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 Linz wird zum Testfeld für die intelligente Fabrik der Zukunft
v.l.: JKU-Rektor Stefan Koch, Landesrat Markus Achleitner, Landeshauptmann Thomas Stelzer, Innovationsminister Peter Hanke, SAL-CFO Isabel Tausendschön, UAR-Geschäftsführer Wilfried Enzenhofer
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Linz wird zum Testfeld für die intelligente Fabrik der Zukunft

Wie kommunizieren Maschinen, Roboter und Künstliche Intelligenz in der Fabrik von morgen? Mit einem neuen 5G/6G-Testbed in der LIT Factory an der Johannes Kepler Universität Linz schafft Silicon Austria Labs eine Forschungs- und Entwicklungsplattform, auf der Unternehmen neue Technologien unter realen Produktionsbedingungen erproben können. Damit soll Oberösterreichs Position als europäischer Hotspot für Industrial AI weiter gestärkt werden.

Die Fabrik der Zukunft ist vernetzt. Maschinen tauschen Daten aus, Roboter bewegen sich autonom durch Produktionshallen und Künstliche Intelligenz optimiert Abläufe in Echtzeit. Damit das funktioniert, braucht es vor allem eines: eine schnelle, sichere und zuverlässige Datenübertragung.

Genau hier setzt das neue 5G/6G-Testbed von Silicon Austria Labs (SAL) an. In der LIT Factory am Campus der Johannes Kepler Universität Linz wurde eine Forschungsinfrastruktur eröffnet, die moderne Mobilfunktechnologien mit Künstlicher Intelligenz, Robotik und industrieller Automatisierung verbindet.

Vorgestellt wurde das Testbed im Rahmen der ESBS Austria Conference 2026, die sich heuer dem Schwerpunktthema „Physical AI“ widmete – also der Integration von Künstlicher Intelligenz in Maschinen, Produktionsanlagen und andere reale Systeme.

Wo Forschung auf Industrie trifft

Auf rund 1.600 Quadratmetern Hallenfläche betreibt Silicon Austria Labs ein privates 5G-Standalone-Campusnetz. Industrieroboter, autonome mobile Robotersysteme, hochauflösende Kameras und moderne Ortungssysteme ermöglichen es, neue Anwendungen direkt unter realen Produktionsbedingungen zu testen.

Das Anwendungsspektrum reicht von der drahtlosen Echtzeitsteuerung von Robotern und fahrerlosen Transportsystemen über die Vernetzung intelligenter Sensoren bis hin zu digitalen Zwillingen und autonomen Produktionsprozessen.

Besonders ist dabei die Verbindung von Forschung und wirtschaftlicher Praxis. Unternehmen jeder Größe können gemeinsam mit den Expertinnen und Experten von SAL neue Technologien entwickeln, testen und bis zur Anwendung weiterführen.

„Das Testbed ist kein Schaulabor. Betriebe testen hier unter echten Produktionsbedingungen, bevor sie investieren. Als kaufmännische Geschäftsführerin ist mir wichtig, dass jeder Euro, der hier investiert wird, in der Wirtschaft ankommt“, erklärt Isabel Tausendschön, CFO von Silicon Austria Labs.

Von 5G zur nächsten Mobilfunkgeneration

Während 5G bereits heute die Vernetzung industrieller Anlagen ermöglicht, wird am Linzer Standort auch an den technologischen Grundlagen von 6G gearbeitet.

Dazu zählen KI-gestützte Funkmodelle, intelligente Netzwerksteuerung, neue Sicherheitskonzepte und die Entwicklung von 6G-Funkchips. In der LIT Factory befindet sich laut SAL zudem Österreichs einziges industrielles Testfeld, in dem Millimeterwellen-Technologien oberhalb von 24 Gigahertz unter realen Produktionsbedingungen eingesetzt werden.

Diese Technologien sollen künftig höhere Datenraten, kürzere Reaktionszeiten und neue Möglichkeiten in der Kommunikation, Sensorik und Lokalisierung ermöglichen.

Entstanden ist die Infrastruktur durch langjährige Forschungsarbeit und Kooperationen mit Industriepartnern wie LIWEST, Linz AG, Nokia, OMRON, Infineon, Magna und Agilox. Seit einer Anfangsinvestition von rund 300.000 Euro wurde das Testbed kontinuierlich weiterentwickelt.

Neue Chancen für heimische Unternehmen

Ein besonderes Augenmerk liegt auf kleinen und mittleren Unternehmen. Sie sollen Zugang zu modernen Kommunikations- und KI-Technologien erhalten, ohne selbst umfangreiche Testinfrastrukturen aufbauen zu müssen.

Förderprogramme und Co-Finanzierungsmodelle sollen den Einstieg erleichtern. Dazu zählen eine SAL-Co-Finanzierung von bis zu 50 Prozent sowie Fördermöglichkeiten über das European Digital Innovation Hubs Network und das Austrian Chips Competence Center.

„Die Stärke des Innovationsstandorts Oberösterreich liegt darin, Forschungsergebnisse rasch in die wirtschaftliche Praxis zu bringen. Denn Innovation ist dann erfolgreich, wenn sie in den Betrieben ankommt, neue Produkte ermöglicht, Prozesse verbessert und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen stärkt“, betont Wirtschafts- und Forschungslandesrat Markus Achleitner.

Linz baut seine Rolle als Technologie-Hotspot aus

Mit dem neuen Testbed soll auch der Forschungsstandort Linz weiter wachsen. Silicon Austria Labs beschäftigt hier derzeit rund 65 Mitarbeitende. Bis 2028 soll das Team auf bis zu 100 Personen erweitert werden.

Gemeinsam mit der Johannes Kepler Universität, der IT und Unternehmen wie Apple und Infineon entwickelt sich Linz zunehmend zu einem Forschungsstandort für Mobilfunk-, Radar- und Kommunikationstechnologien.

Auch auf Bundesebene sind weitere Investitionen vorgesehen. Innovationsminister Peter Hanke kündigte an, die Investitionen in Silicon Austria Labs in den Jahren 2027 bis 2029 gegenüber dem bisherigen Niveau um 25 Prozent steigern zu wollen.

„Was wir heute hier sehen, ist Industriepolitik, die man angreifen kann. Strategien entstehen am Papier, entscheidend ist, ob sie in den Betrieben ankommen. Mit dem 5G/6G-Testbed bekommen unsere Unternehmen Zugang zu Technologien, bevor diese am Markt sind. Unser Ziel ist klar: Österreich soll Schlüsseltechnologien selbst entwickeln und nicht nur zukaufen. So sichern wir Wertschöpfung und Hightech-Arbeitsplätze im eigenen Land“, sagt Hanke.

Das Testbed ist damit nicht nur ein weiterer Schritt in der Forschung an künftigen Mobilfunkgenerationen. Es soll vor allem den Weg verkürzen, den neue Technologien vom Labor bis in die industrielle Anwendung zurücklegen.

Redaktion

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