiger erscheint mir aber die Förderung der sozialen Kompetenz an unserem Schulstandort. Gruppendynamische und soziale Entwicklungen sind im realen Beisammensein besser förderbar. Schule ist über das Lernen hinaus wichtig. Viele Freundschaften entstehen in der Schule.

Können Sie uns die größten Herausforderungen im Bildungsbereich nennen?

Wolfgang ZechmeisterFür die Erwachsenen von morgen wird es eine Vielzahl an Berufen geben, die wir heute noch gar nicht kennen. Ein Ziel muss es sein, unsere Kinder und Jugendlichen gut auf die Flexibilität im Berufsalltag vorzubereiten. Auch das Thema Nachhaltigkeit wird uns immer mehr begleiten. Sowohl in der Schule als auch innerhalb der Familie müssen wir Nachhaltigkeit immer mehr hervorheben.

Ab dem kommenden Jahr ist Digitale Grundbildung im Stundenplan fix verankert.

Wolfgang Zechmeister Direktor, Akademisches Gymnasium Linz

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