Scheitern als Teil der Strategie

„Selten funktionieren Ideen auf
Anhieb. Man muss aus jedem Scheitern das Positive ziehen.“

Christian Söser Regionalmanager Raum- und Regionsentwicklung, RMOÖ

Herr Söser, die Coronakrise hat spürbar gemacht, wie wichtig ein gewisser Grad an regionaler Unabhängigkeit ist. Gleichzeitig nimmt aber auch der Onlinehandel weiterhin stark zu. Welche Auswirkungen hat das auf die oberösterreichische Raum- und Regionsentwicklung?

SöserInternationale Konzerne wie Amazon erhalten ihren großen Zuspruch, weil sie ihr Angebot technisch sehr gut bereitstellen und dem Nutzer einen hohen Servicegrad bieten. Der ländliche Bereich ist gefordert, dieses Know-how auch aufzubauen. Dabei geht es neben dem technischen Aspekt auch um die Abwicklung der Bestellungen. Denn auch das erfordert Kapazitäten, die einzelne regionale Anbieter meist nicht haben. Daher sehe ich vor allem zwei Möglichkeiten, um auch in der digitalen Welt einen Ankerpunkt zu finden: Entweder man besetzt eine Nische oder man schafft Synergien, sprich man entwickelt attraktive Plattformen, die verschiedene Onlineangebote bündeln und serviceorientiert zur Verfügung stellen. Wie die Gemeinden müssen auch regionale Unternehmen große organisatorische Themen gemeinschaftlich angehen. Diese Plattformen sind essenziell für den regionalen Handel. Es gibt eine große Zielgruppe, die mit den Arbeitsbedingungen und ethischen Grundsätzen diverser Onlineriesen nicht einverstanden ist und bevorzugt regionale Anbieter unterstützen würde wollen. Dazu muss man diese Anbieter aber auch online sichtbar und einfach zugänglich machen.

Frau Moser, Ihr Spezialgebiet ist Nachhaltigkeit und Umwelt. Aktuell sehen wir, wie sehr sich die Natur erholt, wenn wir ihr mehr Raum geben. Welche Maßnahmen lassen sich daraus für die Zukunft ableiten?

MoserIch hake da ein, wovon ich vorher gesprochen habe – bei der Digitalisierung im ländlichen Raum. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass man nicht für jede Besprechung persönlich vor Ort sein muss. Im ländlichen Raum gibt es vor allem beim Pendeln Einsparungspotential. Konkret arbeiten wir gerade an Konzepten, um Gemeinden dabei zu unterstützen, Arbeitsstrukturen in den Regionen aufzubauen, die eine Dezentralisierung der Arbeit unterstützen. Viele haben zuhause nicht die Möglichkeit, in Ruhe zu arbeiten, und hier bieten Infrastrukturen wie Co-Working-Spaces interessante Möglichkeiten, um das Pendeln zu reduzieren. Beispielsweise kann man einen Gemeinderatssaal, der den Großteil des Jahres leer steht, auch als Arbeitsplatz für Unternehmen nutzen, wenn er mit der entsprechenden technischen Infrastruktur ausgestattet ist. Hier gibt es ganz viele Möglichkeiten.

Welche Rolle spielt Talent in Ihrem Beruf?

MoserMan braucht ganz viel kreative Lösungskompetenz, weil man sich immer sicher sein kann, dass irgendwas nicht so sein wird, wie man es geplant hat. Also diese Elastizität, mit Unerwartetem umzugehen und es für sich als Chance zu interpretieren, ist schon ein gewisses Talent.

SöserEs braucht jedenfalls eine stark ausgeprägte emotionale und soziale Intelligenz, die man nur sehr bedingt erlernen kann. Der Rest ist viel Fleiß – und eine hohe Frustrationstoleranz. Selten funktionieren Ideen auf Anhieb. Man muss aus jedem Scheitern das Positive ziehen und darauf aufbauend neue Lösungswege entwickeln. Oft ist die Erkenntnis, dass etwas nicht funktioniert, schon sehr viel wert.

Welchen Karrieretipp haben Sie für Nachwuchs-Regionalmanager?

SöserDranbleiben und den Mut nicht verlieren! Unsere Projekte haben in der Regel eine Entwicklungszeit von mehreren Jahren. In den ersten drei Jahren ist es ganz schwierig, konkrete Ergebnisse zu liefern. Da muss man noch ein bisschen geduldig sein und lernen, auch kleine Erfolge zu sehen.

MoserAbsolut! Und ich glaube, man braucht auch das Bewusstsein, dass man nur ein kleines Element in diesem großen Uhrwerk ist, das nicht alles beeinflussen kann. Viele beginnen diesen Job mit einer gewissen Naivität, die am Anfang auch sicher gar nicht schlecht ist. Aber man merkt eben schnell, dass einiges zusammenspielen muss, um seine Visionen Realität werden zu lassen. Und da braucht es in den ersten Jahren etwas Geduld.

#Wordrap

Stefanie Moser

Regionalmanagerin Nachhaltigkeit und Umwelt, RMOÖ

Regionalmanagerin seit_ 2016.

Talent oder Fleiß – ich entscheide mich für_ Talent. (Aber nur, weil ich nicht diplomatisch antworten durfte!)

Der beste berufliche Rat, den ich erhalten habe_ Kopf hoch, Baby!

Wäre ich nicht Regionalmanagerin, wäre ich_ ganz im Sinne von „New Work“ in einem handwerklichen, landwirtschaftlichen Kreativberuf tätig. Vermutlich als Floristin mit Kommunikationsaffinität in einer co-kreativen Werkstatt mit anderen spannenden Leuten.

Christian Söser

Regionalmanager Raum- und Regionsentwicklung, RMOÖ

Regionalmanager seit_ 2010.

Talent oder Fleiß – ich entscheide mich für_ Talent. Fleiß alleine reicht nicht aus.

Der beste berufliche Rat, den ich erhalten habe_ Du übertriffst schon bei weitem die Erwartungen, nur Geduld.

Wäre ich nicht Regionalmanager, wäre ich _Social Entrepreneur im Bereich Talente- und Führungskräfteentwicklung.

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