15 Weisheiten mit Herz

Als COO des Gebäudetechnikunternehmens ELIN mit 250 Millionen Euro Jahresumsatz ist Oskar Kern für mehr als 1.500 Mitarbeiter verantwortlich. In diese Position hat er es ohne einflussreiche Kontakte geschafft - er wuchs als Sohn zweier Landbriefträger im abgelegenen Liebenau im Mühlviertel auf. Wie ihm dort seine Eltern das Rüstzeug für die steile Karriere in kleinen Weisheiten mitgegeben haben, erzählt er in einem ungewöhnlichen Motivationsbuch.

Als dreizehnjähriger Bub liebt es Kern, seinen Vater in den Sommerferien auf der Zweisitzer-Puch auf der Tour von Haus zu Haus zu begleiten. Als sie, wie so oft, zu einer Jause eingeladen werden, vertraut ihm sein Vater eines Tages die wertvolle Posttasche an, er soll alleine zum nächstgelegenen Haus fahren. Kern zögert – bisher hat er auf dem Moped nur einige Runden im eigenen Hof gedreht. „Fahr schon los, wenn was schief geht, hast du was gelernt“, rät ihm sein Vater. Kern überwindet seine Zweifel und fährt los. Auf der Schotterstraße drosselt er die Geschwindigkeit zu stark, stürzt und schürft sich die Ellenbogen auf, dann brüllt ihn auch noch der Förster an, die Post wirft er in die Küche, weil er Angst vor dem Wachhund hat. Letztendlich geht aber alles gut. Aussagen wie „Das kannst du nicht, das hast du ja noch nie gemacht“, tut er von da an als blöde Sprüche ab. „Ich probiere es einfach. Wenn ich bei einem neuen Versuch zuerst einmal in den Dreck falle, stehe ich einfach wieder auf, putze mich ab und gehe um eine Erfahrung reicher weiter.“

"Wenn ich bei einem neuen Versuch zuerst einmal in den Dreck falle, steh eich einfach wieder auf, putze mich ab und gehe um eine Erfahrung reicher weiter."

Oskar KernCOO ELIN

Sei bereit zu scheitern – das ist eine von fünfzehn Weisheiten, die Kern den Lesern in „Briefträgerkind – die kleinen Weisheiten meiner Eltern“ näher bringt. „Das ist eines meiner wichtigsten Prinzipien. Man muss auch bereit sein, hinzufallen, das ist dann nicht der Weltuntergang, man kann aus der Situation etwas lernen“, sagt Kern. Er glaubt nicht, dass die meisten Inhalte für die Leser neu sind – die Idee sei es gewesen, die Menschen an die kleinen Weisheitenzu erinnern, die vielleicht schon in Vergessenheit geraten sind. Die Idee zum Buch kommt ihm, als er bei Impulsvorträgen über seine Kindheit ständig gefragt wird, ob es diese Geschichten auch zum Nachlesen gibt, heute hält er auch Impulsvorträge über das Buch. Als die Namen der Kapitel dann feststehen, bleiben heftige Reaktionen nicht aus. „Du kannst nicht Manager des größten Gebäudetechnikers mit 250 Millionen Euro Jahresumsatz sein und gleichzeitig sagen: Sei bereit zum Scheitern“, hat mir einer gesagt, erinnert sich Kern. „Auch meine Eltern meinten in einigen Punkten – Oskar, das kannst du doch nicht so schreiben, bist du irre?“, sagt Kern und schmunzelt. Seine Antwort: Doch, das war doch genau so! „Wenn es ein Erfolgsprinzip für mich gibt, dann ist es, ehrlich und offen auf die Menschen zuzugehen.“

„Es war mein Traum, mit dem Buch etwas Gutes zu tun. Nicht nur für den Leser, sondern auch für eine Organisation, die mir sehr am Herzen liegt, den Herzkindern.“ Die Erlöse der Buch-Sonderedition gehen an den Verein Herzkinder Österreich, eine Anlaufstelle für Eltern herzkranker Kinder in allen nicht medizinischen Anliegen und Belangen. Auch Kern war betroffen: Sein Sohn litt unter einem vierfachen Herzfehler, eine Operation rettete ihm das Leben. Mittlerweile ist das zehn Jahre her. „Das Buch sollte zum runden Geburtstag meines Sohns Stefan und meiner Frau Petra fertig werden“, sagt Kern, „das war 2014 mein Herzensprojekt.“

Briefträgerkind

von Oskar Kern

Erhältlich unter:

www.okbuch.com

Informationen zum Verein:

www.herzkinder.at

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