Die bessere Hälfte - Karin Reiter und Margit Angerlehner

Gleich mal vorweg: Nein, Frauen sind nicht die bessere Hälfte. Sie sind aber auch nicht die schlechtere. Darin sind sich all unsere sieben Interviewpartnerinnen einig. Sieben deshalb, weil ihre unterschiedlichen Geschichten zeigen: Weiblichkeit hat nicht die eine Rolle. Und auch nicht das eine Gesicht. Ob geschminkt oder ungeschminkt, im Rock oder in der Hose, Mutter oder Nichtmutter, stark oder schwach (oder beides), im Chefsessel oder hinterm Herd (oder beides) – Frauen sind auch nur Menschen. Ja, eben. Menschen. Wie Männer. Also warum reden wir eigentlich noch darüber? Reden wir darüber.

„Drei Monate werde ich stillen, dann gebe ich ihr das Flascherl und bin wieder ganz flexibel.“ Das war der Plan. Bevor Viktoria vor gut zweieinhalb Jahren auf die Welt gekommen ist. Aus den drei Monaten Stillzeit sind elf geworden. Karin Reiter erinnert sich an eine Geschäftsführerklausur, bei der ihr Papa mit seiner Enkeltochter zwei Tage lang mit dabei war. „In den Pausen habe ich sie gestillt.“ Für Geplänkel zwischendurch hat sie keine Zeit. „Man ist als berufstätige Mutter immer am Sprung“, sagt sie, findet das aber nicht weiter schlimm. „Eine gewisse Zeit lang nimmt man sich eben ein bisschen zurück, macht nicht jeden Karrieresprung mit, aber nach den ersten Jahren ändert sich das ja wieder.“ Was aber keineswegs immer leicht sei. „Es gibt Nächte, da schläft dein Kind nicht und du musst aber trotzdem am nächsten Tag deine Arbeit machen“, erzählt Reiter. Seit einem halben Jahr besucht Viktoria nun die Krabbelstube. Ohne Familie, die sie bei der Betreuung unterstützt, wenn Reiter arbeitet, geht’s aber nicht. Bei Margit Angerlehner ist die Kleinkindzeit ihrer beiden Söhne schon einige Jahre her. Jetzt sind sie Anfang 20 und längst ausgezogen. 2001 gründete Angerlehner ihre Damen-Maßschneiderei „Mode im Maß der Zeit“ im eigenen Haus – auch deshalb, weil sie zwar für ihre Kinder da sein, aber trotzdem nicht auf ihren Beruf verzichten wollte. Mut habe ihr dazu aber keiner gemacht. „Im Gegenteil, die meisten sagten: ‚Du wirst dich schon noch anschauen, wenn du selbstständig und für alles selbst zuständig bist und dann auch noch Kind und Haushalt zu schupfen hast.‘“ Davon ließ sich Angerlehner nicht beirren. „Ich liebe meinen Beruf und für mich war klar, dass man in einer sich so schnell wandelnden Branche wie der Modebranche dranbleiben muss, sonst bist du weg.“ Einfach war’s nicht immer, erinnert sie sich, die Rahmenbedingungen seien damals noch viel schlechter gewesen. Wohl auch deshalb will sie jetzt als Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft Oberösterreich Rahmenbedingungen wie flexiblere Kinderbetreuungszeiten vorantreiben. Und auch Bewusstsein schaffen. Zum Beispiel dafür, dass „verheiratet sein keine Altersvorsorge ist“. „Ich weiß, das klingt irgendwie böse, aber man denkt in jungen Jahren gar nicht daran, dass man durch einige Jahre Teilzeitarbeit oder Kinderbetreuungszeit kaum etwas für seine Altersvorsorge beigetragen hat.“

Ist es einfacher, Beruf und Familie zu vereinbaren, wenn man selbstständig ist?

AngerlehnerFür mich war’s definitiv einfacher, weil damit eine sehr flexible Zeiteinteilung möglich war. Du arbeitest halt, wenn die Kinder schlafen, im Kindergarten sind oder wenn die Oma mit ihnen zum Spielplatz geht. Ich konnte mir schön langsam mein Geschäft aufbauen und trotzdem die erste Bezugsperson für meine Kinder sein. In einem normalen Arbeitsverhältnis hätte ich mich nicht gleichzeitig um die Firma und meine Kinder kümmern können.

ReiterAktuell sind es 25 Stunden, die ich für meine drei Bereiche JW, Frau in der Wirtschaft und EPU arbeite. Ich muss relativ flexibel sein und das schaffe ich nur, weil mich meine Eltern, meine Schwiegereltern und natürlich mein Mann unterstützen. Und auch, weil mir mein Arbeitgeber immenses Vertrauen entgegenbringt. Ich bin schon lange in der Wirtschaftskammer und daher weiß man da, wie ich arbeite. Ich bin drei Tage im Büro, den Rest mache ich im Homeoffice. Viele wollen die strikte Trennung von Privatem und Beruf, für mich verschwimmen die beiden Bereiche, weil mir die Arbeit auch sehr viel Spaß macht. Man wird natürlich schon sehr effizient, vieles mache ich auch am Weg zwischendurch. Hinzu kommt, dass ich ein super Team habe, auf das ich mich verlassen kann. Und eine Schwiegermama, die immer bereit ist – wenn ich um sechs am Abend zu einem Termin muss, hilft mir keine Kinderbetreuungseinrichtung.

"Für mich verschwimmt Berufliches mit Privatem."

Karin ReiterLandesgeschäftsführerin Junge Wirtschaft, Frau in der Wirtschaft und Wirtschaftskammer OÖ

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