Wir sind dann mal irritiert
Sie setzt auf „positive Irritation“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Theresa Irresberger ist Wirtschaftstrainerin, Technikerin und Macherin aus Überzeugung. Wenn sie einen Raum betritt, wird es ehrlich. Manchmal unbequem. Und dennoch überraschend gut. Wir durften uns bei zwei Teamcoachings selbst davon überzeugen. Irritation, lernen wir, ist kein Fehler im System. Sie ist der Anfang von Veränderung.
Spaß, Struktur und Augenhöhe. Das sind Theresas drei Unternehmenswerte und wir nehmen sie ihr bei unseren Teamcoachings schon in den ersten Minuten ab. Die Wirtschaftstrainerin aus Oberösterreich hat einen Lebenslauf wie ein Karriere-Bingo: Fachhochschule, Uni, Projektleiterin in der Automobil- und Wasserkraftindustrie, Expat-Einsätze in drei Ländern. Dann, 2022, der Schritt in die Selbstständigkeit. „Mir hat jeder davon abgeraten“, sagt sie, „‚Gründungsjahr nach Corona, alle sparen, warte noch.‘ Nur: Ich hatte schon genug gewartet.“ Was ihr letztlich den Anstoß gab, war ein Wanderunfall in Lech: alle Bänder am Fuß gerissen, weil sie auch in der Freizeit den Kopf nicht von der Arbeit losbekam. „Das kann es nicht sein“, dachte sie sich. Seither ist sie ihre eigene Chefin und entscheidet selbst, wohin die Reise geht.
Ins Tun kommen
Was Theresa von vielen Trainerinnen unterscheidet, ist ihr Verständnis von Veränderung. Sie setzt auf das, was sie selbst „positive Irritation“ nennt. Das Erwachsenengehirn ist festgefahren, die Routinen sitzen tief. Wer wirklich etwas bewegen will, muss es aus dem Gewohnten herauslocken. „Dieses Einmal-nicht-das-Gewohnte-Tun ist eine der wenigen Möglichkeiten, wie man Erwachsenengehirne in ein Erdbeben versetzen kann.“ Bei uns beginnt dieses Erdbeben mit einer simplen Frage: Bin ich eigentlich Mitarbeiter oder Mitunternehmer? Was ist meine Rolle am Erfolg des Unternehmens und wie bringe ich mich täglich ein? Diese Fragen sind kein Selbstzweck, sondern sollen uns bewusst einen Spiegel vorhalten.
Dass sie Praktikerin ist, merkt man sofort. Ihr technischer Background – Process Engineering, Lean Management, Projektmanagement in drei Ländern – prägt ihren Stil: Sie braucht Sinn und Relevanz, gepaart mit Emotion, damit etwas hängen bleibt. Wenn Theresa einen Workshop gestaltet und merkt, dass die Stimmung gekippt ist, fragt sie nicht: „Wie geht es euch?“ Selten bekomme man da eine ehrliche Antwort. Stattdessen setzt sie Methoden ein, die Körpersprache und Gruppendynamik sichtbar machen. Und das immer auf Augenhöhe. „Wenn die Augenhöhe nicht stimmt, will sich keiner öffnen. Es ist oft ein Elefant im Raum, wie in Beziehungen. Man muss zuerst über die Gefühle sprechen.“ Mit den richtigen Methoden lockt man auch Tech-Teams in eine konstruktive Gefühlszone. Und was passiert dann? „Die Teilnehmer sind erleichtert, haben Klarschiff gemacht und ich als Trainerin kann mich maximal nach ihren Lernbedürfnissen richten.“
Bei uns bleibt jedenfalls mehr als ein To-do: Die Erkenntnis, dass ein Team nicht daran scheitert, dass Menschen verschieden sind, sondern daran, dass sie aufhören, neugierig aufeinander zu sein. Und die Erkenntnis, dass echte Veränderung nicht im Workshop passiert, sondern in dem, was man danach tatsächlich anders macht. Theresa hat in uns Gedanken angestoßen, die für unsere weitere Entwicklung als Team der Nährboden sind. Die anfängliche Irritation hat sich gelohnt._
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Yolanda Carrascosa