Auf gutem Grund
Ein eigenes Zuhause zu schaffen, ist eine der größten Entscheidungen im Leben. Doch bevor aus dem Wohntraum ein Grundriss und schließlich ein Haus wird, gilt es, viele Fragen zu beantworten: Wie wollen wir eigentlich leben? Was können wir uns leisten? Wie soll gebaut werden? Und was macht aus einem Haus am Ende wirklich ein Zuhause? Wir haben Expertinnen und Experten gefragt, worauf es auf dem Weg zum Eigenheim ankommt – und welche Entscheidungen man besser trifft, bevor der erste Stein gesetzt wird.
#1 Der Wunsch Wie wollen wir eigentlich leben?
Bevor die Fragen nach Grundstück, Finanzierung oder Bauweise kommen, steht eine noch grundlegendere Frage im Raum: Wie wollen wir eigentlich wohnen? Das zeigt die aktuelle, repräsentative Wohnbaustudie von INTEGRAL im Auftrag von Erste Bank und Sparkasse gemeinsam mit s REAL: Es gibt da viel weniger Einheit, als man denkt.
Nicht jeder träumt gleich_
56 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher würden gerne in Eigentum wohnen. Doch die Unterschiede sind erheblich. Im Burgenland träumen 77 Prozent vom Eigenheim, in Wien sind es nur 30 Prozent. Das Einfamilienhaus bleibt die Wunschform – 38 Prozent wollen genau das.
Eine Generationenfrage_
Die junge Generation Z plant mit 70 Prozent deutlich häufiger einen Umzug als ältere Menschen. Und sie brauchen Platz: 45 Prozent der Generation Y wünschen sich mehr Wohnfläche. Die Babyboomer denken anders – fast die Hälfte könnte sich vorstellen, kleiner zu wohnen.
Was wirklich zählt: Lage, Größe, Wohnkomfort_
Die Prioritäten sind klar. 86 Prozent nennen die Lage als entscheidend, 81 Prozent die Größe, 81 Prozent den Wohnkomfort. Was hingegen zu wenig im Fokus steht: Über die Hälfte ist unglücklich mit den Energiekosten und der Nachhaltigkeit des Gebäudes – oft aus Unwissenheit über Alternativen.
#2 Das Geld Was können wir uns wirklich leisten?
Der Wohntraum beginnt mit einem realistischen Finanzplan. Laut Patrick Buchegger, Wohnbauberater bei der Sparkasse OÖ, sollte zunächst geklärt werden, wie hoch Einkommen und Eigenkapital sind und welche monatliche Belastung langfristig tragbar ist. Auch Nebenkosten, laufende Kosten und finanzielle Reserven gehören in die Rechnung. Was sollte man vor dem Start wissen?
Früh planen_
Nicht erst über Finanzierung sprechen, wenn das Traumobjekt bereits gefunden ist. Ein frühes Beratungsgespräch hilft, den eigenen finanziellen Rahmen realistisch einzuschätzen.
Ganzheitlich rechnen_
Nicht nur die monatliche Kreditrate betrachten: Auch Nebenkosten, Betriebskosten, mögliche Sanierungen und finanzielle Reserven müssen berücksichtigt werden.
In die Zukunft denken_
Auch mögliche Veränderungen wie Familienzuwachs oder berufliche Veränderungen sollten in die finanzielle Planung einfließen.
#3 Der Bau Wie wird aus der Idee ein echtes Haus?
Der Weg zum eigenen Zuhause beginnt für Michael Platzer von WOLF Systembau mit grundlegenden Fragen: Wo soll gebaut werden? Für welche aktuelle und zukünftige Lebenssituation? Und welche Anforderungen gibt es an Räume, Größe, Stil und Architektur? Auch Budget und Fördermöglichkeiten sollten früh berücksichtigt werden. Und worauf kommt es beim Bauen an?
Ressourcen schonen_
Nachhaltiges Bauen beginnt bei der Wahl der Materialien, aber auch bei der Verarbeitung. Bei WOLF Systembau wird der Holzzuschnitt computeroptimiert, um möglichst wenig Verschnitt entstehen zu lassen. Anfallendes Material wird weiterverarbeitet oder als Hackschnitzel für die Biomasseheizung genutzt.
Kosten mitdenken_
Beim Hausbau entstehen Kosten nicht nur durch Material und Größe. Auch die Abstimmung verschiedener Gewerke und der Bauablauf spielen eine Rolle. Ein hoher Vorfertigungsgrad kann helfen, Schnittstellen zu reduzieren und den Ablauf überschaubar zu halten.
Bedürfnisse vorher klären_
Sich vorab Gedanken zu machen, eigene Skizzen anzufertigen und sich auszutauschen, macht das Beratungsgespräch einfacher. Diese Basis kann anschließend mit dem Know-how des ausführenden Unternehmens weiterentwickelt werden.
#4 Der Raum Wie wird aus einem Haus ein echtes Zuhause?
Ein Haus ist gebaut – aber wie wird es zum Zuhause? Wenn die Wände stehen, geht es um die Fragen, die oft unterschätzt werden: Wie nutze ich den Raum wirklich? Was macht ihn persönlich? Und wie schaffe ich ein Gefühl von Geborgenheit? Innenarchitektur und Design sind dabei nicht Luxus, sondern Werkzeug. Richard Haas von Kühberger & Haas, Experte für Raum und Design, weiß, worauf es ankommt.
Charakter vor Perfektion_
Ein Haus, in dem Menschen wirklich ankommen, hat Charakter und fühlt sich persönlich an – nicht ästhetisch perfekt, sondern echt. Dafür müssen die Menschen, ihre Bedürfnisse und ihre Geschichte wirklich verstanden werden. Erst die persönliche Verbindung macht ein Haus zum Zuhause.
Rückzugsorte schaffen_
Offene Bauweise und großzügige Glasflächen schaffen Weite – können aber Geborgenheit kosten. Bewusst geplante Rückzugszonen schaffen das Gleichgewicht. Ein geschützter Bereich mit Blick ins Grüne, gezielt eingesetztes Licht, natürliche Materialien: Das vermittelt Ruhe, ohne sich abgeschlossen anzufühlen.
Vom ersten Gespräch an_
Professionelle Begleitung von Anfang an ist entscheidend. Im Erstgespräch geht es um die Menschen selbst: Wie leben sie? Was ist ihnen wichtig – Familie, Freunde, Kochen, Garten, Hobbys? Es geht ums Detail, von Funktionalität über Beleuchtung bis zu Materialien. Oft sind es die kleinen Dinge, die später den großen Unterschied machen. _
Redaktion
- Zofia Wegrzecka
Fotos
Gettyimages / Nicolay Zaiarnyi / Chaiwat Nookleang / sergiophoto84; Sparkasse OOE; Wormsystems; Haas: Hoda Memaran



