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 Neue Wasserstoff-Forschung für Oberösterreich
v.l.: Volker Fuchs, CEO & Eigentümer TEST-FUCHS Gruppe, Horst Bischof, Rektor TU Graz, Thomas Stelzer, Landeshauptmann Oberösterreich, Karin Tausz, Geschäftsführerin FFG, Gisele Amancio, CEO & Business Director HyCentA, Markus Achleitner, Wirtschafts- und Forschungs-Landesrat Oberösterreich, Christian Deleja-Hotko, Bürgermeister Enns, Wilfried Enzenhofer, Geschäftsführer UAR
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Neue Wasserstoff-Forschung für Oberösterreich

7. September 2026

In Enns entsteht eine Forschungsanlage, die es in dieser Form noch nicht gibt: Das Liquid Hydrogen Lab von HyCentA soll Flüssigwasserstoff für Industrie und Mobilität alltagstauglich machen und Oberösterreich damit ein Stück näher an die europäische Spitze der Wasserstoffforschung rücken.

Manche Zukunftstechnologien brauchen vor allem eines: einen Ort, an dem man sie unter realen Bedingungen ausprobieren kann. Genau diesen Ort baut das Hydrogen Research Center Austria (HyCentA) gerade in Enns. Mit dem Liquid Hydrogen Lab entsteht dort eine hochspezialisierte Forschungs- und Testinfrastruktur für Flüssigwasserstoff und kryogene Technologien – Baubescheid und Betriebsanlagengenehmigung liegen bereits vor, die Inbetriebnahme ist für das erste Quartal 2027 geplant. Rund 6,6 Millionen Euro fließen in das Projekt, das die bestehenden Aktivitäten von HyCentA am Hauptsitz in Graz um ein Feld erweitert, das bislang kaum jemand in dieser Tiefe erforscht: Wasserstoff im flüssigen, extrem kalten Zustand.

Dass ausgerechnet Oberösterreich zum Schauplatz dieser Erweiterung wird, ist kein Zufall. Als Bundesland mit einer hohen Dichte an Stahl-, Chemie-, Maschinenbau- und Fahrzeugindustrie gilt Wasserstoff hier längst als strategische Größe, nicht nur als technisches Detail. „Oberösterreich ist das industrielle Herz Österreichs und hier soll auch die Industrie der Zukunft entstehen. Mit dem Liquid Hydrogen Lab holen wir Spitzenforschung nach Enns und schaffen die Voraussetzungen, damit aus neuen Wasserstofftechnologien neue Anwendungen, Wertschöpfung und Arbeitsplätze werden“, sagt Landeshauptmann Thomas Stelzer. Für ihn ist klar, wo die Reise hingeht: „Wer morgen Industrieland Nummer eins sein will, muss heute bei den Zukunftstechnologien vorne dabei sein.“

Enns selbst punktet dabei mit handfesten Standortvorteilen – leistungsfähige Energie- und Logistikinfrastruktur, kurze Wege zu industriellen Anwendern und die Nähe zum bestehenden Wasserstoff-Ökosystem des Landes. Das Grundstück dafür stellt die Energie AG bereit, die Standortagentur Business Upper Austria hat die Evaluierung begleitet.

Ein Netzwerk, das Ländergrenzen überspringt

Möglich wird das Projekt nicht zuletzt durch Partnerschaften, die schon länger gewachsen sind. HyCentA ist am Campus der TU Graz beheimatet, forscht aber nun mit einem zweiten Standbein in Oberösterreich. TU-Graz-Rektor Horst Bischof ordnet das so ein: „Gemeinsam mit dem HyCentA hat die TU Graz ihre Wasserstoffinitiativen im Research Center ‘Green Hydrogen and Fuel Technologies’ gebündelt. Mit mehr als 300 Forschenden ist sie damit ein Top-3-Forschungsplayer in Europa. Mit dem Liquid Hydrogen Lab schaffen wir eine Forschungsinfrastruktur für Technologien, die bei der Transformation von Industrie und Mobilität eine wichtige Rolle spielen.“ Entscheidend sei, so Bischof weiter, Forschungserkenntnisse gemeinsam mit der Industrie rasch in konkrete Anwendungen zu überführen.

Auch die Upper Austrian Research sieht in dem neuen Standort die Fortsetzung einer bewährten Zusammenarbeit. „Dieser Anlass steht nicht nur für den Ausbau einer Forschungsinfrastruktur, sondern auch für eine erfolgreiche Zusammenarbeit über Bundesländergrenzen hinweg“, erklärt Geschäftsführer Wilfried Enzenhofer und verweist auf die langjährige, vertrauensvolle Partnerschaft mit der TU Graz über das UAR Innovation Network.

Für Wirtschafts- und Forschungslandesrat Markus Achleitner fügt sich das Projekt nahtlos in die Wasserstoff-Offensive OÖ 2030 ein: „Mit dem neuen HyCentA-Standort und dem Liquid Hydrogen Lab setzen wir einen weiteren zentralen Meilenstein unserer Wasserstoff-Offensive OÖ 2030 um. Das LHL verschafft Unternehmen Zugang zu modernster Test- und Entwicklungsinfrastruktur und schafft ideale Voraussetzungen, um innovative Wasserstofftechnologien rasch in industrielle Anwendungen zu überführen.“ Damit stärke man Oberösterreichs Position als führenden Wasserstoff- und Innovationsstandort Europas, so Achleitner, der das Vorhaben auch europäisch verortet: Über das Leuchtturmprojekt HI2 Valley, das Kärnten, die Steiermark und Oberösterreich zu einem gemeinsamen Wasserstoffraum verbindet, arbeiten 44 Unternehmen und Institutionen entlang der Wertschöpfungskette zusammen. „Mit HI2 Valley gestalten wir gemeinsam mit unseren Partnerregionen die europäische Wasserstoffzukunft aktiv mit“, sagt er.

Auf Bundesebene sichert die Forschungsförderungsgesellschaft FFG einen wesentlichen Teil der Finanzierung: 5 Millionen Euro fließen im Rahmen der F&E-Infrastrukturförderung Energieforschung 2024. FFG-Geschäftsführerin Karin Tausz betont, warum das mehr ist als reine Förderpolitik: „Für zukünftige emissionsfreie Mobilitätslösungen müssen neue Technologien nicht nur entwickelt, sondern auch unter anspruchsvollen und realitätsnahen Bedingungen erprobt werden können. Mit Forschungsinfrastrukturen wie dem Liquid Hydrogen Lab schaffen wir dafür wichtige Voraussetzungen.“ 

Forschung bei minus 253 Grad

Was in Enns konkret entsteht, liest sich wie eine Liste physikalischer Grenzerfahrungen: Flüssigwasserstoff wird bei rund minus 253 Grad Celsius gelagert – Bedingungen, die an Werkstoffe, Bauteile und ganze Systeme besondere Anforderungen stellen. Herzstück der neuen Anlage ist ein stationärer Flüssigwasserstofftank mit einer Kapazität von rund 4.400 Kilogramm LH₂, aus dem Massenströme von mehr als 5.000 Kilogramm pro Stunde bereitgestellt werden können. Ein zusätzlicher Konditionierbehälter erlaubt Versuche bei Drücken bis 36 bar. Ergänzt wird die experimentelle Infrastruktur durch eine virtuelle Entwicklungsumgebung für 3D-CFD-Simulationen und digitale Zwillinge – Forschung also, die zwischen Tieftemperaturlabor und Computermodell pendelt.

Für HyCentA-Chefin Gisele Amancio ist das die logische Weiterentwicklung der eigenen Arbeit: „Mit dem Liquid Hydrogen Lab erweitern wir unsere bestehenden Forschungsaktivitäten in Graz um den Bereich Flüssigwasserstoff. Wir wollen Unternehmen und wissenschaftlichen Partner:innen eine Infrastruktur bieten, in der neue Materialien, Komponenten und komplette Systeme unter realitätsnahen industriellen Bedingungen entwickelt, untersucht und validiert werden können.“ Drei Mitarbeitende sollen von Beginn an vor Ort tätig sein, erste nationale und europäische Forschungsprojekte sind bereits gesichert. Amancio sieht darin mehr als eine technische Ergänzung: „Durch die Kombination aus experimenteller Testinfrastruktur, Prüfmöglichkeiten für größere Systeme und digitaler Entwicklungsumgebung entsteht mit dem Liquid Hydrogen Lab eine in Europa einzigartige Plattform für Forschung, Entwicklung und industrielle Innovation im Bereich Flüssigwasserstoff.“

Profitieren sollen davon nicht nur klassische Industriezweige, sondern gerade jene Bereiche, in denen Elektrifizierung an ihre Grenzen stößt: Luftfahrt, Schifffahrt und Schwerverkehr. „Flüssigwasserstoff eröffnet neue Möglichkeiten etwa in der Luftfahrt, der Schifffahrt und im Schwerverkehr. Entscheidend ist, dass aus Forschung auch Anwendung wird“, bringt es Landeshauptmann Stelzer auf den Punkt.

Redaktion

  • Melanie Kashofer

Fotos

Land OÖ / Max Mayrhofer

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