Kräftiger Schub für „Europäisches News-Ecosystem“

Das Ziel des Start-ups Newsadoo: die europäische Alternative zu Google News zu sein. Einen großen Schritt näher zu diesem Ziel kommt man nun mit dem Finanzinvestment von Raiffeisen Innovation Invest, einer Gesellschaft der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Was das Investment für die Zukunft des jungen Linzer Unternehmens bedeutet und warum die Bank in ein Nicht-FinTech investiert hat, erzählen Generaldirektor Heinrich Schaller und NewsadooGründer David Böhm im gemeinsamen Gespräch.

„Man kann an Wachstum glauben oder nicht – bei diesem Unternehmen glauben wir daran“, fasst Heinrich Schaller, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ), kurz und bündig die Gründe zusammen, warum Raiffeisen in das Linzer Medien-Start-up investiert hat. Die Bank sicherte sich im ersten Schritt 8,33 Prozent der Anteile. Die genaue Summe des Invests wird nicht verraten, nur so viel: Die Beteiligungsholding Raiffeisen Innovation Invest beteiligte sich mit insgesamt zwei Millionen Euro an Newsadoo und an dem weiteren Linzer Start-up 7lytix. Dem Vernehmen nach bekam jedes Unternehmen rund die Hälfte des Gesamtvolumens.

Starkes Signal an die Verlage

Newsadoo will ein „europäisches NewsEcoystem“ schaffen und Verlagen eine Plattform bieten, mit der sie gemeinsam Facebook und Google in Europa etwas entgegensetzen und digital unabhängig werden können. 300 Medien aus dem vorrangig deutsch- und englischsprachigen europäischen Raum sind als Contentpartner bereits mit an Bord. Die Technologie des Start-ups filtert mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz die Medieninhalte nach den Interessen des Lesers. Dazu Schaller: „Wir leben in einer Informationsgesellschaft und da ist es extrem wichtig, Informationen gut aufbereitet, personalisiert und nach den eigenen Interessen geordnet geliefert zu bekommen – Newsadoo hat hier eine gewaltige Zukunft.“

Mit dem Investment setze man nun den Fokus auf die Usergenerierung, so Gründer David Böhm: „Im nächsten halben Jahr werden wir in den deutsch- und englischsprachigen europäischen Märkten die Traction nachweisen, die wir für den nächsten Schritt benötigen.“ Das Produkt sei stabil, voll skalierbar und technologisch sei man in der Medienbranche europaweit führend: „Wir extrahieren aus den Artikeln mit Künstlicher Intelligenz sämtliche Informationen heraus und packen diese in einen mathematischen Vektor, der einen Artikel bis ins kleinste Detail beschreibt. So können wir Artikel vergleichen und dann auch im System basierend auf genauen Daten sowohl Newscontent als auch Werbung matchen. Auf den internationalen Konferenzen wird uns immer wieder bestätigt, dass wir damit in Europa auf diesem Niveau die Einzigen sind.“

Böhm hatte im vergangenen Jahr mit vielen internationalen Venture-CapitalGesellschaften Termine: „Der Medienmarkt ist sehr speziell, viele haben vor dieser Branche Respekt. Auf der anderen Seite ist hier sehr, sehr viel Geld drin.“ Es gebe einige große Verlage, die sehr aktiv im Investmentbereich tätig seien, meist würden aber sogar diese in branchenfremde oder nur branchenverwandte Projekte investieren. Dazu Böhm: „Wir suchen zwar den Kontakt zu Verlagen, die in Start-up-Projekte investieren, aber in dieser Phase wollten wir auf jeden Fall einen völlig branchenfremden, reinen Finanzinvestor. Dieser soll nach außen das Signal geben, dass wir nicht an einen einzelnen Großverlag angebunden sind und für Stabilität, Sicherheit und auch Kapitalstärke steht.“ Mit der Raiffeisenlandesbank OÖ habe man diesen Partner gefunden. Schaller ergänzt zum Thema Start-up-Finanzierung: „Start-ups brauchen Luft und nicht immer die Sorge, die Finanzierung regelmäßig zurückführen zu müssen. Fremdkapital ist im Startup-Bereich daher nicht die optimale Finanzierung und deshalb unterstützen wir solche Projekte auch mit Eigenkapital.“

„Europäische Alternative zu Google News“

Bei Tageszeitungen gibt es zwei Erlösströme: Einerseits zahlen die Leser für Abos sowie Einzelverkäufe und andererseits wird Geld über die Werbeindustrie eingenommen. „Beides funktioniert nun in der digitalen Welt nicht mehr“, erklärt Gründer David Böhm die Hintergründe zur Entstehung des Linzer Start-ups Newsadoo. Die Verlage erwirtschaften nur sieben bis acht Prozent ihrer Umsätze aus dem digitalen Bereich, obwohl die Reichweiten sehr hoch und zum Teil sogar höher als im Printbereich sind. „Aber Content lässt sich derzeit nicht digital monetarisieren. Der Markt funktioniert schlichtweg anders “, so Böhm. Entstanden sei die Gratiskultur, weil die Verlage lange darauf eingeschworen wurden, dass man Reichweite, Klicks und Views braucht, und dabei auf die Erstellung eines funktionierenden Systems vergessen haben: „Die Entlohnung waren Klicks von Google und Likes von Facebook.“ Ein Verlag alleine könne diese Probleme nicht lösen. Newsadoo glaubt, eine Lösung für alle gefunden zu haben: Man biete die „europäische Alternative zu Google News“. Bei Newsadoo gehe es um den digitalen, Device-übergreifenden Newskonsum. „Es werden dem User aus den Quellen, die er haben möchte, News geliefert, die ihn entweder interessieren oder für ihn aus anderen Gründen relevant sind. Das System lernt aus dem Verhalten.“ Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz liefere Newsadoo auch eine Antwort auf die Frage, wie Filterblasen vermieden werden können. Neben dem Macher Media House mit den Eigentümern Alexandra Auböck, David Böhm und Susanna Wurm sind CatVentures von CatalystsGründer Christoph Steindl, Pulpmedia und die CEE Beteiligungsgesellschaft von Georg Platzer bereits als Investoren beziehungsweise Mitgründer an Bord. Raiffeisen ist nun der erste reine Finanzinvestor. Insgesamt seien damit bisher mehr als drei Millionen Euro in das 2017 gegründete Start-up geflossen.

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Millioneninvestment in Newsadoo

Mit Catalysts steigt eines der europaweit führenden Software-Unternehmen im Bereich künstliche Intelligenz in das Linzer Start-up ein. Newsadoo revolutioniert den täglichen Newskonsum, und beschreibt sich selbst als „Spotify für News“. Innerhalb des Systems kann Content aus allen vertrauten Quellen konsumiert werden. Mit künstlicher Intelligenz wird gleichartiger Content aus unterschiedlichen Quellen gebündelt, können Channels angelegt werden, und lernt das System aus dem Userverhalten. Mitte September wurde die iOS-App und der Alexa-Skill gelauncht, in der Webversion ist das System bereits seit Juni testbar.

„Spotify für News“ – geht das?

Es ist noch nicht lange her, da wurde Musik noch auf CDs im Fachgeschäft gekauft, und ein Film auf DVD in der Videothek ausgeliehen. Mittlerweile haben Spotify, Netflix und Amazon Prime diese Märkte übernommen. Eine ähnliche Entwicklung steht im Newsbereich an. Der tägliche Newskonsum der Menschen verändert sich und wird zunehmend digital. Ein Problem für die vielen Verlage, die mit Umsatzrückgängen zu kämpfen haben. Und gleichzeitig der Ausgangspunkt für ein neues, innovatives Projekt, das von Linz aus eine europäische Lösung liefert.

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