Rechtskräftig vereint
Was als Aufeinandertreffen von Anwälten anlässlich eines der größten heimischen Insolvenzverfahren begann, mündet nun in eine der schlagkräftigsten Wirtschaftskanzleien des Landes. Fritz Ecker, Christian Pindeus und Peter Vogl haben aus zwei eigenständigen Kanzleien ein gemeinsames Haus gebaut – mit 30 Juristen an vier Standorten. Wir haben mit den Partnern über Handschlagqualität und die Frage, was es in Zeiten von KI brauche, um in ihrer Branche erfolgreich zu sein, gesprochen.
Es ist eine Insolvenz, die Fritz Ecker, Christian Pindeus und Peter Vogl zusammengeführt hat. Nicht gerade der klassische Beginn einer Kanzleifusion. Bei der Sanierung von KTM lernten sich die drei Rechtsanwälte kennen und beschnupperten sich als Kollegen und Marktbegleiter. Was folgte, war zunächst rein fachliche Anerkennung. „Das Persönliche und das Fachliche haben gepasst, ebenso wie die Handschlagqualität“, bringt es Vogl auf den Punkt. Drei Zutaten, aus denen in der Zeit danach weit mehr wurde als eine berufliche Bekanntschaft.
Im Sommer 2025 starteten die ersten konkreten Gespräche über eine Kooperation. Im Herbst intensivierten sich die Verhandlungen, ausgelöst auch durch den Abschied von Wolfgang Puttinger aus der Rieder Kanzlei. Anfang August 2026 war es schließlich so weit: Das oberösterreichische Team von Oberhammer rund um Ecker und Pindeus verschmolz mit Puttinger Vogl zu Ecker Pindeus Vogl Rechtsanwält:innen –
einer der größten Wirtschaftskanzleien des Landes mit fünf Equity-Partnerinnen und -Partnern.
Kulturell, sagt Ecker, sei der Zusammenschluss überraschend reibungslos verlaufen. Beide Häuser bringen eine junge und offene Mannschaft mit. Besonders herausfordernd war vor allemdie Zusammenlegung von IT-Systemen, Anwaltssoftware und Mandantenstämmen – heikel in einer Branche, die mit hochsensiblen Daten arbeitet. Fachlich hingegen ergänzen sich die beiden Teams beinahe lehrbuchhaft: Transaktionen, M&A und Restrukturierung auf der einen, Arbeits- und Insolventsrecht sowie streitiges Wirtschafts- und Prozessrecht auf der anderen Seite.
Für Vogl, den Senior im Bund, ist genau das der Kern der Sache. Seit den Neunzigerjahren hat er den Wandel des Anwaltsberufs miterlebt und mitgestaltet. „Das Leben ist Wandlung, und das Berufsleben auch. Mit der Einstellung, dass alles schon immer so war, kommt man auch in unserer Branche nicht voran“, sagt er. Künstliche Intelligenz treibt diesen Wandel nun mit ungewohntem Tempo voran. Wo früher 20 Stunden Aktenstudium nötig waren, ehe ein erster Vertragsentwurf entstand, liefert die KI heute binnen Minuten eine Basis. Ecker sieht darin keine Bedrohung, sondern eine Frage der Resilienz: Wer fachlich, personell und im Klientenstamm breiter aufgestellt ist, übersteht den Umbruch leichter.
Diese Balance aus Größe und Beweglichkeit sehen beide als Vorteil. Vogl bringt es bildhaft auf den Punkt: kein unlenkbarer Tanker, aber auch keine kleine Jolle, die bei rauer See kentert. Diese Statur soll den insgesamt rund 50 Mitarbeitenden an den vier Standorten Wels, Ried, Salzburg und Wien Sicherheit geben und Mandantinnen und Mandanten ein Leistungsspektrum, das keine der beiden Kanzleien allein bieten könnte. Wichtig ist ihnen die Open-Door-Policy beider Häuser: Klarheit in der Ansprache, Eigenständigkeit im Arbeiten und die Erwartung, dass jeder die neuen KI-Werkzeuge nutzt, ohne die Verschwiegenheitspflicht aus den Augen zu verlieren. Christian Pindeus sieht darin auch einen Vorteil im Werben um junge Juristinnen und Juristen: Wer digital aufwächst, findet hier ein passendes Umfeld.
Nach innen richtet sich der Blick vorerst auf die standortübergreifende Projektarbeit: Teams aus beiden Häusern sollen künftig gemeinsam an Transaktionen, Gerichtsverfahren und Sanierungen arbeiten. Nach außen steht ein klares Ziel: In fünf Jahren will man zu den drei führenden Wirtschaftskanzleien Oberösterreichs zählen – inhaltlich, nicht zwingend nach Mitarbeiterzahl. Das Ziel stammt aus einem gemeinsamen Strategieprozess, den alle drei als prägende Erfahrung beschreiben. Vielleicht, weil er auf demselben Fundament fußt wie die Fusion selbst: Vertrauen, das im Kleinen begann und zu etwas Großem gewachsen ist. _
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Sabine Kneidinger, EPV