32 Lehrlinge übernehmen für sieben Tage das Steuer eines BILLA-Markts in Wels. Was klingt wie ein Experiment, ist längst gelebte Ausbildungsphilosophie und ein starkes Signal in Zeiten, in denen Oberösterreich dringend Fachkräfte braucht.
Kasse, Koordination, Kundengespräch und das Ganze ohne Sicherheitsnetz: In der BILLA-Filiale in der Shopping City Wels laufen diese Woche die Dinge ein bisschen anders. Statt erfahrener Führungskräfte sind es 32 Lehrlinge, die den Marktbetrieb eigenständig schmeißen. Sie verteilen Aufgaben, planen Abläufe, beraten Kundschaft und wachsen dabei sichtlich über sich hinaus. Die Initiative „Lehrlinge führen Märkte” macht das möglich, heuer zum 14. Mal und österreichweit in sieben Märkten.
Für Petra Spanlang, BILLA-Vertriebsmanagerin für die Region 4 Oberösterreich, ist der Effekt jedes Jahr aufs Neue beeindruckend: „In unserer Filiale in der SCW Shopping City Wels sind 32 Lehrlinge im Einsatz und meistern den Marktalltag eigenständig. Es hat sich schon am ersten Tag gezeigt, dass unsere Jungtalente sich ihrer neuen Führungsposition auf Zeit mit viel Begeisterung und großem Verantwortungsbewusstsein stellen. Für die BILLA-Lehrlinge ist dieses Abenteuer eine Chance, über sich hinauszuwachsen, Teamgeist zu erleben und bleibende Erinnerungen zu schaffen.”
Ähnlich sieht es Vertriebsdirektor Thomas Steingruber: „Wenn unsere Lehrlinge eine Woche lang Verantwortung in den Märkten übernehmen, wird jedes Jahr sichtbar, welches Potential in unseren Nachwuchskräften steckt. ‚Lehrlinge führen Märkte’ ist für uns deshalb ein echtes Herzensprojekt und seit vierzehn Jahren fixer Bestandteil unserer Ausbildung. Es eröffnet neue Perspektiven, stärkt Eigenverantwortung und zeigt, was unsere Nachwuchskräfte leisten.”
Der Rahmen, in dem diese Aktion stattfindet, ist bemerkenswert: Oberösterreich ist und bleibt das Lehrlingsbundesland Nummer eins. 21.390 Lehrlinge in 5.038 Betrieben: Das sind keine abstrakten Zahlen, das ist ein funktionierendes System. 39 Prozent der 15-Jährigen entscheiden sich im Land für die duale Ausbildung, und das, obwohl das Angebot an weiterführenden Schulen groß ist.
Doch die Zukunft wirft ihre Schatten voraus: Bis 2030 werden in Oberösterreich laut Fachkräftemonitor rund 83.000 Fachkräfte fehlen, bis 2040 sogar 151.000. Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner bringt es auf den Punkt: „Die dringend benötigten Fachkräfte von morgen starten heute ihre Lehre. Deshalb müssen und wollen wir die Jugendlichen – gemeinsam mit den Unternehmen – auf dem Weg zu ihrer Ausbildung bestmöglich unterstützen. Das beginnt bei der Wahl der Ausbildung und reicht bis hin zur Begleitung bei individuellen Herausforderungen. Wir können in Oberösterreich auf kein Potential verzichten.”
Über 200 Lehrberufe, Lehre mit Matura, duales Studium — die sogenannte Duale Pyramide bietet Wege, die bis ins Hochschulstudium führen können. BILLA allein bildet in elf verschiedenen Berufen aus, von Lebensmittelhandel über Konditor bis Elektrotechnik. 91 Lehrstellen sind in Oberösterreich noch zu vergeben. Die Botschaft dahinter ist klar: Wer mit einer Lehre startet, schließt damit keine Türen. Und für jemanden, der wie die 32 Welser Jungtalente einmal eine Woche lang einen ganzen Markt geleitet hat, öffnen sich dabei vermutlich ganz neue.
Land OÖ / Daniel Kauder
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