Texte in Sekunden, Bilder auf Knopfdruck. Generative KI macht fast alles möglich. Doch was wird wichtiger, wenn Produzieren nichts mehr kostet? Die Creative Region hat fünf Expert:innen gefragt und fünf Mal dieselbe Antwort erhalten: Die neuen Möglichkeiten nehmen keine Entscheidungen ab, sondern verlangen mehr davon.
Bei „Future m[eats] Creativity?” im Ars Electronica Center Linz diskutierten fünf Expert:innen aus Technologie, Kulturanthropologie, Human-Computer-Interaction und Kreativwirtschaft. Ihr gemeinsamer Nenner: Je mehr Maschinen übernehmen, desto stärker sind Haltung und Urteilsvermögen gefragt.
Technologie-Analyst Sascha Pallenberg, früher bei Daimler für die digitale Transformation verantwortlich, sieht kaum noch seriöse Prognosen. Rechenleistung, Infrastruktur und Investitionen wachsen in außergewöhnlichem Tempo, mit neuen Machtfragen rund um die großen Anbieter. Sein Schluss: Je digitaler der Alltag, desto wertvoller wird der persönliche Austausch.
Kulturanthropologin Monika Jiang, Gründerin von „The Oneliness Project”, erinnert an Schopenhauers Stachelschweine, die Nähe suchen und sich dabei verletzen. Menschen wollen selbstbestimmt sein und doch dazugehören. Auch die Arbeitswelt braucht Beziehung: Begegnung entsteht nicht von selbst, sondern durch Orte und Rituale.
Christopher Frauenberger, Gründungsprofessor für Human-Computer-Interaction an der IT:U, fragt nicht, was KI kann, sondern was sie mit uns macht. Besonders sensibel wird es, wo Maschinen Empathie vortäuschen, etwa in der Pflege oder bei Kindern. Die gute Nachricht: Wie wir die Entwicklung gestalten, liegt bei uns.
Für Dörte Spengler-Ahrens, Chairwoman bei Jung von Matt und Präsidentin des Art Directors Club of Europe, fällt Durchschnitt der KI besonders leicht. Sie kann nachmachen, nicht neu machen. Christian Hellinger, Chief Creative Officer bei Scholz & Friends Wien und Präsident des Creativ Club Austria, sieht im Mittelmaß die größte Gefahr. Wenn Inhalte im Überfluss entstehen, werden Auswählen, Quellenkritik und Handwerk zur Schlüsselkompetenz.
Je einfacher Content entsteht, desto wichtiger werden Ideen, Urteilsvermögen und Kuration. Je mehr wir mit Maschinen kommunizieren, desto wertvoller werden echte Begegnungen. Und je tiefer KI in zutiefst menschliche Bereiche vordringt, desto dringlicher wird die Frage, welche Menschen wir sein wollen._
Nina Danninger
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