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Welches österreichische Bundesland das führende
Land in Sachen Innovation ist? Die Steiermark!
(Ja, wirklich, und ja, vor Wien!) Gemessen am DER GROSSE REFORMER
Bruttoregionalprodukt gibt keiner so viel für
Forschung und Entwicklung aus wie die Steirer, Erzherzog Johann von Österreich ist eine Schlüsselfigur in
der steirischen Landesgeschichte. 1782 zur Welt gekommen,
ungefähr fünf Prozent sind es jährlich. Etwa 75 beeinflusste der Bruder von Kaiser Franz I. in der ersten Hälfte
Prozent davon – also rund 1,7 Milliarden Euro – des 19. Jahrhunderts maßgeblich die Modernisierung des
stammen aus der Industrie. „Forschung und Ent- damaligen Herzogtums. Er regte nicht nur die Gründung der
wicklung sind auch im internationalen Vergleich Technischen Universität Graz an, sondern auch die der Berg- und
auf höchstem Niveau“, sagt Stefan Stolitzka, Prä- Hüttenmännischen Lehranstalt in Vordernberg, die sich später zur
sident der Industriellenvereinigung Steiermark Montanuniversität Leoben entwickelte.
und CEO von Legero United. Durch die intensi-
ven Investitionen der steirischen Industrie ist das Die von ihm gegründete steiermärkische
Bundesland unter den fünf innovationsstärksten Landwirtschaftsgesellschaft förderte Modernisierungen in
Regionen der EU, beim jährlichen Wachstum der der Landwirtschaft, auf seine Anregung wurde der Erzabbau
am steirischen Erzberg neu organisiert und modernisiert. Die
Forschungsintensität liegen sogar nur die Regio- Hochöfen und Bauernhöfe, die ihm selbst gehörten, dienten als
nen Stuttgart und Braunschweig vorne. Versuchsbetriebe, in denen neue Techniken erprobt wurden.
All das sind viele Zahlen, die letztlich eines aus- Bis heute trifft man in der Steiermark immer wieder den
sagen: Die Steiermark ist in Forschung und Ent- Erzherzog: Etwa in den Namen des Universalmuseums
wicklung eine Vorzeigeregion, dazu trägt die In- Joanneum, der FH Joanneum oder am Joanneumring.
dustrie maßgeblich bei. Laut Stolitzka ist das eine Er legte vor mehr als 150 Jahren in weiser Voraussicht den
zentrale Eigenschaft der steirischen Wirtschaft: Grundstein für den wirtschaftlichen Erfolg der Steiermark.
„Was uns vor allem auszeichnet, ist eine gelebte
Kooperation auf allen Ebenen. Bei uns ist es ganz
alltäglich, Themen gemeinsam anzupacken und
damit Wegweisendes zu schaffen.“ Dadurch sei andere Regionen. „Die Betriebe in der Steiermark
es auch möglich, dass sich der Standort ständig leben die nachhaltige Zukunft bereits. Wir bie-
weiterentwickelt. ten technologische Lösungen an und optimieren
konsequent unsere Prozesse. Als Beispiel: Welt-
BLICK NACH VORNE weit installierte steirische Technologie machte es
im Vorjahr möglich, so viel CO 2 einzusparen, wie
Die steirische Industrie ist sehr stark exportorien- Kanada jährlich emittiert.“. Auf die Frage, wie er
tiert: Drei von vier hergestellten Produkten gehen zu CO 2 Steuern steht, antwortet Stolitzka: „In
ins Ausland, vorwiegend nach Deutschland. „In Form von ETS-Zertifikaten trifft uns im energie-
der Coronakrise spüren wir die eingeschränk- intensiven Bereich schon eine Besteuerung. Die
te weltweite Reisetätigkeit besonders stark. Vor Frage für uns ist also nicht, ob neue Steuern ein-
allem Geschäftsabschlüsse werden dadurch er- gehoben werden sollten, sondern wie die einge-
schwert, Montage- oder Servicearbeiten bei spielten Mittel verwendet werden. Wir setzen uns
Kunden sind nahezu unmöglich“, sagt Stolitzka. für eine Zweckwidmung ein. Es wäre sinnvoll,
„Die Betriebe nützen natürlich neue Kommuni- damit weitere Prozessoptimierungen zu finanzie-
kationskanäle, aber es lässt sich eben nicht alles ren, wie das von Bundesministerin Leonore Ge-
online abwickeln.“ Momentan spüre man die wessler schon angekündigt wurde“, sagt Stolitzka.
wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise sehr
deutlich, trotzdem herrsche in den Betrieben Zu- In den nächsten Jahren gehe es darum, weiter
versicht. „Wir werden gut durch die Krise kom- die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.
men und sogar gestärkt aus ihr hervorgehen, weil Wichtig dafür seien laut Stolitzka vor allem aus-
wir ein gemeinsames Zukunftsbild schaffen, neue reichend Fachkräfte: „Denn im Mittelpunkt der
Möglichkeiten ergreifen und die Digitalisierung Industrie steht der Mensch. Wir brauchen drin-
in vielen Bereichen vorantreiben.“ gend die nächste Generation wissbegieriger und
innovativer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Vor allem im Feld der Nachhaltigkeit sieht Sto- Mit ihnen bietet die Industrie eine hohe und
litzka die Steiermark schon jetzt als Vorbild für nachhaltige Lebensqualität in jedem Sinne.
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