Interview Obamas
Social-Media-Expertin

„Trump hat keine Digitalstrategie“

Was sind die drei häufigsten Fehler bei Social Media-Auftritten?

Miller_Wenn Leute auf Quantität statt Qualität setzen und nicht wirklich über die Botschaft, die sie kommunizieren bzw. das Ziel, das sie rüberbringen wollen, nachdenken. Es muss eine klare Botschaft über alle Tweets ausgesendet und diese muss für die verschiedenen Kanäle angepasst werden. Und ganz wichtig ist die Zwei-Wegkommunikation, man muss mit seinen Freunden kommunizieren.

Ist während der Arbeit für Präsident Obama einmal ein größerer Fehler auf Social Media passiert und wie haben Sie darauf reagiert?

Miller_Man kann nicht im Social Media-Bereich arbeiten, ohne Fehler zu machen. Wichtig ist, dass man daraus lernt. Wir hatten ein gutes Kontrollsystem und es ist zum Glück nie etwas Schlimmes passiert. Einmal haben wir im Zuge einer Kampagne für ein neues Nationaldenkmal ein falsches Foto gepostet. Wir wussten von dem Fehler nichts, bis uns Leute darauf aufmerksam gemacht haben. Für so einen Fall gab es bei uns die Regel, keine Tweets zu löschen, sondern eine Korrektur auszuschicken. Bei Donald Trump machen sie das nun sicher anders, da gibt es ganz andere Grundsätze für die sozialen Medien – wenn es überhaupt irgendwelche Regeln gibt.

Fake News sind ein großes Problem bei den sozialen Medien …

Miller_Es sollte mehr Druck auf die Plattformen ausgeübt werden, dass sie sich mehr selbst regulieren. Aber wenn man daran denkt, wie der Facebook-Chef Mark Zuckerberg im Kongress war – er spielte mit den Abgeordneten … Unabhängig davon sollten alle Personen eine Basis-Ausbildung für Social Media bekommen und lernen, wie die Plattformen funktionieren.

Welche Plattformen sind aktuell und welche in Zukunft am bedeutendsten?

Miller_Vor fünf Jahren gab es noch viele verschiedene, aber jetzt scheint es so, als ob es sich entschieden hätte, welche weiterbestehen werden. Instagram vereint das Beste aus allen Welten. Es gibt verschiedene Wege miteinander zu kommunizieren und bei Instagram sind diese alle möglich: Man kann einen aktuellen Status posten, in Form von Kommentaren mit den User interagieren und durch Instagram Live mit Follower kommunizieren. Instagram bietet die besten Möglichkeiten für Firmen, aber auch für den persönlichen Gebraucht. Auf Twitter muss man sein, auch wenn es manchmal ein depressiver Ort ist. Es ist gut um schnell zu kommunizieren und rauszufinden, was gerade passiert. Bei Facebook wurde der Algorithmus so stark geändert, dass es für Unternehmen nicht mehr so interessant ist. Die Plattform ist aber noch bedeutend für die Zweiweg-Kommunikation. Snapchat ist eine sterbende Plattform. WhatsApp ist eine interessante Plattform für die Kommunikation mit Kunden. Firmen probieren gerade aus, wie sie WhatsApp in diese Richtung am besten verwenden können._

Obamas Social-Media-Expertin zu Gast bei Pulpmedia

Laura Miller war im Weißen Haus unter Ex-US-Präsident Barack Obama für die Planung und Umsetzung der Social-Media-Strategie verantwortlich. Aktuell ist Miller Digitaldirektorin der Agentur Civic Advisors in Washington, die von ehemaligen Mitarbeitern von Obama gegründet wurde. Milller arbeitet an den Initiativen „March for our lives“, bei der restriktivere Bestimmungen im Umgang mit Waffen gefordert werden, oder „When we all vote“. Mit dieser Initiative machte Michelle Obama einen Aufruf an die US-Wahlberechtigten zur Registrierung für die Midterm-Elections 2018. Inwieweit Miller sich bei der nächsten US-Präsidentschaftswahl 2020 engagieren wird, weiß sie noch nicht. Sie möchte auch nicht zu früh einsteigen, aktuell gebe es noch sehr viele Kandidaten und sie habe sich noch nicht für eine Person entschieden.

Die Onlinemarketingagentur Pulpmedia lud Laura Miller nach Linz ein. Pulpmedia kreiert digitale Kampagnen und Strategien für Unternehmen wie Hofer, Hofer Reisen, Hervis, Burgerista, Husqvarna oder Hermann. Die Schwerpunkte der im Jahr 2005 von Robert Bogner und Paul Lanzerstorfer gegründeten Agentur und ihren aktuell 40 und Mitarbeitern liegen dabei in den Bereichen Performance-Marketing, Inbound-Marketing, Content-Marketing, Video-Marketing und Digitale Kampagnen.