10 Fragen an…
… Stefan Reichhart. Während jedes andere Autohaus digitaler, schneller und anonymer wird, setzt Stefan Reichhart mit The Car Loft auf persönliche Beratung, Stil und echte Nähe zum Kunden – und macht es damit anders als der Rest. Wie er diesen Weg seit sechs Jahren erfolgreich fährt und was er in seiner Unternehmerlaufbahn gelernt hat, das haben wir ihn gefragt.
Es ist ein typischer Oktobertag: Draußen prasselt der Regen auf das Dach, drinnen hingegen ist es warm und gemütlich. Wir lassen uns auf der Ledercouch nieder, jeder mit einem heißen Kaffee in der Hand. Das monotone Trommeln des Regens wird zum angenehmen Hintergrundgeräusch.
Die große Halle wirkt fast wie ein Wohnzimmer für Autos: Jedes Fahrzeug ist sorgfältig ausgewählt und perfekt in Szene gesetzt. In einer Ecke steht ein kleiner Tischtennistisch. Daneben: ein Kinderauto mit The-Car-Loft-Logo am hinteren Teil. Das gehört Stefan Reichharts achtjährigem Sohn Mateo, der ab und zu seinen Papa in der Arbeit besucht, wie wir erfahren. Stefan selbst spiegelt die Atmosphäre seines Autohauses wider: ruhig und überlegt, bodenständig und ehrgeizig zugleich. Sechs Jahre ist es her, dass er The Car Loft gegründet hat. Sechs Jahre voller Erfolge, Herausforderungen und jeder Menge Erfahrungen. An diesem regnerischen Oktobertag sprechen wir mit ihm über Unternehmertum, Rückschläge und die Kunst, gelassen zu bleiben.
#1 Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde, dass du für dich selbst arbeiten möchtest?
Stefan Reichhart: Nach meinem Studium habe ich anfangs überlegt, ob ich lieber irgendwo eine leitende Position übernehme oder ob ich mich selbstständig mache. Natürlich hat beides Vor- und Nachteile. Ich bin ziemlich ehrgeizig und ambitioniert. Im Endeffekt war für mich schnell klar, dass ich eher der Typ bin, der viel arbeitet und das lieber für sich selbst tut – auch wenn es Phasen gibt, in denen es nicht einfach ist und man komplett auf sich gestellt ist. Das gehört dazu. In den letzten Jahren gab es sicher Momente, in denen ich mir gedacht habe: Angestellt zu sein wäre jetzt vielleicht sicherer oder entspannter. Aber die Freiheit, die ich durch die Selbstständigkeit habe, ist es wert.
#2 Hast du dir das Unternehmertum anders vorgestellt?
Stefan Reichhart: Ja, ein bisschen schon. Vor allem in Österreich ist es nicht super easy. Es gibt viel Bürokratie und unzählige Steuern, die man zahlen muss, die keiner wirklich versteht. Da ist man manchmal schon sprachlos. Es sind einfach viele Hürden da, und es wird einem von vielen Seiten nicht leicht gemacht.
#3 Wenn du heute noch einmal gründen würdest – gibt es etwas, das du anders machen würdest?
Stefan Reichhart: Natürlich macht man Erfahrungen und lernt aus Fehlern. Jeder Unternehmer muss bereit sein, auch manchmal mehr Risiko einzugehen als ein normaler Angestellter. Und vielleicht bin ich in der Vergangenheit teilweise ein bisschen zu viel Risiko eingegangen. Da ist man im Nachhinein immer gescheiter. Aber letztendlich ist die Makroökonomie etwas, das du nicht beeinflussen oder vorhersehen kannst. Natürlich kann man sich Gedanken machen, aber in die Zukunft schauen kann keiner.
#4 Du hast ein Wirtschaftsstudium abgeschlossen. Hat dir das in deiner Unternehmerlaufbahn geholfen?
Stefan Reichhart: Ich denke schon. Ich war immer sehr wirtschaftsinteressiert. Ich investiere auch gern in andere Bereiche oder in Aktien. Das Studium hat sicher nicht geschadet. Man lernt Organisation, Selbstständigkeit und baut ein breites Wissen auf. Es hilft, manche Entscheidungen besser zu verstehen. Und man weiß ja nie, was noch kommt. Das, was man gelernt hat, kann einem keiner nehmen.
#5 Wann hattest du das Gefühl, dass es mit The Car Loft wirklich läuft?
Stefan Reichhart: So richtig sicher ist man sich nie. Du denkst im zweiten Jahr, es funktioniert super, und dann wird das dritte Jahr wieder schwierig. Jedes Jahr bringt neue Risiken, man muss sich ständig neu aufstellen und immer in Bewegung bleiben. Das ist das Herausfordernde, aber auch das Spannende an meinem Job.
#6 Du hast aktuell drei Mitarbeitende. Was macht für dich gute Führung aus?
Stefan Reichhart: Auf jeden Fall Zuverlässigkeit, Motivation und Respekt. Da wir ein kleines Team sind, bin ich die direkte Ansprechperson für alle meine Mitarbeitenden. Das bringt sehr viel Verantwortung mit sich. Ich schaue aber, dass alles zuverlässig erledigt wird, dass ich auf Anliegen eingehe und Versprechen halte. In einem kleinen Team merkt man sofort, wenn etwas nicht funktioniert.
#7 Gab es Momente, in denen du kurz davor warst, alles hinzuschmeißen?
Stefan Reichhart: Man hat immer wieder schlechte Phasen, aber Aufgeben war für mich nie eine Option. Vor allem, als die Zinsen stark gestiegen sind und die Preise gefallen sind, war das finanziell nicht lustig. Aber man kann nicht einfach sagen, man hört auf, man ist ja selbst verantwortlich für alles. Man muss schauen, dass man aus schwierigen Phasen wieder rauskommt. Idealerweise gestärkt.
#8 Und wie schafft man es, mit diesen Rückschlägen gut umzugehen?
Stefan Reichhart: Man darf den Glauben nicht verlieren und muss einfach weitermachen. Ich bin grundsätzlich ein ruhiger Mensch und lasse mich nicht schnell aus der Fassung bringen. Wenn etwas nicht so läuft wie geplant, schaue ich mir die Situation an und überlege, was ich verändern kann. Es bringt nichts, in Panik zu verfallen. Man muss die Dinge sachlich analysieren, smart handeln und sich an die Marktlage anpassen.
#9 Was motiviert dich, weiterzumachen?
Stefan Reichhart: Genau das, was ich gerade angesprochen habe: wenn ich sehe, dass ich Probleme lösen und wieder in die Erfolgsspur finden kann. Das ist ein gutes Gefühl und das motiviert mich.
#10 Was möchtest du in zehn Jahren über deinen Weg sagen können?
Stefan Reichhart: Dass ich alle Herausforderungen gemeistert habe, zufrieden bin und das geschafft habe, was ich mir vorgenommen habe. Dass ich ein gutes Leben führe und meine Vision umgesetzt habe, den Kunden echten Mehrwert zu bieten und Freude an der Arbeit zu haben._
# Gedankensprung
Mein Ausgleich zum stressigen Alltag_Sport und mein Sohn
Entscheidungen treffe ich_meist aus dem Bauchgefühl heraus.
Mein Rat an mein 20-jähriges Ich_Koste die Zeit in den jungen Jahren ein bisschen mehr aus und lebe.
Redaktion
- Zofia Wegrzecka
Fotos
Antje Wolm