Höchstleistung. Aber bitte gesund
Viel erreichen. Den eigenen Beruf lieben. Für die Familie da sein. Und dabei bitte gesund, gelassen und voller Energie bleiben. Geht das überhaupt?
Der Wecker klingelt um sechs. Die Mails sind schon um sieben beantwortet, der Kaffee wird nebenbei getrunken, der Kalender ist bis in den Abend hinein voll. Und trotzdem: Es geht. Irgendwie geht’s ja immer. Genau das, sagen die Autorinnen von „Living well now!“, sei das eigentliche gefährliche Zeichen vor der Erschöpfung. Nicht, dass nichts mehr geht. Sondern, dass alles noch geht. Die Ärztin und Ayurveda-Expertin Dr. Janna Scharfenberg und die Unternehmerin und Ayurveda-Therapeutin Isabelle Bietenholz haben eine gemeinsame Botschaft: Gesund erfolgreich sein geht. Nur nicht so, wie wir es meistens versuchen.
5 Erkenntnisse für Menschen, die gern viel leisten
#1 Wir sind ein Mobile. Der eine verspannt den Kiefer, die andere spürt es im Bauch, der Nächste im Nacken. „Wir sind wie ein Mobile“, sagt Janna Scharfenberg, „irgendwo zieht man, und der Rest kommt hinterher.“ Jeder Mensch hat seine eigene Eingangstür für Stress – und genau das macht ihn so leicht zu übersehen. Gefährlich wird es nicht in der einzelnen stressigen Phase. Gefährlich wird es, wenn aus einer Phase viele werden, wenn die Unterbrechung fehlt und all das zur neuen Normalität wird. „Je mehr ich im Stress bin“, sagt Janna, „desto weniger bekomme ich mit, was in mir selber eigentlich los ist.“
#2 Kein Regler bleibt bei 30 Prozent. Der Irrtum, dem viele Leistungsmenschen aufsitzen: Reguliert sei, wer dauerhaft entspannt ist. Janna Scharfenberg vergleicht das Nervensystem lieber mit dem alten Lautstärkeregler an der Stereoanlage – mal ganz laut, mal ganz leise, aber niemals starr auf einem mittleren Wert. „Wir wollen die Aktivierung. Wir wollen aber auch die Ruhe. Und vor allem wollen wir geschmeidig zwischen beidem hin- und herpendeln können.“ Genau das sei Regulation. Nicht Dauergelassenheit.
#3 Pause ist keine Belohnung. Isabelle Bietenholz kennt diese Erkenntnis aus erster Hand. Mitte 20 zwangen sie gesundheitliche Beschwerden – verstärkt durch zu viel Druck und Stress – zu drei Operationen. Ein Satz hat sich seither eingebrannt: „Sie sind noch viel zu jung für eine klassische Reha. Machen Sie etwas anderes für sich.“ Es folgte eine Ayurveda-Kur. Zwei Wochen später kam sie heraus, „wie neu geboren, wie eine frisch geladene Batterie“. Aus der Patientin wurde eine Therapeutin, aus der Therapeutin Jivita, ein Zentrum für integrative Medizin in Zürich. Im Buch schreiben die beiden Autorinnen: „Regeneration ist kein Luxus und keine Belohnung nach getaner Arbeit – sie ist die Voraussetzung dafür, überhaupt leistungsfähig, kreativ und resilient zu bleiben.“
#4 Ambition hat etwas Fröhliches. Von außen sehen Ambition und Getriebenheit oft identisch aus. Viel Energie, hohe Ziele, großer Einsatz. Von innen, sagt Isabelle Bietenholz, ist der Unterschied klar spürbar: „Ambition hat etwas Fröhliches. Getriebenheit klingt für mich schon, wie gepeitscht zu sein.“ Ihr liebstes Bild dafür ist ein Skateboarder, der einen Trick übt, hundertmal hinfällt und wieder aufsteht – nicht, weil er an Olympia denkt, sondern weil ihm die Bewegung selbst Freude macht. Freue ich mich auf den Weg? Oder warte ich nur auf das Ziel? Genau diese Frage, sagt sie, entlarve den Unterschied.
#5 Gesundheit ist eine Ziellinie. „Healthy High Performance“ nennen die Autorinnen ihr Konzept: leistungsfähig sein, ohne dafür die eigene Gesundheit zu opfern. Kein Sprint, sondern ein Weg mit acht Säulen, von Body und Mind über Energy bis zu Deep Regeneration und Real Self-Care. „Gesundheit entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch die Summe unserer täglichen Entscheidungen.“ _
Redaktion
- Susanna Winkelhofer
Fotos
Fabian Haefeli