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 Am Land ist bereits jeder dritte Glasfaseranschluss aktiv
v.l.n.r. Martin Wachutka, Jens Böcker, Herbert Flatscher, Igor Brusic
Schon gewusst

Am Land ist bereits jeder dritte Glasfaseranschluss aktiv

OFAA-Marktstudie 2026 zeigt Fortschritte im Glasfasermarkt, die wachsende Bedeutung offener Netze und neue Chancen für Nutzung und Wettbewerb

Wien, 4. November 2026 – Österreichs Glasfaserausbau schreitet weiter voran. Bei ihrer heutigen Pressekonferenz in Wien präsentierte die Open Fiber Austria ihre neue Marktstudie mit aktuellen Zahlen: Mittlerweile ist Glasfaser für rund 2,2 Millionen Haushalte und Unternehmen verfügbar – bis ins Gebäude oder direkt in die Wohnung. Rund 453.000 davon nutzen einen Glasfaseranschluss bis in die Wohnung (FTTH) bereits aktiv. Besonders deutlich ist der regionale Unterschied: Im ländlichen Raum liegt die Take-up-Rate bei 34,9 Prozent und damit fast dreimal so hoch wie in Städten. Sie gibt an, wie viele der verfügbaren Glasfaseranschlüsse tatsächlich auch genutzt werden.

Präsident der Open Fiber Austria Martin Wachutka sieht darin die nächste Aufgabe für den Markt: „Jetzt müssen wir diese Anschlüsse füllen – und die Erfahrung sagt: Wer einmal Glasfaser hat, gibt sie nicht mehr her. Dafür brauchen wir offene Netze, starke Internetanbieter und Regeln, die Wettbewerb und Wahlfreiheit sichern.“

Mehr Verfügbarkeit, mehr aktive Anschlüsse

Die FTTB/H-Verfügbarkeit (Glasfaser bis ins Gebäude oder in die Wohnung) stieg innerhalb eines Jahres von 40 auf 46 Prozent, die Zahl der verfügbaren Anschlüsse um rund 300.000 auf 2,2 Millionen. Gleichzeitig nahm die Nutzung zu: Die Zahl der aktiven Glasfaser-Anschlüsse wuchs um rund 80.000 oder 21 Prozent und damit stärker als jede andere Festnetztechnologie. Am höchsten ist die Nutzung im ländlichen Raum mit 34,9 Prozent; in kleineren Städten und Vororten liegt sie bei 21,3 Prozent, in Städten bei 12,7 Prozent.

Studienautor Jens Böcker von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ordnet das so ein: „Bei der Nutzung von Glasfaser existiert in Österreich ein „Land-Stadt-Gefälle“ – auf dem Land ist mehr als jeder dritte Anschluss aktiv, in den Städten nur etwa jeder achte.

Offensichtlich werden die Vorteile von Glasfaser auf dem Land stärker erkannt. Zukünftig ist davon auszugehen, dass die Akzeptanz von Glasfaser in ganz Österreich spürbar steigen wird. Grund hierfür ist ein steigender Bedarf nach höheren Bandbreiten getrieben durch die zunehmende Digitalisierung.

Mehr als jeder vierte Anschluss läuft über ein offenes Netz

Erstmals untersucht die OFAA-Marktstudie die Sicht der österreichischen Internetanbieter. Es geht um Open Access: ein Netz, viele Anbieter, freie Wahl für den Kunden. Bereits 27 Prozent der aktiven FTTH-Anschlüsse werden über Open Access bereitgestellt, für 2030 rechnen die befragten Experten mit rund 42 Prozent. 68 Prozent der Befragten bewerten Open Access für die Zukunft ihres Unternehmens als wichtig oder sehr wichtig. Als größte Hürden gelten hohe Preise, komplexe Verträge sowie der administrative Aufwand.

Herbert Flatscher, Vorsitzender des Open Fiber Austria-Beirats: „Ein Netz ist nicht offen, weil es technisch zugänglich ist – es ist offen, wenn ein Internetanbieter darauf auch wirtschaftlich arbeiten kann. Wer Netze baut, braucht Anbieter, die sie mit Kunden füllen. Und denen muss man faire Preise, klare Verträge und Prozesse bieten, die nicht bremsen.“

Förderung wirkt über den einzelnen Anschluss hinaus

Bis Mitte 2026 wurden in Österreich rund 2,2 Milliarden Euro Fördermittel für den Breitbandausbau eingesetzt. Rund 319.600 Anschlüsse wurden gefördert errichtet – in denselben Gebieten entstanden zusätzlich rund 1,18 Millionen eigenwirtschaftliche Anschlüsse Laut der in der Marktstudie zitierten WIK-Analyse hat der geförderte Glasfaserausbau in Österreich bereits einen kumulierten Beitrag von mehr als 7,1 Milliarden Euro zum österreichischen Bruttoinlandsprodukt geleistet.

Wachutka: „Auf jeden geförderten Anschluss kommen im Schnitt dort fast vier eigenwirtschaftliche – die Förderung öffnet eine Region, der Markt baut sie weiter aus. Fällt dieser Anstoß 2027 weg, gerät auch der private Folgeausbau ins Stocken. Deshalb muss die Förderung dort weitergehen, wo der Markt allein nicht trägt.“

Nächste Schritte: Nutzung, Transparenz und klare Verantwortung

Für die OFAA kommt es in der nächsten Phase auf mehr Nutzung bestehender Netze, funktionierende Open – Access-Strukturen und starke Internetanbieter an. Zugleich will der Verband 2027 sichtbar machen, welche Netze offen sind und welche Anbieter darauf verfügbar sind – Wahlfreiheit nützt nur, wenn man sie kennt. Von der Politik fordert die OFAA eine gebündelte Zuständigkeit für Digitalisierung und der dafür notwendigen Infrastruktur.

Wachutka: „Glasfaser ist die Infrastruktur unserer digitalen Zukunft. Digitalisierung darf nicht zwischen unterschiedlichen Ressorts verloren gehen. Wir brauchen auf Bundesebene einen Verantwortlichen, bei dem die Fäden zusammenlaufen – es geht um die Infrastruktur, die Österreich in den kommenden Jahrzehnten tragen wird.“

Eine Woche später, am 11. November 2026, bringt die Open Fiber Austria beim Austrian FiberSummit in der Messe Dornbirn rund 500 Experten aus Telekommunikation, Wirtschaft und öffentlicher Hand zusammen; Jens Böcker stellt die Marktstudie dort dem Branchenpublikum vor.

INFOBOX

Open Fiber Austria (OFAA)
Die Open Fiber Austria setzt sich für leistbare, zuverlässige und flächendeckende Glasfaserinfrastruktur sowie für offene Netze, Wettbewerb und Wahlfreiheit ein. www.ofaa.at

OFAA-Marktstudie 2026
Erstellt von Prof. Dr. Jens Böcker (Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Geschäftsführer Böcker Ziemen GmbH), von Juli bis Oktober 2026: Sekundäranalyse des österreichischen Telekommunikationsmarkts bis Ende 2025 (u. a. RTR, Statistik Austria, Breitbandatlas), Befragung von 30 Marktteilnehmern mit Schwerpunkt Internetanbieter, Validierung durch Markt- und Branchenexperten.

Redaktion

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Fotos

APA/F.Jana Madzigon

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