„Airbnb kann keinen vernünftigen Urlaub anbieten“

Viel wurde schon gemunkelt über das nahe Ende der klassischen Reisebranche. Trotz der starken Konkurrenz im Internet freuen sich Reisebüros und -veranstalter genauso wie der Flughafen Linz über steigende Umsätze und Passagierzahlen. Das liegt zum einen an der Sehnsucht nach Sicherheit nach dem Flugchaos im Vorjahr, zum anderen an der Individualisierung des Angebots, berichten drei Branchengrößen im gemeinsamen Interview.

Wohin fahren Herr und Frau Österreicher heuer auf Urlaub?

KönigGroße Überraschungen gibt es nicht. Die Spitzenreiter sind Spanien und Griechenland, nach einigen schwächelnden Jahren haben sich auch die Türkei und Ägypten erholt.

DraskovitsWir konnten gemeinsam mit den Reiseveranstaltern eine Chartermaschine in Linz stationieren mit 29 Ferienabflügen Richtung Mittelmeer. Die ist gut gebucht, weil die Abflugzeiten sehr attraktiv sind: Die Reisenden fliegen am Morgen von Oberösterreich ab, sind um 10 Uhr im Urlaubsgebiet, liegen um 12 Uhr am Strand und fliegen am letzten Urlaubstag erst am Abend wieder retour, das heißt zwei Tage mehr Urlaub. Basierend auf diesen Erfahrungen hätte ich gern, dass wir das Produkt auch 2020 weiter verbessern und über eine zweite Maschine nachdenken.

AfukatudisDa sind wir gerade in der Planung. Gemeinsam mit dem Partnerflughafen Linz und der Reisewelt haben wir noch einiges vor.

Die sicherste Art, Urlaub zu machen, ist eine Pauschalreise.

Ioannis Afukatudis Vorstand, Thomas Cook Austria

Abgesehen von einzelnen Chartermaschinen: Wohin geht die Reise in der heimischen Reisebranche?

DraskovitsIn den letzten Jahren sieht man einen Trend: Die Pauschalreisen sind stark verankert am Markt und werden es auch bleiben. Das liegt zum einen an den Erfahrungen der Kunden mit den diversen Airline-Konkursen und dem damit verbundenen Flugchaos im Vorjahr. Zum anderen sind die Veranstalter bei der Produktdifferenzierung wesentlich besser geworden: Der Kunde kann x-beliebig die Module der Reise zusammenstellen und hat auch bei der Pauschalreise eine extrem hohe Flexibilität.

KönigWenn Sie sich an die 80er und 90er Jahre erinnern, konnte man bei einer Pauschalreise eine oder zwei Wochen von Samstag bis Samstag buchen. Das hat sich völlig gedreht. Heute kann man zehn oder zwölf Tage fliegen, kann sich die Hotels aussuchen und lässt sie im Hintergrund von einem Reiseveranstalter paketieren.

AfukatudisDie sicherste Art, Urlaub zu machen, ist eine Pauschalreise. Wir bringen das Mainstream-Produkt Pauschalreise mit neuen Elementen wesentlich individualisierter auf den Markt: Die Kunden können ihr Zimmer oder ihre Sonnenliege vorab online reservieren, so wie man es von der Sitzplatzreservierung im Flugzeug kennt, und haben die Möglichkeit für ein Late-Check-out bis 20 Uhr. Zudem begeistern wir mit unseren neuen Hotelbrands Cook’s Club und Casa Cook junge Menschen für die Pauschalreise: Das sind Millennials, die sich vom Konzept, dem Essen, der Musik angesprochen fühlen.

Das Thema der Nachhaltigkeit wird in der Flugbranche sehr ernst genommen.

Norbert Draskovits Direktor, Blue Danube Airport Linz

Viele junge Menschen, aber auch Reisende mit speziellen Wünschen buchen gerne im Internet. Wie wollen Sie diese Zielgruppe abholen?

Afukatudis92 Prozent unserer Kunden erkundigen sich vor der Buchung im Internet, verbringen im Schnitt zehn Stunden online, besuchen durchschnittlich dreizehn Seiten und landen dann entweder bei uns oder gehen ins Reisebüro. Thomas Cook sieht das Ganze nicht konträr, sondern komplementär.

KönigWährend sich ein Kunde im Internet lange beschäftigen muss, um die verschiedenen Angebote und Möglichkeiten zu sichten, hat das Reisebüro auf Knopfdruck alle vergleichbaren Preise von billig bis teuer geordnet. Die Reisebüros und die Veranstalter sind technisch hochgerüstet, weil der Aufwand mehr geworden ist.

DraskovitsZum Glück wird es komplizierter für die Reisebüros, aber auch für die Konsumenten. Das Internet ist überladen mit Informationen. Setzt man einen durchschnittlichen Endkonsumenten vor den Computer, um sich eine Reise zusammenzustellen, dann ist das Reisebüro sicher schneller und bringt das bessere Produkt.

KönigInternet klingt geil, aber der wirklich smarte User geht ins Reisebüro und lässt sein Onlineangebot dort checken, und dann möge der Bessere gewinnen. Eine Studie besagt, dass jene Kunden, die sich zuvor im Internet schlau gemacht haben, auch die zufriedensten sind, weil sie zielgerichtet betreut werden können.

Wie stark ist die Konkurrenz durch Plattformen wie Airbnb?

AfukatudisWir haben gewichtige Argumente wie die Sicherheit, den Service, die Erreichbarkeit rund um die Uhr. Die Individualisten werden wir nicht alle überzeugen, schön wär’s. Aber ich habe keine Angst vor dem Wettbewerb mit Airbnb. Sie bieten coole, schöne Wohnungen, aber das Grundbedürfnis des Menschen, mindestens einmal im Jahr vernünftig zu urlauben, kann Airbnb nicht erfüllen, das können wir.

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