Digital, vernetzt, zukunftsfit
Homeoffice, KI, Smarthome: Der Bandbreitenbedarf wächst exponentiell. Thomas Matthey, kaufmännischer Geschäftsführer der BBOÖ Breitband Oberösterreich, und Stefan Hutter, Geschäftsführer der WSG, erzählen, warum Glasfaser kein Luxus, sondern ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit des Wohnens ist.
Es sind nicht mehr nur Lage, Architektur und Energiekennzahlen, die über die Qualität einer Immobilie entscheiden. Unsichtbar hinter Wänden und unter Straßen wächst eine Infrastruktur, die über Arbeitsmodelle, Lebensqualität und Standortattraktivität bestimmt: Glasfaser. Was vor wenigen Jahren noch als technisches Upgrade galt, ist heute selbstverständlicher Teil moderner Wohnprojekte. „Das wird mittlerweile vorausgesetzt“, sagt Stefan Hutter, Geschäftsführer der WSG. So selbstverständlich wie WLAN im Hotel sei heute die leistungsfähige Anbindung in den eigenen vier Wänden.
Doch hinter dem unscheinbaren Kabel steckt ein komplexes Zusammenspiel aus Gemeinden, Bauträgern, Netzbetreibern und Förderstellen. Thomas Matthey, kaufmännischer Geschäftsführer der BBOÖ Breitband Oberösterreich, bringt es auf den Punkt: „Die größte Synergie entsteht, wenn alle frühzeitig zusammenarbeiten.“ Leerrohre, Technikräume, Grabungsarbeiten – wer das bereits in der Planungsphase koordiniert, spart erheblich. Gerade im Neubau habe sich dieser Schulterschluss längst etabliert.
Rückenwind kommt auch aus Brüssel. Der Gigabit Infrastructure Act (GIA) schreibt vor, dass mehrgeschossige Neubauten künftig „FTTH-ready“ errichtet werden müssen – glasfaserfähig bis in die Wohnung. Auch umfassende Sanierungen sollen die nötige Infrastruktur mitdenken. Das Ziel: flächendeckende Gigabitnetze bis 2030. Für Matthey ist das ein folgerichtiger Schritt. Denn moderne Dienste wie KI, Cloud, VR oder Datenräume erfordern leistungsfähige Netze. Der GIA unterstützt die Verbesserung der Konnektivität für Haushalte deutlich.
Ein Faktor der Lebensqualität
Ein Wettbewerbsvorteil der BBOÖ liegt im sogenannten Open-Access-Modell. Ein Anschluss, 25 Provider zur Wahl. Mieterinnen und Mieter entscheiden selbst, welchen Anbieter sie nutzen, und können wechseln, wann immer sie möchten, ohne technische Umbauten. „Wir wollten in unseren Wohnungen immer mindestens zwei Anbieter haben“, sagt Hutter. „Jetzt bringen wir über ein Kabel 25 ins Haus.“ Für die Wohnungswirtschaft bedeutet das Unabhängigkeit, für Nutzende echte Wahlfreiheit. Besonders deutlich wird die Bedeutung leistungsfähiger Netze im ländlichen Raum. Homeoffice wird hier zum Standortfaktor. Je weiter entfernt vom Zentralraum, desto größer der Mehrwert stabiler Verbindungen. VPN-Zugänge, Videokonferenzen, Streaming – all das braucht Bandbreite und vor allem Stabilität. Gleichzeitig verzeichnen viele Landgemeinden wieder Zuzug. Vereinskultur, Lebensqualität und die Möglichkeit, nicht täglich pendeln zu müssen, machen sie attraktiv. Glasfaser wird so zur Verbindung zwischen Dorfplatz und Berufsleben.
Mehr Daten, mehr Ansprüche
Außerdem wächst der Bandbreitenbedarf exponentiell: Er verdoppelt sich etwa alle 18 Monate. Glasfaser gilt als die Technologie, die dieser Anforderung langfristig gewachsen ist, und punktet nebenbei als besonders energieeffiziente Übertragungstechnologie. Kein unwichtiges Argument in Zeiten wachsender Nachhaltigkeitsansprüche. Im Neubau sei die technische Umsetzung bereits weitgehend Routine, berichten die beiden. Anders im ländlichen Raum: In sogenannten „weißen Flecken“, wo weniger als 100 Mbit verfügbar sind, rechnet sich der Ausbau wirtschaftlich oft nicht. Hier bleiben Fördermittel und politische Rahmenbedingungen entscheidend, um gleichwertige Verhältnisse zu schaffen, so Matthey.
Glasfaser verändert keine Grundrisse. Aber sie verändert, was Menschen von einem Zuhause erwarten und damit auch, was Immobilien langfristig wert sind. Breitband ist damit nicht nur Infrastruktur, sondern ein Stück digitale Lebensqualität. Oder, wie es Hutter formuliert: „Es ist die Technologie, die sich durchgesetzt hat. Es gibt keine Alternative mehr.“_
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Sabine Kneidinger