Was bleibt
Weltkrieg, Wirtschaftskrisen, Strukturwandel – Leyrer + Graf hat sich über
Jahrzehnte hinweg in einem sich stetig wandelnden Umfeld behauptet und feiert in diesem
Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. CEO Stefan Graf ist buchstäblich auf dem Bauhof aufgewachsen. Heute führt er das Unternehmen ins zweite Jahrhundert – getragen von einer starken Zukunftsvision.
Zur Erstkommunion lag für Stefan Graf kein Spielzeug bereit, sondern ein Zimmererhammer. Das sagt eigentlich schon alles. Der CEO von Leyrer + Graf ist nicht in das Familienunternehmen hineingeboren worden, er ist hineingewachsen, Schicht für Schicht, Jahr für Jahr. Auf dem Bauhof, zwischen Maschinen und Maurern, die er als Kind schlicht für Freunde hielt. 100 Jahre nach der Gründung führt er ein Bauunternehmen mit durchschnittlich 2.750 Menschen und im Kern zählt immer noch das Gleiche: das Miteinander.
Dass er als junger Erwachsener seinen Interessen folgte und Bauingenieurwesen studierte, in einem Wiener Ingenieurbüro arbeitete und eine Managementausbildung in St. Gallen absolvierte, war kein bewusst geplanter Weg. Die Rückkehr ins Familienunternehmen allerdings dann schon und damit der nächste Entwicklungsschritt: „Mein Ja zur Unternehmensnachfolge war eine klare Entscheidung – getragen von Erfahrung, Eigenständigkeit und Überzeugung“, sagt Graf.
Das Erbe trägt, wer es versteht
1954 wurde Franz Graf im Alter von 23 Jahren zum jüngsten Baumeister Österreichs – eine außergewöhnliche Leistung, die Maßstäbe setzte. Stefan Graf hat daraus keine Verpflichtung abgeleitet, ganz im Gegenteil: „Ich hatte nie das Gefühl, in vorgegebene Fußstapfen treten zu müssen.“ Prägend für seinen eigenen Zugang sind vielmehr klare Haltungen: Leistungsbereitschaft, Disziplin und Konsequenz. Verbunden mit der Überzeugung, dass unternehmerischer Erfolg nicht zufällig entsteht, sondern das Ergebnis von Einsatz, Mut und Zusammenhalt ist.
Besonders fasziniert ihn an der Unternehmensgeschichte die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit begrenzten Ressourcen, aber großem Gestaltungswillen hat das Unternehmen damals nicht nur sich selbst neu ausgerichtet, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Region geleistet. Dieses Denken – mutig neue Wege zu gehen und Chancen zu erkennen, wo andere vor allem Risiken sehen – bildet bis heute eine zentrale Grundlage des Erfolgs. Ein Verständnis, das aus der Vergangenheit gewachsen ist und konsequent in die Zukunft weist.
# Gedankensprung
mit Stefan Graf
Ein Familienunternehmen zu führen, bedeutet für mich_ein Lebenswerk verantwortungsvoll weiterzuführen und Entscheidungen mit Blick auf kommende Generationen zu treffen.
Diese Werte zeichnen uns aus_Füreinander, Wertschätzung, Vertrauen, Langfristigkeit, Erfolgsorientierung, Eigenverantwortung.
Das ist aktuell unsere größte
Herausforderung_in einem volatilen Umfeld gleichzeitig Verlässlichkeit zu gewährleisten und Menschen für die Baubranche zu begeistern.
In 100 Jahren soll das Unternehmen_weiterhin ein prosperierender Familienkonzern sein.
Mein persönlicher Wunsch an die Zukunft der Baubranche_konsequentes Zukunftsdenken –
technologisch fortschrittlich, ökologisch verantwortungsbewusst und am Menschen
orientiert.
Wachstum im Wandel
2.750 Menschen. 18 Standorte. Ein Unternehmen dieser Größe könnte leicht seine Seele verlieren. Wie behält man eine Unternehmenskultur, wenn man nicht mehr jeden beim Namen kennt? Stefan Graf hat darauf eine klare Antwort: über Führungskräfte, die Haltung weitergeben, nicht nur Anweisungen. „Wachstum darf Nähe nicht ersetzen. Im Gegenteil: Es braucht noch mehr Aufmerksamkeit dafür, dass sich Menschen gesehen, ernst genommen und eingebunden fühlen.“
Wandel wird bei Leyrer + Graf als Weiterentwicklung verstanden. Unter dem maßgeblichen Einfluss von Stefan Graf entwickelte sich das Unternehmen zu einem modernen, breit aufgestellten Baukonzern mit klarer strategischer Ausrichtung. Innovationen, neue Märkte und Zukunftsthemen wurden konsequent vorangetrieben – stets im Einklang mit der eigenen DNA.
Resilienz als Geschäftsmodell
Fachkräftemangel, Klimawandel, geopolitische Umwälzungen, steigende Kosten: Die Baubranche steht vor einer Verdichtung der Krisen. Wir fragen Stefan Graf, welches Thema ihm nachts den Schlaf raubt. Er lächelt. „Zum Glück keines.“ Was ihn beschäftigt, ist das Zusammenspiel der Entwicklungen und die Frage, wie ein Unternehmen insgesamt widerstandsfähig bleibt: organisatorisch, wirtschaftlich, menschlich. „Es sind aktuell her-
ausfordernde Zeiten“, sagt er, „aber keine schlechten Zeiten.“ Das Prinzip, das das Unternehmen durch alle Krisen getragen hat? Achtsamkeit. Die Bereitschaft, neue Rahmenbedingungen offen anzunehmen, gewohnte Denkweisen zu hinterfragen und gleichzeitig auf Know-how zu vertrauen. Die Fähigkeit also, Bewährtes weiter zu tragen und trotzdem umzudenken, wenn es die Zeit erfordert.
Meilensteine in der Unternehmensgeschichte von Leyrer + Graf
1926 Gründung durch Anton Leyrer und Abwicklung
der ersten Aufträge mit 18 Maurern und 9 Zimmerern
1939 Gründung des Straßenbauunternehmens Leyrer
und Haunzwickl gemeinsam mit Alois Haunzwickl
1947 Der 16-jährige Franz Graf beginnt,
im Unternehmen zu arbeiten.
1958 Franz Graf wird Geschäftspartner und die „Bauunternehmung Hoch- und Tiefbau Dipl.-Ing. A. Leyrer
und Baumeister F. Graf“ wird gegründet.
1960er bis 1980er Jahre Leyrer + Graf macht sich durch Großprojekte wie das Gmündner Gymnasium oder das Krankenhaus in Gmünd einen immer größeren Namen.
1983 Mit der Übernahme der Firma Traschler wird
ein neuer Standort in Horn aufgebaut.
1988 Eröffnung des neuen Standorts in Wien
1991 Gründung der ersten Tochtergesellschaft im Ausland
2004 Abwicklung des bis dato größten Tiefbauprojekts
am Flughafen Wien-Schwechat und darauffolgende Gründung einer Betriebsstätte in Schwechat
2013 Stefan Graf übernimmt die Geschäftsführung.
In den folgenden Jahren werden maßgebliche Großprojekte umgesetzt und einiges in die Firmenstandorte investiert.
2023 Stefan Graf wird zum „Unternehmer des Jahres“ ausgezeichnet und übernimmt die Mehrheitsanteile der Unternehmensgruppe.
2026 100-jähriges Bestehen
Gestern. Heute. Morgen
Was würde der Gründer Anton Leyrer sagen, wenn er heute für einen Tag zurückkehren könnte? Stefan Graf überlegt kurz. Stolz wäre er wohl, dass aus einem regional verwurzelten Bau- und Zimmereibetrieb ein prosperierendes, überregional tätiges Unternehmen geworden ist, das auch noch nach 100 Jahren in Familienhand ist. Überrascht hätte ihn die Technologie, die Dynamik, das Tempo. „Aber ich bin mir sicher“, sagt Stefan Graf, „dass er sich sehr schnell wiederfinden würde im Kern dessen, was uns ausmacht: im Gestaltungswillen, im unternehmerischen Mut und im Anspruch, gemeinsam etwas Dauerhaftes zu schaffen.“
Genau diese Haltung ist es, die Leyrer + Graf nach 100 Jahren nicht verstaubt, sondern nach wie vor agil wirken lässt und zu einem innovativen und lebendigen Unternehmen macht. Verwurzelt in der eigenen Geschichte, bereit für das, was morgen kommt. Im Herbst wird mit den Mitarbeitenden, den Kunden und den Wegbegleitern gefeiert. Danach geht es mit Zuversicht weiter. „In eine Zukunft, die wir gemeinsam gestalten werden.“_
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Matthias Fröhlich, Stadtarchiv Gmünd, Leyrer + Graf, CK Photography