Die Wand als interaktive Arbeitsfläche

Immer öfter wird in Schulen statt der klassischen Tafel ein interaktives Whiteboard als Arbeitsfläche verwendet, auch in Konferenzräumen von Firmen hält die Technologie Einzug. Die JKU-Dissertanten Jakob Leitner und Thomas Seifried entwickeln in Hagenberg eine Software, mit der Whiteboards den endgültigen Durchbruch schaffen sollen.

Bei kreativen Meetings stehen Unternehmen vor einem Dilemma. Wie die Ideen festhalten? Schreibt jeder auf seinem Laptop mit, kommt es zu keinem Austausch der Gedanken mehr. Selbst die motiviertesten Mitarbeiter driften ab und beantworten irgendwann E-Mails, anstatt sich über neue Strategien oder Slogans den Kopf zu zerbrechen. Die Folge: Notebooks sind in vielen Sitzungen tabu, die Ergebnisse des Brainstormings werden auf Papiertafeln festgehalten. Aber auch diese Methode hat ihre Nachteile: Die Ergebnisse können dann nur mühsam digitalisiert und verschickt werden. Und das in einer Zeit, in der es kaum noch Generalisten gibt und die komplizierten Probleme in Firmen vorwiegend gemeinsam besprochen werden.

Selbe Strategie wie Apple

Die Lösung sind digitale Whiteboards. Mittels Stift wird auf eine unscheinbare Oberfläche geschrieben, auf die herkömmliche Beamer projizieren. Die Texte und Skizzen können dann am Computer gespeichert werden. Einziges Problem bisher: Die aktuellen Versionen sind noch nicht ausgereift und weisen viele Schwachstellen auf. "Die klassischen Whiteboards bringen im Prinzip Windows an die Wand. Nur ist Windows nicht dazu gemacht, auf so einer großen Fläche bedient zu werden", sagt Thomas Seifried. „Wir vergleichen das mit der Art und Weise, wie Apple den Markt von Smartphones verändert hat. Schon Jahre vor dem iPhone hat es Touch-Handys von Microsoft gegeben. Die haben aber den Durchbruch nicht geschafft, weil sie das System vom normalen Desktop genommen haben und genau so auf dem kleinen Handy-Bildschirm übertragen wollten“, erklärt Seifried. Bei den Whiteboards ist es ähnlich: am Rechner reicht eine kleine Bewegung mit der Maus, um den Zeiger von der einen Seite des Bildschirms zur anderen zu bewegen. Auf der viel größeren Fläche können das schon vier Meter sein. " Dadurch könnte man sich einen Fitnessraum ersparen", sagt Leitner und lacht.

Die beiden entwickeln aber keinen Fitnessraum, sondern eine Software für digitale Tafeln, mit der die Bedienung bequem und massentauglich werden soll. Die Unterschiede zu den herkömmlichen Betriebssystemen: Nicht der Benutzer geht zum Menü, das Menü kommen direkt zum User. "Uns ist wichtig, dass man nach fünf Minuten gut mit dem Interface umgehen kann", sagt Jakob Leitner. Weil Whiteboards in den Firmen bei unregelmäßigen Sitzungen verwendet werden, müssen die Mitarbeiter auch ohne viel Erfahrung mit dem Programm umgehen können.

In fünf Minuten das Programm beherrschen? Ohne jegliche Vorkenntnisse betreten wir das Labor im Firmengebäude von AMS Engineering in Hagenberg, wo die beiden Studenten entwickeln und testen. Und tatsächlich: schon kurz später zeichnen wir mit einem digitalen Stift – dem Anoto Pen – problemlos Kreise und Diagramme auf eine dünne Folie. Über das Menü werden Farben und Liniendicke verändert. Die Ergebnisse werden auf Wunsch als PDF am Computer gespeichert. Bis zu sieben Menschen können gleichzeitig auf dem Whiteboard arbeiten.

Deutscher Autohersteller testet Prototypen

Und so funktioniert das: der Stift liest das Punktemuster der Folie aus, decodiert es und schickt es per Bluetooth an den verbundenen PC. Beamer projizieren die Arbeitsfläche auf die wenige Millimeter dünne Oberfläche. Die Technik dafür gibt es eigentlich schon länger. Erstmals erlaubt es die technologische Entwicklung den beiden jetzt aber, das alles zu kombinieren. Druckt man das Punktemuster auf ein Papier, kann sogar darauf geschrieben werden. Die Daten werden dann vom Computer erkannt und falls gewünscht, auf das Whiteboard übertragen. Ein klarer Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Denn so können sich auch Menschen an den Sitzungen beteiligen, die mit neuer Technik normalerweise nur ungern umgehen. „Mit einem Stift auf Papier schreiben, damit ist fast jeder vertraut“, sagt Seifried. Diese Möglichkeit schätzt auch ein deutscher Automobilhersteller sehr, der Prototyp-Systeme der beiden Entwickler testet. Dort stehen viele ältere Ingenieure kurz vor der Pension, die ihr Wissen weitergeben müssen. Dabei kommt es zu einem Generationenkonflikt: Die Jungen arbeiten fast nur mehr digital, viele ältere Mitarbeiter vorwiegend am Papier. „Durch unsere Möglichkeiten kann man auch diese abholen und mit dem Programm vertraut machen“, sagt Seifried.

Eigentlich sind die beiden Hagenberger Studenten Software-Entwickler. Weil es in dem Bereich aber noch keine passende Hardware gab, mussten sie sich auch dort eine Kompetenz aufbauen. „Besonders wichtig ist, dass das Punktemuster präzise auf die Folie gedruckt wird, sonst erkennt der Stift den Code nicht“, sagt Leitner. Bis sie mit dem Ergebnis zufrieden waren, experimentierten sie mit verschiedenen Materialien. Bis ins kleinste Detail wurde getestet. „Wir haben auch nicht das erstbeste Laminat genommen, damit der Stift nicht unangenehm klingt – das ganze Paket muss perfekt sein“, sagt Seifried.

Dieses Gesamtpaket soll in Zukunft vor allem den Arbeitsalltag in Firmen erleichtern. Mit dem Büromöbelhersteller Bene testen die beiden das Whiteboard, auf der Möbelmesse Orgatec in Köln präsentierten sie ihre Forschungsergebnisse. Und es gibt noch weitere Entwicklungsmöglichkeiten für die Arbeitsfläche. „Theoretisch wäre es denkbar, dass der Stift die Informationen auf jedem beliebigen Whiteboard von uns wiedergeben kann“, sagt Leitner. Geschäftsleute könnten ihre Strategien dann mit dem Anoto-Pen auch direkt in den Konferenzräumen anderer Firmen präsentieren. Wann die Forschungsarbeiten am interaktiven Whiteboard abgeschlossen sind, wollten wir von Leitner wissen. Der lacht und antwortet in Sekundenschnelle: „Nie. Wir wollen unser Produkt immer weiter verbessern“.


Technische Daten zum Whiteboard

INTERAKTIVE OBERFLÄCHE

MATERIAL_ Anoto-folie

OBERFLÄCHE_ matt, laminiert

INSTALLATION_ magnetisch oder verklebt

GRÖSSE (BXH)_ max. 30 m x 1,2 m

EINGABEGERÄTE

STIFT_ Anoto Digital Pen

VERBINDUNG_ Bluetooth Pen

AUFLÖSUNG_ 680 DPI

HARDWARE

PROJEKTOREN_ handelsüblich

COMPUTER_ MS Windows PC

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