„Mich treibt eine innere Unruhe an“

Celantur

Die Software von Celantur erkennt Gesichter auf Bildern mit einer Genauigkeit von mehr als 99 Prozent und verpixelt sie automatisch. Das Linzer Startup hat eine Exportquote von 96 Prozent. Für Unternehmen werden teilweise Datenbanken von mehreren Millionen Bildern gescannt und verpixelt. Viele der Kunden sind global agierende Milliardenkonzerne. „Als Startup haben wir viel Respekt vor einer Zusammenarbeit mit solchen Unternehmen – vor einer Partnerschaft müssen komplexe Audits und Complianceprozesse durchlaufen werden, da lernt man einiges“, sagt Gründer Alexander Petkov. In der Gründungsphase des Unternehmens sei hingegen das Mentoringprogramm von tech2b am hilfreichsten für den Erfolg des Unternehmens gewesen. Zielgruppe von Celantur sind etwa Vermessungs- und Ingenieurbüros sowie Unternehmen im Automobilbereich, ein bekannter Kunde ist die Strabag. Eines der spannendsten Projekte der letzten Monate war die Anonymisierung der Fotos von Straßenzügen nach der Explosion im Hafen von Beirut 2020. „Wir haben das Projekt gemeinsam mit der Amerikanischen Universität in Beirut für die Schadenserfassung umgesetzt“, sagt Petkov. Das Startup ist im B2B-Bereich tätig – das soll vorerst auch so bleiben. „Ab Mitte des Jahres wird unser Produkt als Software auch für Kleinprojekte unter 100 Bildern bereitstehen“, sagt Petkov.

Vertrauen als Verkaufsargument

Das Produkt von Celantur wird ständig erweitert: Mittels KI werden personenbezogene Daten auf Bildern und Videos automatisch erkannt und anonymisiert. „Unsere Software funktioniert auch auf lokalen Rechnern und offline“, sagt Petkov.

Anfangs war das wichtigste Verkaufsargument von Celantur noch die Vermeidung von Strafen für Partnerunternehmen. „Mittlerweile ist der Faktor Vertrauen viel wichtiger geworden“, erklärt Petkov. Wenn Menschen das Gefühl haben, dass Unternehmen ihre personenbezogenen Daten gut geschützt haben, würde das den Zugang zum Unternehmen auf eine neue Ebene bringen – und weitere Geschäftsmodelle auf ein besseres Fundament stellen.

Wir haben das Projekt gemeinsam mit der Amerikanischen Universität in Beirut für die Schadenserfassung umgesetzt

von links: Alexander Petkov und Boyang Xia. Nicht im Bild: Der dritte Gründer, Mario Sabatino Riontino Celantur

Shoptimizer

Die Gründungsgeschichte des Salzburger Startups Shoptimizer ist eng mit einer einsamen Boje im Obertrumer See verbunden. „Diese Boje mitten im See erfüllt überhaupt keinen Zweck – außer als Raststätte für Möwen – und wurde deswegen eine Art Running Gag bei den Seehamer Eisschwimmern“, erzählt Gründer Elias Danninger. Der Verein taufte die Boje liebevoll „Möwenbojan“, die Mitglieder erlaubten sich einen Scherz und erstellten einen Googleeintrag für die Boje. „Sie wurde als Sehenswürdigkeit deklariert und alle Dorfbewohner:innen haben eine gute Bewertung abgegeben, irgendwann war diese Boje dadurch auf Tripadvisor die bekannteste Touristenattraktion im Trumer Seenland“, sagt Danninger. Ihn und seinen Mitgründer Daniel Sigl bringt das auf eine Idee – sie erkennen, wie wichtig Onlinebewertungen für Unternehmen sind. „Wir wollten den Bewertungsvorgang vereinfachen und jedem Unternehmen ermöglichen, effizientes und echtes Feedback zu bekommen“, sagt Sigl.

Ihr Produkt, der Shoptimizer, stellt die Verbindung zum Google-Bewertungsportal des jeweiligen Unternehmens her, wenn Kund:innen ihr Smartphone darüber halten. Mittlerweile kann der Shoptimizer auch zu den jeweiligen Social-Media-Auftritten oder anderen Onlineportalen verbinden. Im September vergangenen Jahres gründeten die beiden, seitdem wurden mehr als 300 Exemplare verkauft. „Die Hauptschwierigkeit bei der Entwicklung war, dass der Shoptimizer mit praktisch allen Smartphonemodellen am Markt kompatibel ist“, sagt Sigl. Die Technik dahinter ist in hochwertigem Holz aus Österreich verpackt, das mit dem Firmenlogo gebrandet werden kann. Das macht die Erfindung aus Seeham einzigartig. „Die handwerkliche Produktion machen soziale Werkstätten“, sagt Danninger. Die Hülle des Shoptimizers besteht meist aus Walnuss- oder Birnenholz, hin und wieder gibt es aber auch Special-Editions. „Ein Freund von uns hat vor Kurzem seinen Zwetschkenbaum umgeschnitten, den werden wir auch verwerten“, sagt Danninger.

„Ideen gehen uns sicher nicht aus“

Derzeit wird der Shoptimizer großteils in den DACH-Raum geliefert, langfristig wollen die Gründer in die USA expandieren. Den technischen Möglichkeiten seien keine Grenzen gesetzt. „Die Ideen gehen uns sicher niemals aus“, sagt Sigl. Vor kurzem wurde der Shoptimizer beispielweise mit umfangreichen Analysemöglichkeiten KMUs erweitert. Die Shoptimizer-Technologie könnte in Zukunft auch bei Busplänen zum Einsatz kommen, die Reisenden bequem am Smartphone anstatt auf großen Leuchttafeln präsentiert werden. „Jede:r hat einen Bildschirm in der Tasche, den man nützen kann – etwa bei Getränkebestellungen in Restaurants“, sagt Danninger.

Während sich das Unternehmen stetig weiterentwickelt, ist eines gleich geblieben: Der „Möwenbojan“ treibt weiterhin einsam im Obertrumer See. Einen Onlineauftritt hat er allerdings nicht mehr – Google löschte die Spaßbewertungen irgendwann._

Wir wollten den Bewertungsvorgang vereinfachen und jedem Unternehmen ermöglichen, effizientes und echtes Feedback zu bekommen.

von links: Elias Danninger und Daniel Sigl Shoptimizer

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