Die Mutmacherin.
Kein Erbe. Kein unternehmerischer Background. Keine finanzielle Rückendeckung von der Familie. Stattdessen: ein Vollzeitjob, ein BWL-Studium – und die Überzeugung, dass sie irgendwann ihr eigenes Ding machen wird. Im Herbst 2025 hat Laura Kolmer das G2 Studio gegründet, eine Reformer-Pilates-Boutique. Am Reformer entscheidet der richtige Zug. Im Unternehmertum auch. Fünf Züge von jemandem, der den Sprung gewagt hat. Ohne Netz. Aber mit Plan.
Pink. Die Wände sprechen eine klare Sprache, noch bevor Laura Kolmer auch nur ein Wort gesagt hat. Zwölf Reformer-Geräte stehen in Reih und Glied – mehr als zwei Meter lang, auf Schienen gleitend, vielseitig wie kaum ein anderes Trainingsgerät. Und mittendrin: eine 27-jährige Unternehmerin und Pilatestrainerin. Das ist Laura Kolmer alias Lori. Gründerin. Inhaberin. Trainerin. Buchhalterin. Social-Media-Managerin. Reinigungskraft. Alles in einer Person – und sie würde es nicht anders haben wollen.
1. Zug Setz dich hin. Schreib deinen Businessplan
Nicht als Pflichtübung. Als Fundament. Als Lori zur Startrampe ging, einer Gründungsberatung für Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer, brachte sie keine grobe Idee mit. Sondern 20 Seiten. Durchgerechnet. Aufgestellt. Finanzplan, Marktanalyse, Kostenkalkulation. „So gut vorbereitet kommt normalerweise niemand“, bekam sie zu hören. Das Ergebnis? Eine passende Förderung. Der Businessplan war für sie keine Bürokratie. Er war ihr Schlüssel.
2. Zug Kenne deine Zahlen – bevor sie dich kennen
„Finanzen sind sehr, sehr wichtig. Das vergessen viele.“ Lori studierte Betriebswirtschaftslehre an der Johannes Kepler Universität Linz – neben dem Vollzeitjob, neben der Pilatesausbildung, neben allem anderen. Was sie daraus mitgenommen hat, ist mehr als ein Abschlusszeugnis. Es ist das Handwerkszeug: strategisches Denken, Finanzplanung, das ruhige Auftreten vor anderen. Als Assistentin der Geschäftsführung – zuerst bei LeitnerLeitner, dann bei Raiffeisen-IMPULS-Leasing – lernte sie, was keine Vorlesung lehren kann: lösungsorientiertes Arbeiten, schnelles Reagieren, einen kühlen Kopf behalten, wenn das Wasser buchstäblich nicht aufhört zu laufen. „Das lernst du im Studium nicht. Das passiert während der Arbeit.“
3. Zug Sei dein USP
Pink – das war keine Laune. Das war Absicht. „Ich bin sehr echt, sehr natürlich. Ein bisschen anders.“ Lori hat ihr Studio ganz nach ihrer Persönlichkeit gestaltet, weil sie verstanden hat: Die Menschen kommen nicht ins G2 Studio. Sie kommen zu ihr. Sie kennt ihre Kundinnen mit Namen. Sie kennt ihre Geschichten. Jede Einheit ist individuell angepasst und persönlich. Das lässt sich nicht skalieren, nicht verdoppeln, nicht franchisen. Und genau das ist die Stärke. „Wenn sich jemand bei mir nicht wohlfühlt, dann bin ich nicht die richtige Person.“
4. Zug Fang jetzt an. Nicht irgendwann
Es war ein Frühling. Kein besonderer – und doch. Denn da war der Moment, in dem Lori auf einem Reformer trainierte und zum ersten Mal dachte: Das ist es. Ich kann das. Es macht mir Spaß. Warum kann ich kein eigenes Studio haben? Nicht die perfekte Ausgangssituation. Noch kein abgeschlossenes Studium. Noch kein freier Kalender. Aber die Überzeugung – die war da. „Man muss nicht seinen Vollzeitjob aufgeben, um anzufangen.“ Sie hat nebenher begonnen. Zuerst als Trainerin, dann als Gründerin. Vom Frühling bis zum Herbst – und dann stand sie in ihrem eigenen Studio. Pink. Rosarot. Fertig.
5. Zug Scheitern ist kein Ende. Es ist ein Kapitel
„Wenn es nicht funktioniert, dann probierst du es wieder.“ Lori sagt das fast beiläufig. Als wäre es selbstverständlich. Dabei steckt dahinter eine Haltung, die nicht viele haben. Die Frage „Was wäre, wenn?“ sei das Schlimmste, was man im Leben mit sich tragen könne. Ja – manche Entscheidungen kosten Geld. Manche Pläne gehen nicht auf, Möbel kommen zu spät, Heizkörper lecken im ungünstigsten Moment. Aber wer die Älteste von sechs Kindern ist und gelernt hat, Verantwortung zu tragen, bevor man überhaupt weiß, was das Wort bedeutet, die erschüttert das nicht. „Es ist nur Geld. Geld verdient man wieder.“ Was bleibt: Erfahrung. Wissen. Und der Beweis, dass man es wagen kann._
Redaktion
- Susanna Winkelhofer
Fotos
Carmen Hehenberger