Von einer Hand zur nächsten

Familienunternehmen – das heißt für die Familie Holter nicht nur, dass sie die Eigentümer ihres Unternehmens Holter Sanitär- und Heizungsgroßhandel sind. Die Geschäftsführer Jasmin Holter-Hofer und Michael Holter begreifen die Bezeichnung als eine Philosophie.

„Wir haben es immer geschafft, uns die Wettbewerbsvorteile, die wir als Familienunternehmen haben, zu bewahren“, sagt Michael Holter. Er und seine Cousine Jasmin Holter-Hofer leiten seit 2007 den Sanitär- und Heizungsgroßhändler Holter mit Sitz in Wels. Das Unternehmen zeichnet sich durch starke Traditionen und familiäre Strukturen aus. „Familienunternehmen bedeutet für uns nicht nur ‚von der Familie geführt‘. Wir legen Wert auf respektvollen Umgang auf Augenhöhe, über alle Hierarchieebenen hinweg“, sagt Jasmin Holter-Hofer.

Vor 147 Jahren wurde die Firma Holter als Eisenwarenhandlung in Wels gegründet. Das Unternehmen hat eine lange Geschichte als Innovationstreiber: Ab 1950 stellte Holter etwa als erster Sanitärgroßhändler seine Waren mit eigenen LKW zu. Mit einer eigenen Produktlinie, den „Mein Holter“ Bad Kollektionen, möchten auch die Geschäftsführer der fünften Generation Maßstäbe in der Branche setzen, so Michael Holter. „Trendsetter sein reicht nicht. Ein Bad ist eine Investition für viele Jahre, also müssen die Produkte zeitlos und qualitativ hochwertig sein.“ Dazu kämen mittlerweile immer größere Ansprüche in Sachen Ökologie. „Wir müssen Chancen nutzen, um zu einem nachhaltigeren Wirtschaften zu kommen. Davor können wir die Augen nicht verschließen.“

Auch bei der Digitalisierung setzte Holter früh an: In den 90er Jahren zählte das Unternehmen mit seinem Online-Bestellportal zu Österreichs Vorreitern im Online-Marketing. „Diesen Vorsprung haben wir bis heute gehalten, Digitalisierung zur Effizienzsteigerung zeichnet uns stark aus“, sagt Michael Holter. Das sei dem Unternehmen auch in der Pandemie zu Gute gekommen: „Wir haben im ersten Lockdown den gesamten Vertrieb innerhalb eines Tages mit digitalen Tools ins Homeoffice verlagert. Alle haben mit angepackt, da war ich schon ein bisschen stolz.“

„In dieser Zeit haben wir von unserer Firmenstruktur profitiert“, sagt Jasmin Holter-Hofer. „Wir haben flache Hierarchien und stimmen uns gut ab. Deshalb konnten wir sehr spontan auf die Situation reagieren, die sich ständig verändert hat.“ Hinzu komme, dass Holter in einer krisenresistenten Branche agiert. „Blickt man auf die letzten 150 Jahre zurück, dann habe das Unternehmen und der ganze Wirtschaftssektor schwierige Phasen immer gut überstanden.“

Wachstum aus Verpflichtung

„Das vergangene Jahr hat uns alle herausgefordert, aber meine Aufgaben ändern sich ohnehin jedes Jahr. Das hat mich überrascht, als wir die Geschäftsführung übernommen haben“, erzählt Michael Holter. „Wahrscheinlich liegt das auch daran, wie wir uns entwickelt haben.“ Zum Zeitpunkt der Übernahme arbeiteten 450 Mitarbeiter im Unternehmen, heute sind es über 800. Der Jahresumsatz stieg von 70 Millionen auf 274 Millionen Euro an.

„Wir sind zum Wachstum verpflichtet, wenn wir unseren Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz bieten wollen, weil gewisse Kosten von Haus aus jährlich steigen“, sagt Jasmin Holter-Hofer. „Letztlich geht es uns darum, bestehende Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen. Wachstum ist kein Selbstzweck.“

Seit 2019 konzentriert sich Holter verstärkt auf Expansion im süddeutschen Raum. Die erste Holter Bad-Ausstellung in Deutschland eröffnete 2019 in Obertraubling, die zweite 2020 in Passau. Mit der Übernahme eines Unternehmens und seinen 60 Mitarbeitern kamen Anfang des Jahres zwei weitere Standorte in Amberg und Hersbruck hinzu. „Wir verfügen über ein ausgezeichnetes Zentrallagersystem – innerhalb von 300 Kilometern können wir extrem raschen und guten Service bieten. Da das Zentrallager in Wels liegt, war ein Vorstoß nach Bayern naheliegend“, sagt Michael Holter.

Bestehende Stärken pflegen

Ein weiterer Faktor sei die kulturelle und sprachliche Nähe von Bayern zu Österreich. „Hätten wir außerhalb des deutschsprachigen Raumes expandiert, hätte das sicher die Atmosphäre verändert –

zum Beispiel, weil Meetings plötzlich auf Englisch abgehalten werden. Da rückt das Konzept Familienunternehmen gedanklich schon in weite Ferne.“ Es sei wichtig für das Unternehmen, dass Wachstum nicht auf Kosten etablierter Strukturen gehe. „Unsere besondere Firmenkultur ist Basis für unseren Erfolg, deswegen müssen wir sie uns bewahren.“

Neue Ideen werden aber stets offen diskutiert: „Als Geschäftsführer setzen wir uns permanent mit der Weiterentwicklung des Unternehmens auseinander. Bei allen Entscheidungen legen wir Wert auf Achtsamkeit und behalten im Blick, ob sie auch in Zukunft Bestand haben. Es kommen aber aus allen Unternehmensbereichen immer wieder Vorschläge, die wir implementieren können und die dem Unternehmen helfen, zu wachsen“, sagt Jasmin Holter-Hofer. „Wir versuchen, uns intensiv mit unseren Mitarbeitern auszutauschen und sie informiert zu halten. Das schafft langfristig auch Vertrauen.“

„In Wirklichkeit ist das unser Kapital: unser Personal und das gute Verhältnis, das wir aktiv pflegen“, sagt Michael Holter. „Auf dem Markt kann man sich nur mit den besten Mitarbeitern unterscheiden, die die besten Ideen haben.“ Um diese Mitarbeiter anzuziehen und zu halten, bietet Holter ihnen zahlreiche Leistungen, etwa ein hauseigenes Weiterbildungsangebot und flexible Beschäftigungsmodelle.

Kurz durchatmen!

In vierzehn Jahren in der Geschäftsführung reift auch der persönliche Führungsstil. Den Austausch generell und insbesondere mit ihren Kollegen erachtet Jasmin Holter-Hofer als Instrument für die Entscheidungsfindung. „Ich versuche, möglichst viele Meinungen einzuholen. Wenn man dann zurücktritt und die vielen Einzelperspektiven zusammenführt, bekommt man einen genauen Eindruck vom großen Ganzen. Dieser Eindruck ist oft die beste Entscheidungsgrundlage.“

Das wichtigste Learning der letzten vierzehn Jahre sei aber, dass es sich manchmal lohnt, innezuhalten: „Man hört es zwar oft, aber es tut gut, eine Nacht über gewisse Entscheidungen zu schlafen.“ Oft seien im ersten Moment zu viele Emotionen im Spiel oder Details würden fehlen. „Manchmal wird man plötzlich mit Herausforderungen konfrontiert, die unlösbar erscheinen. Da hilft Distanz.“

Mit ihrer Grundhaltung – mutig, verantwortungsbewusst und gewissenhaft – wollen die beiden Geschäftsführer ihr Unternehmen auch in Zukunft führen. „In den nächsten Jahren werden Digitalisierung und Klimawende sicher bestimmende Themen, unser grundlegendes Geschäftsmodell bleibt aber zukunftsfähig“, sagt Michael Holter. „Wir machen das, was wir bisher gemacht haben: unsere Stärken pflegen, offen für Neuerungen bleiben und gut zusammenarbeiten.“_

Wir legen Wert auf respektvollen Umgang auf Augenhöhe, über alle Hierarchieebenen hinweg.

Jasmin Holter-Hofer Geschäftsführerin, Holter Sanitär- und Heizungsgroßhandel

Unsere besondere Firmenkultur ist Basis für unseren Erfolg, deswegen müssen wir sie uns bewahren.

Michael Holter Geschäftsführer, Holter Sanitär- und Heizungs- großhandel

Und wie war das damals?

Die Zeit der Übergabe ist oft eine herausfordernde Phase für Familienunternehmen. „Wir haben zwei Jahre davor begonnen, zu planen“, sagt Jasmin Holter-Hofer. Für den tatsächlichen Wechsel wurde ein Stichtag angesetzt. „Nach diesem Tag haben sich unsere Väter vollkommen aus der Unternehmensführung zurückgezogen. Sie haben uns sehr wohl Kritik mitgeteilt, aber immer hinter verschlossener Tür.“ Das sei wichtig, um das Betriebsklima zu wahren. „Unsere Mitarbeiter müssen sich auf Entscheidungen aus der Geschäftsführung verlassen können. Das hätte nicht geklappt, wenn wir ständig untergraben worden wären.“

Doch wie so oft im Leben gibt es auch auf einen Generationenwechsel immer zwei Perspektiven. „Das Klischee ist ja, dass der Seniorchef nicht loslassen kann. Der Nachfolger muss aber auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Michael Holter. „Mir war es sehr wichtig, dass die Zuständigkeiten klar verteilt waren, als mein Vater und mein Onkel noch im Betrieb waren. Ich war damals noch nicht ‚Chef‘ und wollte auch nicht so wahrgenommen werden. Einerseits war ich noch nicht bereit, andererseits hätte das unsere Arbeit erschwert.“

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