Aktenzeichen XX ungelöst

Engagiert und diszipliniert. Hart und zielorientiert in der Sache, herzlich im Umgang. Ob das ein typisch weiblicher Führungsstil ist? Keine Ahnung. Es ist jedenfalls jener einer ganz bestimmten Frau. Viktoria Tischler. Sie ist die Geschäftsführerin des oberösterreichischen Hilfswerks, verantwortlich für mehr als 1.000 Mitarbeiter und wurde 2004 von der VKB-Bank zur Managerin des Jahres gewählt. Im Interview erzählt sie, worauf es ankommt, um mehr weibliche Führungskräfte zu gewinnen.

In den 200 umsatzstärksten Unternehmen in Österreich liegt der Frauenanteil in der Vorstandsebene bei nur 7,2 Prozent. Warum, glauben Sie, ist das so?

TISCHLERDa spielen sehr viele Faktoren zusammen. Frauen sind heute zwar so gut ausgebildet wie noch nie, die klassische Rollenverteilung hat aber oft noch starken Bestand. Frauen, die sehr gute Arbeit leisten und Karriere machen (wollen), bleiben oft unsichtbarer als männliche Kollegen und werden von der Gesellschaft oftmals als Emanzen oder Rabenmütter wahrgenommen. Frauen müssen einerseits ihre Leistungen mehr ins Licht stellen und brauchen mehr Kampfgeist, andererseits müssen sich Gesellschaft und die Unternehmen von veralteten Denkweisen verabschieden. Und dann braucht es natürlich politische Rahmenbedingungen, wie etwa eine attraktivere Väterkarenz, flächendeckenden Zugang zu Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Frauenquoten.

Karrierefalle Teilzeit: Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit Frauen Familie und Karriere vereinbaren können?

TISCHLERDas Ziel muss sein, dass Eltern – also Frauen und Männer gleichermaßen - Familie und Karriere vereinbaren können. Unternehmen müssen sich trauen, Führungspositionen in Teilzeit zuzulassen. Möglich ist dies in jedem Fall, positive Beispiele gibt es bereits einige. Betriebliche Kinderbetreuungsmöglichkeiten, flexible Arbeitszeiten und Home-Office erleichtern das zusätzlich.

Wie kann man Männer dazu motivieren, mehr Verantwortung im Bereich Kinderbetreuung zu übernehmen?

TISCHLEROft haben die Überlegungen, wer für die Kinderbetreuung zuständig ist, wirtschaftliche Hintergründe. Da Frauen im Schnitt circa 23 Prozent weniger verdienen als Männer, fällt die Entscheidung meist zugunsten der Karriere des Mannes aus. Daher muss beispielsweise die Väterkarenz finanziell und gesellschaftlich attraktiver werden und auch in Unternehmen ankommen. Statistiken zeigen, dass viel mehr Männer in Väterkarenz gehen würden, hätten Sie nicht berechtigte Angst um ihren Arbeitsplatz. Hier muss die Politik ansetzen.

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt maßgeblich. Zu Gunsten der Frauen?

TISCHLEREinerseits macht die Digitalisierung einige Arbeitsplätze überflüssig, andererseits ergeben sich durch die neuen Möglichkeiten auch neue Geschäfts- und Arbeitsmodelle. Gerade die damit einhergehende zeitliche und örtliche Flexibilisierung kann Frauen und Männern helfen, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren.

Typische Frauenberufe finden sich im Bereich Pflege und Kindergartenpädagogik – tendenziell schlecht bezahlte Berufsgruppen. Zitat eines Zivildieners, der ein Jahr lang die Arbeit im Kindergarten erlebte: „Das wäre mein Traumjob, aber leider verdient man hier ja extrem wenig.“ Was müsste sich ändern, damit hier mehr Diversität in Bezug auf Geschlechter herrscht? Welche Rolle spielt der Gedanke „Die Frau ist meist nur der Zweitverdiener der Familie“ beim Gehalt?

TISCHLERObwohl wir ganz sicher in einer Zeit der Veränderung leben und viele Frauen wie Männer für das Thema Gleichberechtigung sensibilisiert sind, spielt der Gedanke in den Köpfen vieler Familien derzeit noch eine große Rolle. Diversität ist dann möglich, wenn die klassische Rollenverteilung – Frauen werden Kindergartenpädagoginnen, Krankenschwestern oder Sekretärinnen, Männer werden Schuldirektoren, Ärzte oder Wirtschaftsmanager – aufgebrochen wird. Hier sind Eltern und Schulen gefragt, ihren Töchtern und Söhnen entsprechende Werte mitzugeben. Abgesehen davon muss Arbeit natürlich fair entlohnt werden._

Viktoria Tischlers Appell ...

An die Politik _Entsprechende Rahmenbedingungen schaffen und dem Thema hohe Priorität zukommen lassen.

An Unternehmen _Fair bezahlen, flexible Arbeitsmodelle schaffen, Wiedereinstieg nach der Karenz (für Mütter und Väter) erleichtern.

An die Gesellschaft _Entsprechende Sensibilisierung ist ein erster wichtiger Schritt!

An Frauen selbst _Die eigenen Leistungen sichtbar machen und Durchsetzungsvermögen zeigen!

#Ähnliche Artikel

Die Dinge nehmen, wie sie kommen

Eingreifen und anleiten, ohne herrisch zu sein. Den Mitarbeitern Raum geben und sie gleichzeitig unterstützen. Diesen Mittelweg zu finden, ist für viele Führungskräfte eine große Herausforderung. Gerald Brandstetter hatte im kleineren Team Zeit, um diesen Balanceakt zu meistern, und wendet seine Erfahrung jetzt im großen Maßstab an.

Karriereturbo Crossmentoring

Karriere beschleunigen. Wie geht das eigentlich? Studien zeigen, dass besonders bei angehenden weiblichen Führungskräften ein enger Kreis von Vertrauten den entscheidenden Unterschied ausmacht. Das Crossmentoring-Programm, welches in Kooperation mit Business Upper Austria stattfindet, bietet genau diesen Austausch mit erfahrenen Vorbildern und Führungskräften.

Eine Frage der Einstellung

Wie man sein Team auf schwierige Spiele einstimmt, hat Erich Steinreiber bei seiner Leidenschaft gelernt: Als „10er“ hatte er am Fußballplatz jahrelang die Rolle des Spielmachers inne, bevor er als Trainer zum Taktikfuchs und Motivator herangereift ist. Was er im Sport als Halbprofi gemacht hat, macht er mittlerweile im Beruf als Vollprofi: Der CEO von ISS Österreich übernimmt gerne die Verantwortung und führt seine Mannschaft durch brenzlige Situationen.

„Frauen sind oft die besseren Leader“

Erfolgsfaktor Frauen: Seit 2008 leitet Karl Ochsner das 150 Jahre alte Familienunternehmen. Man möchte meinen, dass im Wärmepumpenbereich die Männer am Drücker sind. Nicht so bei dem Haager Hersteller, der anhand von Leistung und nicht von Geschlecht bewertet.

Ich bin hier die Boss

Fest steht: Es gibt viel Luft nach oben beim Frauenanteil in Führungspositionen. Anfang 2020 wurden acht Prozent der Positionen in den Geschäftsführungen und 22,6 Prozent der Aufsichtsratsposten bei den 200 umsatzstärksten Unternehmen in Österreich mit Frauen besetzt (Quelle: Statista.com). Führen Frauen anders als Männer? Und wenn ja, was sind die Führungseigenschaften von Frauen? Wir haben bei acht weiblichen Führungskräften nachgefragt, wie es so ist, „die Boss“ zu sein.

So gründen Frauen

Frauen gründeten im Jahr 2019 mehr als die Hälfte aller neuen Unternehmen in Österreich. Auch bei Start-ups steigt der Anteil an Frauen in den Gründungsteams in den letzten Jahren kontinuierlich an. Weibliche Erfolgsgeschichten und Tipps, wie’s gelingt.

20 Fragen, die wir einem Steuerberater immer schon mal stellen wollten …

Christoph Harrer ist Standortleiter des Steuerberatungsunternehmens TPA in Linz. Und das mit Leidenschaft. Weil – und das mag überraschen – sein Beruf keineswegs trocken sei. Und durchaus ein hohes Maß an Kreativität verlange. Mit diesen und noch mehr Klischees räumt er auf, als wir ihm 20 Fragen stellen, die man vielleicht nicht jedem Steuerberater stellen kann. Aber Christoph Harrer beantwortet sie alle.

Alle sagten, das geht nicht...

… dann kam einer, der wusste das nicht und hat‘s gemacht. Es heißt, Menschen brauchen Katastrophen, um zu lernen. Um sich zu wandeln. Klingt beinahe absurd, aber Fakt ist: Ausnahmen sind Vorreiter. Und Krisen sind auch Chancen, wie Chocolatier Josef Zotter selbst schon vor Corona erlebt hat. Nur – was kommt danach? Wie wird die Zukunft aussehen? Das wissen nur wir selbst, wie Zukunftsforscher Harry Gatterer sagt.

Scheitern als Teil der Strategie

Für die meisten Menschen sind Misserfolge unangenehm. Was aber, wenn sich langfristige Erfolge erst nach vielen kleinen Rückschlägen einstellen? Darüber könnten Forscher und Regionalmanager Bücher schreiben, mit denen sie ganze Bibliotheken füllen. Welche Talente man mitbringen muss und wie man ticken sollte, um in solchen Berufen erfolgreich zu sein? Forscher des Software Competence Centers Hagenberg und Regionalmanager der oberösterreichischen Regionalentwicklungsagentur RMOÖ berichten.

Familie & Beruf – it’s a match?

Auch wenn die Erwerbsquoten der Frauen in Österreich seit den 1970er-Jahren konstant angestiegen sind, stehen immer noch vor allem Mütter vor der Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinbaren. Wie muss ein Sozialsystem aussehen, damit Menschen möglichst ohne finanzielle Nachteile und Diskriminierung frei wählen können? Und wie hat sich das Bewusstsein für das Thema bei den Unternehmen selbst verändert?

So sportlich ist Elektromobilität

Man muss nicht unbedingt Benzin im Blut haben, um bei Porsche Linz-Leonding auf Touren zu kommen. Geschäftsführerin Elisabeth Strübl und Porsche-Markenleiter Oliver Hacker wissen, warum man bei Porsche automatisch ins Schwärmen kommt.

Noch mehr Raum für strategische Kreation

Die Linzer Full-Service-Werbeagentur Upart hat sich am neuen Standort in Urfahr eine außergewöhnliche Basis geschaffen. Dabei entstanden die Bereiche Konzentration, Regeneration und Kommunikation als Dreigestirn in der neuen Arbeitswelt.

Anders als geplant

Strukturiert, geordnet und lange vorbereitet – so stellt man sich die Übernahme einer Führungsposition vor. Klaus Schörghofer und Harald Föttinger sind die personifizierten Ausnahmen, die berühmte Bestätigung der Regel. Die beiden Führungskräfte erzählen ihre persönliche Geschichte und zeigen, wie schnell sich geplante Situationen unvorhersehbar ändern können.

2 Länder, 2 Landeshauptleute und wie viele Unterschiede?

So viel gleich mal vorweg: Für einen Rollentausch sind die beiden Landeshauptmänner Thomas Stelzer (Oberösterreich) und Wilfried Haslauer (Salzburg) nicht zu haben. Und das gar nicht deshalb, weil der eine ein Industrie- und der andere ein Tourismusland regieren möchte. Denn so könne man den Unterschied längst nicht (mehr) definieren. Wir haben die beiden Landeshauptleute getrennt voneinander befragt.

Lehre im Gep(b)äck

Ein Löffel voll Kreativität, ein Schuss Liebe zu Lebensmitteln mit einer Prise für technisches Verständnis, und schon ist die Zutatenliste für eine Bäcker- und Konditorlehre fertig. Wir haben uns bei Backaldrin in Asten umgesehen und dort einen Einblick in den Bäckeralltag erhalten.

08/16

Ein Wakeboarder, der sich seinen Weltmeistertitel mit Eisbaden und veganer Ernährung geholt hat, eine ehemalige Pressesprecherin, die nun Vollzeit-Märchenfee ist, und ein Extrem-Radfahrer, der Geschäftsflugzeuge verkauft. Drei mutige und ungewöhnliche (berufliche) Lebensgeschichten.

Unternehmen im Liebes(r)aus(ch)

Große Liebe, großer Tag, große Zukunft. Und dann plötzlich: das große Platzen des gemeinsamen Traumes. In fast jedem zweiten Fall scheidet die Ehe in Österreich nicht der Tod, sondern der Scheidungsrichter. Die Gmundner Wirtschafts- und Scheidungsrechtsanwältin Christina Gesswein-Spiessberger erklärt, worauf es bei Scheidungen von Unternehmerehepaaren ankommt.