Die Dinge nehmen, wie sie kommen

Eingreifen und anleiten, ohne herrisch zu sein. Den Mitarbeitern Raum geben und sie gleichzeitig unterstützen. Diesen Mittelweg zu finden, ist für viele Führungskräfte eine große Herausforderung. Gerald Brandstetter hatte im kleineren Team Zeit, um diesen Balanceakt zu meistern, und wendet seine Erfahrung jetzt im großen Maßstab an.

„Wenn ich nein gesagt hätte, hätte es ein anderer gemacht“, lautet die lapidare Begründung Gerald Brandstetters dafür, dass er im März die Leitung der Linzer Zweigstelle des technischen Gebäudeausrüsters und Facility-Services-Anbieters Caverion übernommen hat. Damit ist er für 140 Mitarbeiter verantwortlich. Brandstetter ist gut im Unternehmen verwurzelt – vor zehn Jahren kam er als Projektleiter zu Caverion, von 2011 bis heuer war er Teamleiter. Seinen Führungsstil aus dieser Zeit hat Brandstetter auf den neuen Posten übertragen: „Eigentlich mache ich fast das Gleiche, nur für mehr Leute“, sagt er und lacht. Er profitiere davon, dass er die Strukturen und Personen im Betrieb kennt: „Man weiß, was die Stärken und Schwächen sind, und weiß vor allem, wo man sich Informationen holen kann.“

Brandstetter ist es wichtig, dass seine Mitarbeiter sich einbringen können. „Es gibt Situationen, in denen man die beste Lösung findet, wenn man sie im Team ausdiskutiert. Manchmal muss man in einer Führungsposition aber eben doch die Entscheidungen alleine treffen. Da ist Fingerspitzengefühl wichtig.“ Deshalb versuche Brandstetter, auf seine Mitarbeiter zuzugehen: „Manche brauchen mehr Aufmerksamkeit, manche arbeiten lieber eigenständig. Das muss man respektieren.“

Umgekehrt legt Brandstetter darauf Wert, für seine Mitarbeiter verfügbar zu sein: „Manchmal kommen bei der Arbeit eben auch persönliche Probleme auf. Da versuche ich dann, aus meiner eigenen Erfahrung heraus mit Ratschlägen zu unterstützen.“ Besonders wichtig sei ihm, dass die Mitarbeiter auch mit Fehlern zu ihm kommen. „Man kann für alles eine Lösung finden, aber dazu muss man erst wissen, wo das Problem liegt.“

Gerald Brandstetter, Leiter der Caverion-Zweigstelle Linz

Gerald Brandstetter

Leiter der Caverion-Zweigstelle Linz

Ausbildung und Karriere_Lehre zum Betriebselektriker bei der voestalpine, dann Abend-HTL, danach Techniker bei der VA Tech Elin EBG und Nachfolgeunternehmen, seit 2010 zuerst als Projekt-, dann als Teamleiter bei Caverion, seit März 2020 Zweigstellenleiter der Caverion-Niederlassung Linz

Eine neue Führungsaufgabe kostet vor allem eines: Zeit. „Man muss in so eine Aufgabe hineinwachsen, vorbereiten kann man sich fast nicht“, sagt Brandstetter, „es dauert ein bisschen, bis man mit den neuen Tätigkeiten vertraut ist.“ Das geht auch auf Kosten des Privatlebens. „Unter der Woche versuche ich, mit meiner Familie Zeit zu verbringen und am Wochenende noch etwas Sport zu treiben.“ Brandstetters Töchter, die vierzehn und 17 Jahre alt sind, waren wegen seiner neuen Stelle zuerst skeptisch: „Die erste Reaktion war: ‚Dann sehen wir dich ja noch weniger!‘ Aber letztlich haben sie die Entscheidung auch unterstützt, und ein bisschen stolz sind sie auch.“

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