Irgendwann ist jetzt
Eine Panchakarma-Kur stand schon lange auf der Bucketlist. Dann kam das Home of Ayurveda somamed. Und plötzlich war das „Irgendwann“ nicht mehr weit weg – sondern 50 Minuten entfernt. Ein Erfahrungsbericht.
Manche Träume trägt man lange mit sich. Man schiebt sie vor sich her. Wenn die Kinder groß sind. Wenn man sich wirklich mal drei Wochen freinehmen kann. Wenn Indien im Kalender steht.
Eine Panchakarma-Kur war so ein Traum
Jahrtausendealtes Wissen. Ganzheitliche Reinigung. Körper, Geist und Seele wieder in Einklang bringen. Das alles klang wunderschön – und sehr, sehr weit entfernt. Und dann hörte ich vom Home of Ayurveda somamed, einem Zentrum für Maharishi Ayurveda und ganzheitliche Medizin. 50 Minuten von Linz entfernt, im Hausruckviertel. Mein „Irgendwann“ war im Jänner. Und es war das Beste, das ich mir seit Langem geschenkt habe.
Ankommen
Am ersten Abend gibt es eine Reissuppe – einfach, aber köstlich. Und genau das Richtige nach dem sogenannten Ausleitungstag, aber dazu später. Wir sind nur fünf Gäste – es gibt ja auch nur fünf Zimmer. Und wir alle sind da, um auszumisten. Jedenfalls erklärt der Gründer des somamed, Allgemeinmediziner und Ayurveda-Pionier Dr. Wolfgang Schachinger, Gesundheit gerne damit: „Wir leben alle in Häusern und sind bemüht, sie sauber zu halten. Da saugt man Staub, wäscht die Wäsche. Und so ein-, zweimal im Jahr macht man es gründlicher. Man reinigt auch die Ecken, wo man sonst nicht so genau hinkommt. Entrümpelt. Befreit das Haus vom Ballast.“
Genau das passiere bei einer Panchakarma-Kur mit unserem Körper. Das Unverdaute, das sich ansammelt – im Ayurveda nennt man es Ama – ist nicht nur das, was wir gegessen haben. Es sind auch Sorgen, Ängste, Traumata, die man vielleicht schon Jahrzehnte mit sich trägt. Sinneseindrücke, die nie verarbeitet wurden. Mikroplastik, Pestizide, das, was durch die Welt schwirrt und sich leise im Körper ansammelt. „Ayurvedische Reinigungskuren nehmen fettlösliche Substanzen her, um fettlösliche Toxine wieder aus dem Körper zu beseitigen“, sagt Schachinger. „Das ist etwas unglaublich Gutes, was jung und frisch hält.“ Die Panchakarma-Kur ist die Königsdisziplin dieser Reinigung.
Die Vorkur: Einfacher als gedacht
Wer möchte, kann auch drei Wochen im somamed verbringen – die meisten machen aber die erste Woche Vorkur und die dritte Woche Aufbau von zuhause aus. Und das ist auch gar nicht kompliziert. Zunächst das Vorgespräch per Videocall mit Dr. Schachinger, dann kommt das Paket – eine kleine Schachtel mit Kräuterpresslingen, einem individuell zusammengestellten Plan, klaren Anleitungen. Und die Webinare: sympathisch, informativ, spannend zum Anschauen. Tag für Tag wird man durchgeführt. Am Samstag dann der Ausleitungstag. Und am Sonntagnachmittag geht’s schon los –
im nach vedischen Prinzipien erbauten Haus, das im Hausruckviertel auf einer Anhöhe steht und dessen Atmosphäre sich auf fast wundersame Art und Weise sofort auf einen selbst überträgt: Plötzlich ist alles ruhig.
Vata, Pitta, Kapha – und was das mit uns macht
Am ersten Tag macht Dr. Schachinger eine Pulsdiagnose. Er legt drei Finger ans Handgelenk, schließt die Augen – und liest. Was er liest, sind die drei Doshas: Vata, Pitta, Kapha. Die drei Grundenergien, aus denen laut Ayurveda jeder Mensch zusammengesetzt ist. Vata steht für Luft und Raum – die quirligen, schlanken, beweglichen Menschen. Pitta für Feuer – ehrgeizig, sportlich, leidenschaftlich. Kapha für Erde und Wasser – beständig, gemütlich, mit einer Tendenz zu Stoffwechselthemen. Jeder von uns trägt alle drei in sich. Nur in unterschiedlichen Ausprägungen. Und wenn ein Dosha aus dem Gleichgewicht gerät – oft lange, bevor man das selbst bemerkt –, dann beginnt, was Schachinger die sechs Stadien der Krankheitsentwicklung nennt. „Bis jemand Bluthochdruck oder einen Herzinfarkt hat, vergehen viele Jahre. Wenn man regelmäßig zur Pulsdiagnose kommt, hat man gute Chancen, organische Krankheiten schon vorweg zu verhindern.“
Der Ayurveda setzt dort an, wo die Schulmedizin noch nicht hinschaut. „Der Fokus der modernen Medizin liegt immer auf Krankheiten“, sagt Schachinger, „während unser
Fokus immer auf Gesundheit liegt. Vermehrung von Gesundheit, Harmonisierung der Körperenergien, Verbesserung der Vitalität jeder einzelnen Zelle.“ Das bedeutet nicht, dass er die Schulmedizin ablehnt, im Gegenteil. „Das Wunderbare ist, dass Ayurveda kompatibel mit allen anderen Medizinsystemen ist.“ Im somamed kann man daher auch ein Blutbild machen lassen, bekommt bei Bedarf Infusionen, und ein eigenes Vitalstofflabor gibt es hier auch.
WISSENSSPRUNG
Das sagt der Ayurveda
Was ist Panchakarma?_Die Königsdisziplin der ayurvedischen Reinigung. Eine ganzheitliche Kur, die Körper, Geist und Seele von angesammeltem Ama (Unverdautem –
körperlich wie mental) befreit. Äußere Anwendungen und innere Reinigung greifen ineinander. Sie dauert idealerweise drei Wochen: eine Vorkur zu Hause, eine Woche stationär und eine Nachkur.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?_
„Wir sollten unseren Körper reinigen wie unser Haus“, sagt Dr. Schachinger. „Und ein-, zweimal im Jahr gründlich.“ Eine Detoxkur zu Hause ist auch ohne stationären Aufenthalt möglich. Panchakarma ist die Vertiefung. Nicht nur in weiter Ferne, auch in Österreich kann man authentische Ayurveda-Kuren machen – das somamed hat sich auf individuelle Kuren und die Verbindung mit moderner Medizin spezialisiert.
Die Behandlungen: Eintauchen in eine andere Zeit
Pizzichili. Vishesh. Marma. So und so ähnlich heißen die Behandlungen hier – etwa vier bis fünf hat man pro Tag. Darunter der berühmte Stirnguss. Und dann gibt es noch eine Thermalwasserwanne und Öleinläufe, die sich schlimmer anhören, als sie sind. Jeden Tag mindestens vier Stunden Therapie. Jeden Tag eine Arztkonsultation. Und jeden Tag zwei Therapeutinnen oder Therapeuten pro Gast, die synchron, einfühlsam und hochpräzise arbeiten.
Von Stunde zu Stunde merkt man, wie das Nervensystem sich beruhigt. Das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis einer Behandlung, die von der äußeren Oberfläche – der Haut, den Reflexpunkten – bis zur inneren Oberfläche, dem Magen-Darm-Trakt, den Körper in Harmonie bringt. Schachinger erklärt das so: „Der Dickdarm ist laut Ayurveda der Sitz von Vata.“ Und alle Menschen heutzutage haben sehr viel Vata – durch die Schnelllebigkeit der Zeit. Durch das Vata altern wir. Durch das Vata entstehen nervöse Erkrankungen. „Diese therapeutischen Einläufe in den Dickdarm bewirken, dass Vata gereinigt, in Balance gebracht wird – und dadurch die Nervenkraft und innere Stabilität gefördert werden.“
Was bleibt, wenn der Ballast geht
Und dann ist da noch die Küche. Die ayurve-
dische Küche im somamed. Auf jede Mahlzeit habe ich mich gefreut. Und nach dem Rezept gefragt. Aber es ging nicht nur um die Speise an sich, sondern auch darum, wie wir sie zu uns nehmen. Gesund ernährt habe ich mich immer schon. Das „Was“ war nie mein Thema. Aber das „Wie“ – viel zu schnell, nebenbei, zu sehr zwischen
E-Mails und Terminen. Im somamed habe ich das bewusste Genießen wieder gelernt. Seither spüre ich viel deutlicher, was mir guttut und was nicht. Dazu brauche ich keine Unverträglichkeitstests mehr, die mich früher nur gestresst
haben.
Das beschreibt Schachinger als das Wiederherstellen des Agni – des Verdauungsfeuers. „Wir spüren, dass wir ein gutes Verdauungsfeuer haben, wenn wir ein kräftiges Hungergefühl erfahren. Dann können wir die Nahrung gut verarbeiten.“ Pausen. Kauen. Reinigen. Das klingt nach wenig. Aber wer im somamed war, weiß: Es ist das Fundament von allem. Das Feuer füttern, aber nicht ersticken. Warten, bis es wieder brennt. Dann erst die nächste Mahlzeit. Einfache Bilder für tiefes Wissen. Das ist vielleicht das Größte, das ich von dieser Woche mitgenommen habe.
Alle fünf Gäste haben nach dieser Woche beschlossen: nächstes Jahr wieder. Was bleibt, wenn man geht? Schachinger fragt seine Patienten am letzten Tag immer: „Was ist anders?“ Die Antwort ist meistens dieselbe: „Ich fühle mich wieder klar und ruhig. Ich bin wieder zufrieden. Mir geht es gut. Die Haut strahlt, alles fühlt sich so leicht an.“ Pauschal klingt das fast zu einfach. Aber wer es selbst gefühlt hat, weiß: Es ist alles andere als selbstverständlich._
Redaktion
- Susanna Winkelhofer
Fotos
Heldentheater, Somamed, Walter Luttenberger

