Worüber wir gerade nachdenken …
Die Welt verändert sich in rasantem Tempo. Geopolitische Unsicherheiten, technologische Umbrüche und gesellschaftliche Transformationen prägen den Unternehmensalltag. Bei Hennlich, einem familiengeführten Unternehmen aus der Industrietechnik mit über 100-jähriger Geschichte, stehen drei Geschäftsführer vor der Herausforderung, in volatilen Zeiten Stabilität zu schaffen und gleichzeitig neue Wege zu gehen. Markus Zebisch, Gerhard Schwarz und Peter Doblhammer sprechen offen darüber, was sie gerade bewegt – beruflich wie privat.
Über die Herausforderung, Sicherheit zu schaffen
„Die weltpolitische Lage beschäftigt uns“, wirft Markus Zebisch gleich zu Beginn unseres Gesprächs ein. Die Herausforderungen, die durch geopolitische Spannungen entstehen, trage nicht nur der Markt ins Unternehmen – auch die Mitarbeitenden seien betroffen. „Selbst meine Tochter fragt auf der Fahrt zur Schule, wie man als junger Mensch noch ein Haus bauen können soll“, bekräftigt Gerhard Schwarz. „Das sind die Themen, die unsere Leute beschäftigen. Und es ist viel Arbeit, Stabilität und Sicherheit zu vermitteln.“ Peter Doblhammer nickt: „Das ist seit Corona eine Daueraufgabe: Wie schaffen wir Sicherheit, damit wir uns in Ruhe auf unser Geschäft fokussieren können und nicht durch externe Rahmenbedingungen beeinflusst werden?“ Die Verantwortung als Führungskräfte, den Mitarbeitenden Halt zu geben, ist groß.
Über die Notwendigkeit, zu wachsen – und das richtige Wie
„Man ist gezwungen, zu wachsen“, stellt Schwarz klar. „Das klingt vielleicht negativ, aber Stillstand ist Rückschritt.“ Zebisch formuliert es anders: „Es ist keine Option, nicht zu wachsen. Wir müssen schauen, wie wir mit der bestehenden Belegschaft mehr erreichen können, ohne die Leute zu überlasten.“ Das „Wie“ sei die entscheidende Frage. Geografisches Wachstum, Effizienzsteigerung durch Digitalisierung, neue Produktfelder – die Möglichkeiten seien vielfältig, aber in Zeiten hoher Kostenstrukturen in Mitteleuropa auch herausfordernd. „Wir bewegen uns in einem Markt mit Nullwachstum“, erklärt Zebisch, „wenn unsere Kunden nicht wachsen, können sie nicht mehr von uns kaufen. Trotzdem müssen wir positiv bleiben und neue Wege
finden.“
Über Pioniergeist und neue Märkte
Einer dieser neuen Wege führt nach Indien. Dort wurde kürzlich eine Niederlassung eröffnet. „50 Prozent der Bevölkerung dort sind unter 25 Jahre alt. Die Verfügbarkeit von Fachkräften und die enormen Infrastrukturprojekte machen Indien zu einem gewaltigen Wachstumsmarkt.“ Für ein österreichisches Unternehmen ist der Schritt nach Indien alles andere als gewöhnlich. „Aber genau das ist es“, meint Zebisch, „man muss neue Eisen ins Feuer legen und auch mal etwas machen, das nicht ganz so konventionell ist. Mit Pioniergeist geht es nach vorne. Wenn man sich hier in Zentraleuropa im Kreis bewegt, muss man schauen, wo es weitergeht.“
Über Wissenstransfer und Nachfolge
Während neue Märkte erschlossen werden, steht Hennlich gleichzeitig vor einer internen Herausforderung: „In den nächsten fünf Jahren gehen sehr gute, qualifizierte Mitarbeitende in die verdiente Rente“, berichtet Doblhammer, „die Nachfolgeregelung und der Wissenstransfer sind eine Riesenherausforderung. Diese Mitarbeitenden können wir nicht einfach mit einer Person nachbesetzen.“ Die Lösung? Individuell mit den Betroffenen erarbeiten, wer welche Bereiche übernehmen kann, wo neue Positionen geschaffen werden müssen – und dabei die Chance nutzen, Dinge auch anders zu machen.
Über Menschlichkeit als Wettbewerbsvorteil
„Seit über 100 Jahren zeichnet uns die Menschlichkeit aus“, betont Doblhammer. In einer Zeit, in der Kunden bei vielen Unternehmen nur noch mit Chatbots sprechen, setzt Hennlich auf persönlichen Service. „Bei uns kommt man durch. Eine nette Dame begrüßt am Telefon, verbindet weiter, und die Kunden bekommen die Lösungen, die sie brauchen. Das wird immer seltener im heutigen Marktumfeld.“ Zebisch ergänzt: „Wir bewegen uns in einem Dreieck zwischen Kunden, Mitarbeitenden und Lieferpartnern. Und wir müssen schauen, dass wir das Optimale für alle erreichen. Allen den gleichen Wert zu geben, das ist unser Erfolgsrezept.“ Gleichzeitig ist man sich bewusst: „Man darf nicht wie der letzte Lohnkutscher enden, der zwar Monopolist war, aber nicht mehr wettbewerbsfähig. Wir müssen vorne auf der Welle mit dabei sein, wenn nicht sogar Trendsetter.“
Über Mut, Vertrauen und Empathie
Was braucht es in diesen Zeiten als Führungskraft? „Empathie, Menschenkenntnis, Offenheit und vor allem Vertrauen“, sagt Doblhammer, „das Vertrauen unserer Mitarbeitenden, dass wir eine konsistente Richtung vorgeben und gemeinsam in die Zukunft gehen. Und der Mut zu Entscheidungen wird immer wichtiger. Die Entscheidungszyklen werden kürzer. Das heißt, wir müssen mutig große Entscheidungen in kurzer Zeit treffen.“ Schwarz pflichtet bei: „Gerade jetzt ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und den Leuten Sicherheit zu vermitteln. Denn sie gehen, wenn die Kommunikation nicht passt oder das Betriebsklima nicht stimmt.“
Über Zuversicht und Realität
Welchen Wunsch haben die drei an die Zukunft? „Frieden“, sagt Zebisch, ohne zu zögern, „Frieden und planbare Märkte.“ Mit einer aktiven Niederlassung in der Ukraine ist das mehr als ein abstraktes Thema. „Unsere Geschäftsführerin dort führt das Geschäft vor Ort und ist regelmäßig bei uns zu Besuch. Wenn man sieht, vor welchen Herausforderungen sie und ihr Team stehen, kann man von unseren nur träumen.“ „Zuversicht und Hoffnung und positive Gedanken“, fügt Doblhammer auf die Wunschliste hinzu. „Das ist derzeit nicht einfach, aber auch unsere Aufgabe als Führungskräfte. Wir leben zum Glück in Frieden, haben ein Gesundheitssystem, soziale Sicherheit. Diese Realität darf man nie vergessen.“
Über Medien und Werte
Privat beschäftigt Zebisch besonders die aktuelle Medienlandschaft: „Es ist so schwierig geworden, die Realität zu sehen. So viele Influencer, Möchtegernspezialisten, so viel Desinformation. Die heutige Gesellschaft ist nicht mehr wirklich in der Lage, herauszufinden, wo die Wahrheit liegt. Wie kann man Wahres von Falschem unterscheiden? Das wird eine große Herausforderung, gerade in Zeiten von KI.“ Schwarz ist sehr dankbar für sein Umfeld: „Man braucht im Privaten Freiraum und eine Familie, die einen unterstützt. Das ist nicht selbstverständlich.“ Doblhammer, Vater zweier Teenager, beschäftigt vor allem die Frage: „Welche Welt hinterlassen wir unseren Kindern? Welche Werte haben noch Bestand? Wie begleiten wir sie ins Erwachsenenleben?“ Bei aller Herausforderung bleibt eines: Die drei Geschäftsführer von Hennlich sind sich einig, dass sie nicht aufhören werden, neue Wege zu gehen. Mit Menschlichkeit, Pioniergeist und dem Bewusstsein, wo sie stehen und wo sie hinwollen._
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Antje Wolm