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 Freeda plant den Ausflug
v.l.: Heinz Gressenbauer, Chief Digital Officer Oberösterreich Tourismus, Michael Braun, geschäftsführender Vorstand Ostbayern Tourismus, Wirtschafts- und Tourismus-Landesrat Markus Achleitner und Stefan Mang, Geschäftsführer Institut CENTOURIS, Universität Passau
Schon gewusst

Freeda plant den Ausflug

21. September 2026

Wer heute Urlaub plant, öffnet zehn Browser-Tabs und vergleicht Öffnungszeiten, Wetter und Wanderwege. Oberösterreich und Ostbayern wollen das ändern. Drei Jahre Digitalisierungsoffensive haben rund 1.000 Betriebe fitter gemacht und eine KI-Reisebegleiterin hervorgebracht. Eine wissenschaftliche Studie zeigt, wie viel davon messbar angekommen ist.

Der Urlaub beginnt längst nicht mehr am Urlaubsort. Er beginnt auf dem Sofa, beim Scrollen, Vergleichen und Buchen, immer häufiger mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz. Wer als Tourismusregion in diesem Moment nicht gefunden wird, findet auch nicht statt. Genau hier setzt die „Digitalisierungsoffensive Ostbayern-Oberösterreich” an. Das Projekt läuft seit 2023 im EU-Förderprogramm INTERREG Bayern-Österreich und hat zwei Nachbarregionen zu einem interregionalen Doppelpass zusammengebracht. Für Wirtschafts- und Tourismus-Landesrat Markus Achleitner ist das mehr als ein Förderprojekt: „Grenzen überwinden, voneinander lernen und gemeinsam stärker werden – genau dafür steht Interreg.” Digitalisierung sei dabei „kein Selbstzweck, sondern ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Tourismusbetriebe und für ein zeitgemäßes Gästeservice”.

Erst messen, dann coachen

Am Anfang stand der „Digi-Check”. Das Institut CENTOURIS der Universität Passau nahm mehr als 5.300 touristische Betriebe in Ostbayern und Oberösterreich unter die Lupe. Untersucht wurden digitale Sichtbarkeit, Qualität der Webseiten, Online-Buchbarkeit und Vernetzung. Aus diesen Daten entstand eine Landkarte der Stärken und Lücken. Darauf aufbauend bekamen rund 1.000 Gastgeber und Erlebnisanbieter individuelle Coachings, vom regionalen Tourismusverband über Hotels bis zum kleinen Privatquartier. Michael Braun, geschäftsführender Vorstand des Tourismusverbands Ostbayern, beschreibt den Ansatz so: „Dabei ging es uns nicht um allgemeine Lösungen, sondern darum, jeden Betrieb individuell dort abzuholen, wo er gerade steht.” Ergänzt wird das Angebot durch eine E-Learning-Plattform, die über die Projektlaufzeit hinaus zur Verfügung steht, und durch regelmäßige Infoveranstaltungen zum Austausch. Wie sehr das ankommt, bestätigt auch die Praxis. Petra Riffert, Geschäftsführerin des TVB Donauregion Oberösterreich, sagt: „Durch die persönlichen Einzel-Coachings konnten wir individuell auf die Bedürfnisse jedes Betriebs eingehen und deren digitale Kompetenzen und Sichtbarkeit nachhaltig stärken.”

Interessant ist vor allem, wie die Wirkung gemessen wurde. In einem zweiten Digi-Check untersuchte CENTOURIS die gecoachten Betriebe erneut und verglich sie mit einer Gruppe, die keine Coachings erhalten hatte. So lassen sich allgemeine Trends herausrechnen und die Effekte der Begleitung sauber einordnen. Das Ergebnis: Die Fortschritte zeigen sich vor allem bei der Online-Buchbarkeit und der digitalen Kommunikation mit den Gästen. In Oberösterreich stieg der Anteil der Gastgeber mit Echtzeitbuchbarkeit über die eigene Website um 19 Prozentpunkte auf 43 Prozent. Auch Social-Media-Einbindung und Informationen zu Nachhaltigkeit entwickelten sich deutlich positiv. Bei den ostbayerischen Gastgebern gab es ebenfalls starke Zuwächse bei buchungsrelevanten Funktionen. Stefan Mang, Geschäftsführer von CENTOURIS, fasst die Kernbotschaft zusammen: „Die Ergebnisse zeigen, dass persönliche Begleitung einen Unterschied macht.”

Eine zweite Erkenntnis ist fast noch wichtiger. Viele Betriebe waren schon gut aufgestellt, andere starten mit ganz anderen Voraussetzungen und Zielen. Deshalb wurden die Angebote bewusst auf verschiedenen Niveaus ausgerichtet. „Unser Ziel war nicht, alle Betriebe über einen Kamm zu scheren”, betont Mang. Der gemeinsame Digitalisierungsmonitor macht nun sichtbar, wo künftig gezielte Unterstützung ansetzen kann. Ein Angebot, das online nicht überzeugt, wird kaum gebucht. Deshalb gehörte auch professioneller Bild- und Videocontent zum Programm, abgestimmt auf die jeweiligen Besonderheiten der Regionen. Heinz Gressenbauer, Chief Digital Officer von Oberösterreich Tourismus, bringt es auf den Punkt: „Ein gutes touristisches Angebot muss heute auch digital in guter Qualität erzählt werden.”

Freeda, die digitale Reisebegleiterin

Das sichtbarste Ergebnis trägt einen Namen: Freeda. Die KI-gestützte Reisebegleiterin für Oberösterreich und Ostbayern beantwortet keine Suchanfragen, sie macht Vorschläge. Der Gast gibt an, wann und wo er unterwegs ist und was ihn interessiert. Freeda berücksichtigt Standort, Zeitraum, Wetter, Öffnungszeiten und Saison und stellt in wenigen Sekunden persönliche Empfehlungen zusammen. Erlebnisse lassen sich speichern, auf der Karte anzeigen oder zu einem Tagesplan bündeln. Gressenbauer: „Der Gast muss nicht mehr wissen, wonach er konkret suchen soll.”

Das Fundament dafür wurde lange vor dem KI-Boom gelegt. Seit 2011 sammelt TOURDATA die Daten des oberösterreichischen Tourismus, heute rund 73.000 Einträge zu Unterkünften, Gastronomie, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen. Freeda greift ausschließlich auf diese geprüften Inhalte und auf das ostbayerische System mein.toubiz zurück. Die KI arbeitet im Hintergrund, sortiert und gewichtet das vorhandene Angebot und macht daraus individuelle Empfehlungen.

Flexibel ist die Reisebegleiterin auch: Ein Hotel kann seinen Gästen schon mit der Reservierungsbestätigung passende Erlebnisse in der Umgebung anbieten, eine Region kann Freeda in den eigenen Webauftritt integrieren. Für Braun liegt der Reiz im Alltagsnutzen: „Mit Freeda erreichen wir unsere Gäste dort, wo sie sich ohnehin informieren. Ohne zusätzliche App oder Download und ohne dass Betriebe ihre Inhalte ein zweites Mal pflegen müssen.”

Aus den Regionen kommt Zustimmung. Philipp Haas, Geschäftsführer des TVB Quellenviertel, sagt: „Mit Freeda bieten wir ihnen eine Lösung, die ihre Angebote zur richtigen Zeit bei den passenden Gästen sichtbar macht.” Und Markus Obermüller, Geschäftsführer des TVB Mühlviertel, stellt klar, dass Technik die Herzlichkeit nicht ersetzen soll: „Dabei ersetzt Freeda keinesfalls die persönliche Gastfreundschaft – sie ergänzt sie sinnvoll und begleitet unsere Gäste vor, während und auch nach ihrem Aufenthalt.”

Die Offensive ist kein Einzelfall. In der oberösterreichischen Landes-Tourismusstrategie 2030 ist „Smart, Digital und Innovativ” ein übergreifendes Handlungsprinzip. Der Innovationsgrad der Branche soll steigen, die digitalen Kompetenzen bei Verbänden und Betrieben sollen wachsen, vorhandene Daten besser nutzbar werden. Für Achleitner ist das Projekt in dieser Hinsicht „ein echtes Vorzeigeprojekt”. Es gehe darum, „neue Technologien und vorhandene Daten intelligent zu nutzen und daraus konkrete Verbesserungen für unsere Tourismuswirtschaft und unsere Gäste zu schaffen”. Die Botschaft an die Branche ist damit klar: Digitalisierung wirkt dort am besten, wo sie individuell begleitet wird und am Ende beim Gast ankommt.

Redaktion

  • Melanie Kashofer

Fotos

Land OÖ / Margot Haag

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